„Absolutes No-Go“

Nahe München liegen 2000 Corona-Impfdosen auf Eis und dürfen nicht verimpft werden - bald verfallen sie

Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca lagern in einem Kühlschrank.
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Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca lagern in einem Kühlschrank.

Der Corona-Impfstoff ist noch immer ein rares wie wichtiges Gut. Umso ärgerlicher, wenn etliche Dosen einfach in der Kühlung verfallen. Wie aktuell im Landkreis Ebersberg.

München - Impfen ist das ausgeschriebene Erfolgsrezept gegen die Corona-Pandemie. In Deutschland schreitet das Tempo beim Verabreichen der Vakzine immer weiter voran. Mittlerweile hat beinahe jeder zweite Deutsche bereits eine erste Impfdosis erhalten. Dennoch sind die Impfstoffe gegen das Coronavirus rares Gut. Die Erstimpfungen lahmten zuletzt, da zweitzuimpfende Personen priorisiert werden. Auch Betriebsärzte, die mittlerweile ebenfalls impfen, klagten zunächst über einen Mangel an Impfdosen. Umso ärgerlicher, wenn etliche Dosen einfach ungenutzt im Kühlschrank versauern. Genau das ist im Münchner Nachbar-Landkreis Ebersberg* der Fall.

Corona-Impfungen: Etliche Dosen versauern im Landkreis Ebersberg - Verfallsdatum schon bald

Auch im Kreis Ebersberg warten noch einige Menschen auf eine Impfung gegen das Virus. Und im Ebersberger Impfzentrum lagern noch 2000 Impfdosen des Vakzins von Hersteller Astrazeneca, bereit, in Oberarme gespritzt zu werden. Aber anstatt sie zu verwenden, liegen die einfach in der Kühlung herum. Darüber berichtet nun die Süddeutsche Zeitung. Das Schlimmste daran: Der Impfstoff steht wohl unmittelbar vor dem Verfall, das Ablaufdatum ist demnach nicht mehr weit entfernt.

Für das Dilemma gibt es einen konkreten Grund. Für Erstimpfungen darf das Astrazeneca-Vakzin in Impfzentren seit Mitte April nicht mehr verwendet werden. Heißt also, dass die Erstimpfungen mit dem Impfstoff bereits seit längerer Zeit ausgesetzt sind. Da diese aber ja eben bereits ausgesetzt wurden, fehlen nun auch die Abnehmer, die eine Zweitimpfung mit dem Vakzin bekommen sollen - Angebot und Nachfrage stimmen hier nicht so wirklich überein. Hinzu kommt noch, dass das Verfallsdatum der 2000 Impfdosen dem Bericht zufolge bereits Ende Juli ist. Und genau das macht den Corona-Krisenstab im Landkreis ganz schön wütend.

Corona-Impfstoff: 2000 Astrazeneca-Dosen ungenutzt - Krisenstab: „Ein absolutes No-Go“

„Das ist völlig unbefriedigend, dass wir Impfstoff haben, ihn aber nicht verimpfen dürfen“, sagte Brigitte Keller, Leiterin des Krisenstabs des Landkreises in einem Pressegespräch. „Ich verstehe das nicht, das ist ein absolutes No-Go“. Eine Wut, die verständlich ist. Wie die SZ berichtet, sind im bayerischen Impfportal „Bayimco“, das die Termine für die Impfzentren regelt, im Landkreis nämlich noch immer 12.000 Personen der Prio-Gruppe drei registriert, die auf eine Impfung warten. Diese Gruppe umfasst durchaus auch Personen mit Vorerkrankungen oder aus der Altersgruppe 60+, sprich Menschen, die durchaus ein höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Selbst Freiwillige können sich derweil nicht eine der übrigen Astrazeneca-Dosen verabreichen lassen. Das Impfzentrum darf über das Portal nämlich keine Erstimpfungen mit dem Vakzin freischalten. Dabei hätte das ganze direkt zwei große Vorteile. Zum einen würde man mit den Impfungen vorankommen und keine Dosen einfach verfallen lassen. Zum anderen könnte eine Freischaltung auch zeigen, wie viele der 12.000 noch bei „Bayimco“ registrierten Ebersberger und Ebersbergerinnen wirklich noch auf einen Termin warten und wie viele sich bereits etwa über Haus- oder Betriebsärzte haben impfen lassen, ihre Registrierung jedoch nicht dementsprechend angepasst haben. (han) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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