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Nächste Corona-Welle rollt: Münchner Top-Experten beantworten alle wichtigen Fragen

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Von: Susanne Sasse

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Ein Schild „Bitte Nachweis vorlegen: Getestet, Geimpft, Genesen“ hängt an der Kasse vom Kino am Raschplatz in Hannover, Niedersachsen
Neue Corona-Verordnung in Niedersachsen: das erwartet uns. © Julian Stratenschulte/dpa

Die vierte Corona-Welle rollt und bringt damit viele Fragen auf den Tisch. Experten beantworten hier die wichtigsten rund um die aktuelle Corona-Lage.

München - Die vierte Corona-Welle wird erst noch richtig anrollen, prognostiziert Clemens Wendtner, Chefarzt in der München Klinik in Schwabing. Sind auch Geimpfte gefährdet, was gilt für Urlaubsreisen, welche Regeln sind neu? Bei uns erklären drei Münchner Top-Experten, wie Sie sicher durch den Herbst und den Winter kommen. Auch mit Impfung lieber einmal zu viel testen als zu wenig ist die Devise von Professor Clemens Wendtner, Chefarzt in der München Klinik in Schwabing.

Corona: Experten beantworten die aktuell wichtigsten Fragen

Der Spezialist für Immunologie empfiehlt einige Vorsichtsmaßnahmen. Wer in den Urlaub fährt, sollte bedenken, dass er das Virus übertragen könnte und sich entsprechend verhalten, fordert Christian Janke, Tropenmediziner am LMU-Klinikum in Großhadern. Professor Johannes Hübner, Kinderinfektiologe am LMU-Klinikum Innenstadt, ist überzeugt, dass es sich lohnt, Impfskeptiker noch zu überzeugen – „Was nicht passieren darf, dass man Kinder zu Masken verdonnert, um Erwachsene zu schützen, die das Infektionsrisiko bewusst eingehen.“

Corona: Was mache ich bei einem Schnupfen?

Wer einen Schnupfen hat, sollte sich selbst und anderen zuliebe einen Corona-Selbsttest machen“, rät Professor Wendter. Auch dann, wenn er geimpft ist, denn es gibt eine Rest-Unsicherheit. „Ich rate bei jeglichen Atemwegsbeschwerden zu einer Testung“, sagt der Infektions- und Tropenmediziner Christian Janke vom LMU-Klinikum in Großhadern. Zwar seien PCR-Tests der „Goldstandard“, aber bevor man keinen macht, rät Janke zu einem Schnelltest. Das Gute an den Schnelltests ist laut Professor Wendtner, dass sie gutfunktionieren, wenn jemand Erkältungssymptome hat – sie seien nur dann unzuverlässig, wenn eben genau keine Symptome vorhanden sind.

Wann Corona-Tests Sinn machen

Das RKI empfiehlt, bei Symptomen von COVID-19, wie Atemproblemen, Fieber, einem gestörten Geruchs- und Geschmackssinn etc., oder ungeklärten Krankheitszeichen einen Corona-Test zu machen. Auch nach Kontakt mit einer coronapositiven oder symptomatischen Person und einer hohen Inzidenz sollte man sich testen lassen. Außerdem ist ein Test sinnvoll, wenn bei einer Veranstaltung mit mehr als zehn Teilnehmern die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Übrigens: In der Onkologie in der München Klinik machen auch die geimpften Mitarbeiter mindestens alle zwei Wochen einen PCR-Test, der weit sicherer ist als ein Schnelltest. Übrigens: Professor Wendtner selbst macht wöchentlich einen PCR-Test. Ungeimpfte Mitarbeiter sind alle 48 Stunden zu einem Test verpflichtet. Die strenge Testregelung gilt für den sensiblen Bereich, indem immungeschwächte und kranke Menschen behandelt werden.

Clemens Wendtner ist Chefarzt in der München Klinik und hat damals die ersten Corona-Patienten behandelt.
Clemens Wendtner ist Chefarzt in der München Klinik und hat damals Deutschlands erste Corona-Patienten behandelt. © Fotograf München Klinik/ dpa

Corona:  Das gilt für Impfdurchbrüche

„Auch wenn es vereinzelt zu Impfdurchbrüchen kommt, steht fest, dass die Impfung ein extrem hohes Schutzniveauverschafft“, sagt Tropenmediziner Janke, „die Gefahr von schweren Verläufen ist um 17-mal geringer als bei Ungeimpften.“ Als Impfdurchbruch gilt, wenn eine Person trotz vollständiger Impfung mit Symptomen wie Schnupfen, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder anderen erkrankt und positiv auf Covid-19 getestet wird. Wer ohne Symptome positiv getestet wird, gilt als Virusträger. „Dass Impfdurchbrüche vorkommen, spricht nicht gegen die Impfung an sich“, sagt Professor Wendtner und stellt klar, dass die Betroffenen in der Regel ohne Impfung weit schwerer erkrankt wären. „Geimpfte landen zu 95 Prozent bei einem Impfdurchbruch nicht auf der Intensivstation“, sagt Wendtner.

Die Regeln zur Corona-Quarantäne

Corona infiziert, dann gilt für ungeimpfte Kontaktpersonen eine 14-tägige Quarantäne – ebenso wie für die Infizierten. Doppelt oder dreifach Geimpfte oder Genesene dagegen müssen nach derzeitigem Stand nicht in Quarantäne, wenn sie symptomfrei sind. Dennoch empfiehlt Janke, vorsichtshalber die Kontakte für 14 Tage auf ein Minimum zu reduzieren, um nicht ungewollt zum Überträger zu werden.

Die wichtigsten Impfungen für alle

Eine Grippeimpfung hält Professor Wendtner für jeden für sinnvoll. Vor allem aber kann Grippe für über 60-Jährige, Schwangere und chronisch Erkrankte gefährlich sein. Personenab einem Alter von 60 Jahren, chronisch Kranke und Menschen mit einer Immunschwäche sollten sich zusätzlich gegen Pneumokokken impfen lassen.

Wer die dritte Corona-Spritze braucht

Die Auffrischungsimpfung wird frühestens sechs Monate nachd er zweiten Impfdosis angeboten. „Ich denke, die Auffrischungsimpfung ist für jeden sinnvoll“, sagt Professor Wendtner. Dr. Janke empfiehlt die dritte Spritze gegebenenfalls schon ab einem Alter von 60 Jahren: „Studien zeigen, dass in diesem Alter der Impfschutz stärker als bei jüngeren nachlässt.“ Das Bayrische Gesundheitsministerium empfiehlt die Booster-Impfung Menschen ab 80 Jahren. Das RKI rät über 70-Jährigenund Personal aus der Pflege und Medizin zur Auffrischungsimpfung.

Tropenmediziner Christian Janke am Klinikum in Großhadern der LMU.
Tropenmediziner Christian Janke am Klinikum in Großhadern der LMU. © Andreas Steeger

Fragt man nach dem Impfstatus?

„Generell sollte die Frage danach, ob jemand geimpft oder genesen ist, möglich sein“, sagt Professor Wendtner. Man könne und solle Gäste, die verschnupft sind oder Erkältungssymptome haben, darum beten, einen Schnelltest zu machen. „Feste mit vielen Gästen oder die klassische Weihnachtsfeier in geschlossenen Räumen sind vor allem für Ungeimpfte ein Risiko“, sagt Wendtner. Zwar bleibt auch für Geimpfte wegen möglicher Impfdurchbrüche ein Restrisiko, aber das sei akzeptabel wegen des erwartbar milden Krankheitsverlaufs, so Wendtner.

So oft soll man Kinder testen

Für Kinder unter zwölf Jahren ist noch kein Impfstoff zugelassen. Da sie im Kindergarten und in der Schule jedoch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, werden dort LolliPool-PCR-Tests durchgeführt: Alle Speichelproben einer Gruppe werden mindestens zweimal wöchentlich gesammelt getestet. Damit sollen die Kinder in der Schulzeit abgesichert werden – aber in den Augen des Kinderinfektiologen Professor Johannes Hübner vom LUM-Klinikum in der Innenstadt ist das auch schon etwas übertrieben: „Die asymptomatischen Testungen sind in diesemUmfang nicht nötig“, sagt Professor Hübner. Er rät dazu, generell bei Atemwegsinfektionen zu testen–findet aber, dass es nicht zu Lasten der Kinder gehen sollte, wenn sich Erwachsene nicht impfen lassen wollen und damit eine Infektion riskieren. Zwar spreche nichts gegen einen Schnelltest vor einem Besuch bei der Großmutter, besser aber wäre es, wenn diese sich impfen lässt. 

Johannes Hübner
Johannes Hübner, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie im Haunerschen Kinderspital © LMU München

Der Umgang mit Ungeschützten

Er selbst sei durch seine Impfungen gut geschützt und suche das Gespräch mit Impfskeptikern, um diese doch noch zu überzeugen, sagt Professor Wendtner. Er plädiert für Überzeugungsarbeit: „Wir sollten alle im Gespräch bleiben, um Skeptiker hoffentlich doch noch zu überzeugen.“So sieht das auch Professor Hübner: „Nur zwei bis drei Prozent der Ungeimpften lehnen Impfungen generell ab, die anderen Menschen sind im Gespräch durch vernünftige Argumente und Erklärungen oft doch zu überzeugen.“ 

Welche Corona-Regeln gelten im Urlaub?

Italien und Südtirol: Ganz Italien ist „weiße“ Risikozone, die Inzidenz ist dort mit 51 (Quelle: Johns Hopkins University) derzeit niedriger als in Deutschland. In Italien gilt in Zügen, auf Fähren, Inlandsflügen und beim Wintersport die 3-G-Regel. Einreise ist mit Test, Impf- oder Genesungs-Nachweis möglich.

Österreich: In den meisten Bundesländern steht die Corona-Ampel auf Rot, die Inzidenz liegt mit landesweit 358 über der von Deutschland. In Restaurants, Freizeitbetrieben und Kultureinrichtungen gilt die 3-G-Regel.

Kroatien: Kroatien gilt wieder als Hochrisiko-Gebiet, die Inzidenz liegt bei 613. Für die Einreise braucht es einen Test, Impf- oder Genesungs-Nachweis (ausgenommen sind Kinder unter zwölf Jahren). In den Restaurants wird ab Mitternacht kein Alkohol mehr ausgeschenkt, an Stränden gibt es Zugangsbeschränkungen, zwischen Liegestühlen braucht es einen Abstand von 4,5 Metern.

 Das gilt für Reiserückkehrer

Hier kommt es auf dem Impfstatus an und darauf, aus welchem Land die Urlauber heimkehren– aus einen Risiko-, Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet.

Italien: Bei der Rückkehr müssen die Reisenden einen aktuellen Corona Test, den Nachweis einer vollständigen Impfung oder einen Genesenen-Nachweis vorlegen, ausgenommen sind Kinder unter zwölf Jahren.

Österreich: Reiserückkehrer brauchen einen Test oder einen Impf- bzw. Genesennachweis, ausgenommen sind Kinder unter zwölf Jahren.

Kroatien: Reiserückkehrer benötigen eine digitale Einreiseanmeldung und einen Test oder Impf-bzw. Genesenen Nachweis. Nicht geimpfte oder genesene Rückkehrer müssen in Deutschland in Quarantäne.

Was gilt bei Urlaubsplänen?

„Pläne kann man natürlich machen für die kommenden Monate, aber ich persönlich würde nichts buchen ohne Stornooptionen“, sagt Professor Wendtner. „Es gibt durchaus noch einige Unwägbarkeiten dabei, was uns in den kommenden Monaten erwartet“, sagt er. Einige Staaten–unter anderem die USA, China und Australien– sprachen ein generelles Einreiseverbot für Deutsche aus. In den USA soll das Einreiseverbot für Deutsche ab November wieder gelockert werden. (Susanne Sasse, Jana Schröder)

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