Stephanie Jacobs gibt Auskunft im Feriensenat

Corona: Gute Zahlen in München - doch Gesundheitsreferentin warnt vor Folgen der Lockerungen

+
Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

27 Tage dauert es mittlerweile, bis sich die Zahl der mit dem Corona-Virus-Infizierten in München verdoppelt. Das sagte Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs gestern im Feriensenat. Demnach liegt die Reproduktionsrate in der Landeshauptstadt nunmehr bei 0,73. „Der Blick auf die Zahlen macht Hoffnung“, sagte Jacobs.

Ein Wert von R=1 würde bedeuten, dass ein Infizierter einen Gesunden Menschen mit dem Virus ansteckt. Je niedriger der Wert R, desto besser lassen sich Infektionsketten zurückverfolgen. Liegt der Wert unter eins wird absehbar die Zahl der Infizierten zurückgehen. „Wenn wir bei eins oder darunter bleiben, kommen wir in ein lineares Wachstum, dann können wir besser planen und erreichen keine nicht handhabbaren Zustände.“

Jacobs sagte zudem, dass die ergriffenen Maßnahmen wie die Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen Wirkung zeigten. Zu Beginn der Pandemie lag die Verdopplungsrate bei drei Tagen. Vor der ersten Intervention mit den Schließungen der Schulen am 14. März hatte demnach noch jeder Infizierte zwei gesunde Menschen angesteckt. Die Reproduktionsrate lag mithin bei zwei. Hätte man nichts geändert, wäre das Gesundheitssystem kollabiert.

Jacobs warten aber eindringlich davor, dass die Zahlen auch wieder steigen könnten. Bei einem Wert um 1,3 würde die Kapazität der Intensivbetten voll ausgeschöpft. Derzeit sind etwa 2,5 Prozent der Infizierten intensivpflichtig. „Daher laufen unsere System so stabil.“

Miriam Ebner hat keine Vorerkrankungen und ist topfit – nach einer Infektion mit dem Coronavirus findet sich die 27-Jährige aus München dann auf der Intensivstation wieder.

Die Auswirkungen von Einschränkungen oder nun den angestrebten Lockerungen werde man aber immer erst zwei, möglicherweise auch drei Wochen später sehen. „Wenn wir weiter in die Lockerungen gehen ohne Impfstoff, Medikament oder entsprechende Durchseuchung werden wir Ende des Jahres wieder Zahlen sehen, die dazu führen, dass wir nicht sagen können, dass wir das Virusgeschehen im Griff haben“, sagte Jacobs.

Zumal es Faktoren gebe, die man derzeit gar nicht kalkulieren könne, wenn im Umland beispielsweise die Fallzahlen stiegen. Oder wenn es in einem Alten- oder Pflegeheim zu einem Ausbruch käme. Ferner wisse man noch zu wenig über das Virus. „Und es gibt nach wie vor eine hohe Dunkelziffer“, sagte Jacobs. Die soll laut Schätzungen bei 85 Prozent liegen. 

Am Mittwoch wurden in München 50 neue Corona-Fälle bestätigt. Damit liegt die Zahl der Infizierten bei 5769. 4134 Menschen sind bereits genese, 852 müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Bislang gibt es 158 Todesfälle.

Auch in einer Münchner Modefirma ist das Coronavirus ausgebrochen. 61 Mitarbeiter wurden bereits positiv getestet, etliche Testergebnisse stehen noch aus. 

Auch interessant

Meistgelesen

Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach
Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach

Kommentare