Stadtrat nimmt sich dem Thema an

Corona-Impfung in München: Schleppender Anlauf macht Senioren sauer - „Unmöglich!“

Hilde Seifert (dritte von links) kämpft mit anderen Bewohnern des betreuten Wohnens für einen Impftermin vor Ort.
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Hilde Seifert (dritte von links) kämpft mit anderen Bewohnern des betreuten Wohnens für einen Impftermin vor Ort.

Bei der Impf-Hotline ist kein Durchkommen. Mobile Impf-Teams besuchen betreute Wohneinrichtungen nicht. Senioren in München sind sauer über Impf-Start.

München - Es ist der Pieks der Hoffnung auf mehr Sorglosigkeit: die Corona-Impfung. Doch noch warten viele vergeblich auf ihren Termin, denn der Impfstoff ist weiter knapp. Und auch die städtische Organisation sorgt für Verwirrung, wie zwei Fälle aus München* zeigen.

Corona-Impfung in München: Impf-Hotline überlastet

Klaus Dietz, dachte es würde ganz leicht gehen: Ein Anruf, und dann wäre er für die Corona-Impfung registriert. Es kam anders. Seit Freitag gibt es das städtische Impf-Telefon. Um 11 Uhr wurde es freigeschaltet, drei Minuten später wählte Dietz die Nummer – und hatte bereits 80 Personen vor sich. Er wartet, dann tönt plötzlich das Besetzzeichen aus dem Hörer: Klaus Dietz ist aus der Leitung geflogen. „Das fand ich unerhört!“, ärgert er sich. Für Klaus Dietz zeigt es vor allem eins: Wenn es um das Thema Corona* geht, wird viel geredet, aber wenig getan. Denn selbst wenn er einen Impftermin bekommt, weiß der 87-Jährige noch nicht, wie er überhaupt zum Impfzentrum in Riem kommen soll. „Ich bin gehbehindert, habe einen Rollator“, so der Senior. „Wenn ich vom Lehel dorthin fahren will, muss ich zweimal mit der Tram umsteigen und ein ganzes Stück gehen – unmöglich!“ Klaus Dietz hat sich schlussendlich online für die Corona-Impfung registriert. „Aber viele in meinem Alter haben diese Möglichkeit gar nicht.“

Klaus Dietz hat schlechte Erfahrungen mit dem Impf-Telefon gemacht.

Auch in Großhadern fragt man sich, warum das mit dem Impfen nicht leichter geht. „Obwohl hier fast alle über 80 Jahre alt sind, ist bei uns kein Impftermin vor Ort geplant“, schimpft Hilde Seifert. Sie wohnt im Margarete-von-Siemens-Haus, das zur Münchenstift gehört. In der Einrichtung für selbstständiges Wohnen leben Senioren, die nur wenig Betreuung brauchen. Weil sie damit nicht zu den Altersheimen zählen, haben sie keinen Anspruch auf einen Impftermin vor Ort. „Das Risiko durch Corona* ist für uns sehr hoch. Die meisten der 96 Bewohner sind über 80 Jahre alt, viele auch schon über 90 und nicht mehr fit genug, um selbstständig einen Impftermin zu organisieren“, sagt Seifert, die sich alleingelassen fühlt. Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker hat Verständnis: „Ich gönne den Senioren, dass sie schnellstmöglich geimpft werden und bin auch bereit, dass wir bei der Organisation eines möglichen Impftermins beteiligen.“ Dies könne aber erst in einem zweiten Schritt, wahrscheinlich Ende Februar, geschehen. „Oberste Priorität haben die Alten- und Pflegeeinrichtungen, weil dort ein anderes Infektionsrisiko herrscht: Aktuell haben wir etwa 150 positiv getestete Bewohner und knapp 80 positive Mitarbeiter“, sagt Benker.

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in München in unserem aktuellen News-Ticker*.

Corona-Impfung in München: Stadtrat beschäftigt sich mit dem Thema

Die Impfproblematik wird derzeit auch im Stadtrat diskutiert. In einem aktuellen Antrag fordert die Stadtrats-CSU die Stadt auf, ältere Bürger mehr zu unterstützen. Außerdem sind die Stadträte für drei weitere, über das Stadtgebiet verteilte, Impfzentren sowie einen mobilen Impfbus. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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