„Pause mit bayrischen Bier“ und Rückreise am gleichen Tag

Deutsche warten auf Pieks, aber italienisches Hotelpersonal wird in München geimpft und fliegt wieder heim

Notlandung am Flughafen München
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Notlandung am Flughafen München

Zur Corona-Impfung mal eben nach München? Ein italienisches Luxus-Hotel soll seine Belegschaft in einem „Tagestrip“ geimpft haben. Hierzulande warten Millionen noch auf ihre erste Dosis.

München - Die italienische Nationalmannschaft, Oligarch Roman Abramowitsch, Berlusconi, der chinesische Präsident Xi Jinping. Diese illustre Schar soll in der Vergangenheit zu Gast im „Forte Village“ auf Sardinien gewesen sein. Bis zu 20.000 Euro kostet ein Bungalow in der Luxus-Anlage. Sicher aufsehenerregend aber kaum empörend bis hierher. Wohl aber, was das Management und aktuell unternommen haben soll, um sein Hotel samt Gäste und Belegschaft frei von Corona zu halten. Das gesamte Personal des „Forte Village“ soll für einen Tages-Trip nach München geflogen, dort gegen Corona geimpft und wieder zurückgeflogen worden sein. Und das - während noch rund die Hälfte aller Deutschen auf die ersehnte Erstimpfung warten.

Corona-Impfung am Flughafen München: Italienisches Luxus-Hotel lässt gesamtes Team impfen

Wie der Spiegel berichtet, soll die Aktion am 21. Mai stattgefunden haben. In einem „Akt mutigen Unternehmergeistes“, zitiert das Magazin eine Pressemitteilung des Hotels, habe man ein „Pilotprojekt“ entwickelt, das den Gästen „einzigartige Ferien im völligen Respekt der eigenen Gesundheit und der aller anderen“ ermöglichen soll. Demnach soll das gesamte Resort-Team nach München gebracht worden sein, wo ihm der Impfstoff Biontech-Pfizer verabreicht wurde, wie es in der zitierten Pressemitteilung weiter heißt.

Und das Hotel macht offenbar gar keinen Hehl um die Aktion. „Um 9 Uhr haben wir den Flieger in Cagliari genommen, um 11 Uhr waren wir in München, um 12.30 Uhr war alles schon vorbei. Pause mit bayerischem Bier. Um 17 Uhr sind wir mit unserem Impfnachweis nach Cagliari zurückgereist“, zitiert der Spiegel ein Interview von Resortmanager Domenico Bagalà mit dem italienisches Sender RAI. Praktisch für die südeuropäischen Gäste: Da die Aktion im Hilton am Airport stattfand, musste man keine großen Mühen auf sich nehmen, um den begehrten Pieks zu erhalten. Doch woher kam der Impfstoff, und wer verabreichte ihn?

Corona: Italienisches Luxus-Hotel macht Tages-Trip für Impfung nach München

Dr. Udo Beckenbauer, ein renommierter Arzt aus München, habe sich, wie der Spiegel weiter berichtet, als Mediziner für die Impf-Aktion zur Verfügung gestellt. Seiner Vita ist die Zusammenarbeit mit großen Firmen wie Accenture, Airbus, Allianz und Siemens zu entnehmen. Beckenbauer selbst betreibt eine Praxis an der Münchner Frauenkirche und am Tegernsee. In einem Interview, das das Magazin zitiert, erklärt Beckenbauer dem Sender RAI, was es mit der Impf-Aktion am Flughafen auf sich hatte: „Es gab einen Vertrag. Nicht mit mir, sondern mit jemand anderem. Ich habe gefragt, ob es erlaubt sei. Sonst hätte ich es nicht gemacht“, so Beckenbauer.

Die Impf-Aktion des „Forte Village“ zeigt, wie die Realität in Deutschland im Umgang mit Corona-Impfungen oft aussieht. Während Millionen Bürger:innen noch auf ihren Pieks warten, haben andere bereits seit Monaten den vollen Schutz - unabhängig von Alter und Gesundheit. Wie der Spiegel final weiter berichtet, habe sich auch das Bayerische Gesundheitsministerium zu dem Fall geäußert: „Grundsätzlich gilt: Die niedergelassenen bayerischen Ärztinnen und Ärzte impfen Patientinnen und Patienten gemäß den Vorschriften der CoronaImpfV“, zitiert das Magazin eine Sprecher der Bayerischen Landesärztekammer, Florian Wagle.

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