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„Erkennt man mit bloßem Auge“: Münchner Infektiologe kritisiert Impfstoff-Zulassung

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Von: Felix Herz

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Die offizielle EU-Zulassung zweier angepasster Corona-Impfstoffe steht kurz bevor. Ein Münchner Infektiologe kritisiert dies nun – es sei bereits zu spät.

München – Der Herbst naht in großen Schritten – und zusammen mit dem Großevent Oktoberfest 2022 wird auch Corona wieder mehr in den Fokus rücken. Ein Schritt, um möglichst gut gewappnet in die kälteren und vor allem für das Immunsystem belastenderen Jahreszeiten zu gehen, ist die EU-Zulassung von zwei Omikron-Impfstoffen. Die Corona-Variante Omikron hat mehrere Sublinien, sozusagen Varianten der Variante, und die angepassten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sollen besonders gut gegen die Sublinie BA.1 schützen.

Münchner Infektiologe kritisiert Zulassung von Corona-Impfstoffen als zu spät

Am Donnerstag, 1. September, hat sich die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) für eine Zulassung der angepassten Corona-Impfstoffe ausgesprochen. Nun muss noch die Europäische Kommission zustimmen, das gilt aber als Formsache. Dann sollen bereits ab kommender Woche 14 Millionen Impfdosen der angepassten Wirkstoffe nach Deutschland geliefert werden: ein schützender Booster für den Herbst.

Coronavirus (Symbolbild)
Die jüngst zugelassenen Impfstoffe sollen besonders gut gegen BA.1 schützen. Ein Münchner Infektiologe kritisiert aber, dass diese Variante gar nicht mehr vorherrschend sei (Symbolbild). © imago images / Eibner

Hier setzt die Kritik des Münchner Infektiologen Clemens Wendtner an. Ihm zufolge spiele die Omikron-Sublinie BA.1, gegen die die angepassten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna besonders gut schützen sollen, in Deutschland keine Rolle mehr. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen sagt er: „Man erkennt da mit bloßem Auge, dass der neue Impfstoff zu spät kommt.“ 

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Andere Sublinien vorherrschend: Hält der neue Impfstoff nicht das, was er verspricht?

In Deutschland seien aktuell andere Omikron-Sublinien vorherrschend: BA.4 und BA.5. Zwar würden die neuen Präparate auch gegen diese gegenwärtigen Varianten in gewissem Maße schützen, das hätten die vorherigen jedoch auch schon getan. Laut Wendtner sickere gerade bei vielen Leuten so langsam durch, dass der neue Impfstoff nicht das halte, was suggeriert werde.

Die Anträge von Biontech/Pfizer und Moderna betreffen die Zulassung von sogenannten bivalenten mRNA-Impfstoffen, die vor dem ursprünglichen Sars-CoV-2 und vor der Omikron-Sublinie BA.1 schützen sollen. Ab 5. September – vorbehaltlich der EU-weiten Zulassung – sollen 14 Millionen Dosen des angepassten Impfstoffes nach Deutschland kommen. Das geht aus einem Schreiben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hervor. (fhz)

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