500 Pandemie-Fahnder und trotzdem...

Corona in München: Nachverfolgung und Tests dauern immer länger - Ärzte schlagen wegen Teststrategie Alarm

Täglich bilden sich Autoschlangen vor der Corona-Teststation am Fuße der Bavaria auf der Theresienwiese
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Täglich bilden sich Autoschlangen vor der Corona-Teststation am Fuße der Bavaria auf der Theresienwiese.

500 Mitarbeiter der Münchner Stadtverwaltung kämpfen rund um die Uhr um die Nachverfolgung von Corona-Infektionen. Dennoch kommen sie kaum hinterher. Ist die Teststrategie falsch?

  • Die Nachverfolgung von Corona*-Infektionen bereitet dem zuständigen Referat der Stadt zunehmend Sorgen.
  • Auf Sars-CoV-2 getestete Personen müssen in München* tagelang auf ihr Ergebnis warten.
  • Angesichts der überlasteten Labore fordert der Ärztliche Bezirksverband, Bayern müsse seine Teststrategie überdenken.

München - Die Zahlen steigen und steigen: 513 neue Corona-Fälle* verzeichnete die Stadt München am Mittwoch, damit sind jetzt bereits 21.997 Infektionen registriert. Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) stöhnt unter den hohen Infektionszahlen. Auf Anfrage teilt die Behörde mit, die Nachverfolgung von Infektionen sei „derzeit eine erhebliche Herausforderung“.

Corona in München: Nachverfolgung und Tests offenbar kaum mehr möglich

Bis zur Kontaktaufnahme mit den Infizierten könnten nach einem Test mehrere Tage vergehen, „auch weil die Labore derzeit unter einer absoluten Vollauslastung arbeiten und es hier zu Verzögerungen kommen kann“. Wie viele Münchner derzeit auf ihr Ergebnis warten, will man nicht sagen. In der Woche vom 2. bis 8. November sind in der Stadt 8328 Personen getestet worden.

Wie berichtet erhält das RGU Unterstützung von anderen Referaten der Stadtverwaltung, der Bundeswehr, der Polizei und anderer Landesbehörden. Außerdem versucht man, an Stellschrauben zu drehen: Abläufe schlanker zu gestalten und Kontaktwege zu optimieren, auf ein anderes Datenverarbeitungssystem umzustellen. Vor diesem Hintergrund gehe man davon aus, „dass alle akut infizierten Personen, wenn auch mit Verzögerung, kontaktiert werden können“.

Corona-Tests in München: Das derzeitige System gerät offenbar an seine Grenzen

500 Menschen arbeiten in München in den „Contact Tracing Teams“ (CTT), im Schichtdienst sieben Tage pro Woche. Zu den weiteren Aufgaben dieser Teams gehöre unter anderem die Organisation von Testungen Infizierter und deren individueller Kontaktpersonen ersten Grades (KP1) – also all jener, die länger als 15 Minuten näher als 1,5 Meter ohne Mundschutz Kontakt mit den Infizierten hatten. Die Tests finden auf der Theresienwiese oder mobil in Zusammenarbeit mit dem Sanitätsdienst Aicher statt. Zudem betreuen die Teams Schulen, Kitas, Kliniken, Alten- und Pflegeheime sowie Gemeinschaftsunterkünfte und kontrollieren Kliniken, Einrichtungen und Betriebe.

Dazu kommen „Vollzugsaufgaben“ – also Bescheide, Allgemeinverfügungen und der verwaltungsrechtliche Vollzug des Infektionsschutzgesetzes, etwa Anordnungen von Quarantänemaßnahmen im Einzelfall oder Zwangs- und Kontrollmaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Polizei. Auch die Kommunikation mit den Bürgern lastet auf ihren Schultern.

Die Stadt plant nun, die Messe als Corona-Zentrum zu nutzen. Nicht nur ein Impfzentrum ist in Riem angedacht, jetzt sollen auch alle CCT-Teams dort in einer Halle stationiert werden. „Es gibt Überlegungen, die Teams zu zentralisieren“, bestätigt das RGU auf Anfrage unserer Zeitung.

München: Corona-Teststrategie richtig? Ärzteverband fordert Umdenken

Nicht nur die Verwaltung ist überlastet – zu allererst der medizinische Bereich. Deshalb fordert der Ärztliche Kreis- und Bezirksverband München, der Freistaat müsse seine Teststrategie überdenken. „Kostenlose Corona-Tests für Jeden/Jede, wie von der Bayerischen Staatsregierung beschlossen, belasten unser Gesundheitssystem zunehmend und in gravierender Weise“, teilt der Verband mit. „Sowohl die Labore, die die Proben bearbeiten, stoßen an ihre Grenzen, als auch die Kolleginnen und Kollegen.“ Sie berichteten, dass die Testanforderungen die Praxen „schon jetzt an die Grenzen der Leistungsfähigkeit bringen“. Dies führe zu einer „deutlichen Einschränkung der Versorgung ihrer übrigen Patienten“.

Mit der Forderung zum Umdenken befinde man sich in Übereinstimmung etwa mit dem Robert-Koch-Institut sowie der Bayerischen Landes- und anderen Ärztekammern, betont der Verbandsvorsitzende Christoph Emminger. „Tests auf Covid-19 sollten unbedingt zielgerichtet, symptombezogen und anlassorientiert eingesetzt werden. Die Entscheidung hierüber gehört in die Kompetenz der Ärztin/des Arztes.“ Ähnlich handhabe man es ja bereits bei Kinder und Jugendlichen. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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