Online-Tool wagt Ausblick

München-Inzidenz unter 35: Lockerungen möglich - Modell-Rechner gibt klare Zahlen-Prognose

Die Coronavirus-Inzidenz in München liegt erstmals unter 35 - Lockerungen lassen dennoch auf sich warten. Ein Rechner gibt Aufschluss über die Entwicklung.

  • München erreicht am 16.02. erstmals eine Inzidenz von unter 35 - die Zielmarke für Lockerungen.
  • Bund und Länder beraten am 3. März mögliche Schritte rund um das Coronavirus.
  • Oberbürgermeister Dieter Reiter hält Öffnungen für „verhältnismäßig“ und drängt auf Lockerungen.
  • Ein neuer Coronavirus-Modell-Rechner gibt Aufschluss über die künftigen Entwicklungen.

München - Der tägliche Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen und den neuen Inzidenzwert* ist für viele tägliche Routine geworden. Kein Wunder - werden doch Lockerungen und Öffnungen eng an die Zahlen 100, 50 und 35 geknüpft. Wer dafür das Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI)* nutzt, dürfte heute nicht schlecht gestaunt haben: Die Stadt München liegt mit einer Neuerkrankungs-Rate von 34,4 Einwohnern pro 100.000 in den vergangenen sieben Tagen knapp unter 35. Damit sind in Aussicht gestellte Lockerungen erstmals auch in der Landeshauptstadt möglich.

Die Stadt München hat seit 21. Januar Inzidenzwerte von unter 100 - daher gibt es aufgrund der Beschlüsse der jüngsten Bund-Länder-Konferenz in München seit 15. Februar keine nächtliche Ausgangssperre mehr. Bleibt die Inzidenz weiterhin unter 100 - was gemessen an dem aktuell niedrigen Wert von 34,4 als wahrscheinlich gilt - werden Abschluss- und Grundschulklassen ab 22. Februar im Wechselunterricht beschult. Übrige Klassen bleiben unabhängig von der Inzidenz bis auf weiteres im Distanzunterricht. Kitas hingegen dürfen ebenfalls ab 22. Februar öffnen - wenn die Inzidenz unter 100 liegt. In jedem Fall öffnen Frisöre ab 1. März.

Münchens Inzidenz unter 35: So geht es jetzt weiter - Lockerungen ab 7. März möglich

Die in der Landeshauptstadt jetzt erreichte Inzidenz von 35 wurde in der Bund-Länder-Konferenz am 11. Februar als neuer Richtwert für weitere Lockerungen ausgegeben - sollte sie bis zum 7. März stabil darunter liegen. Die Bundesregierung schreibt dazu: „Bei einer stabilen 7-Tages-Inzidenz von maximal 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner können die nächsten Öffnungsschritte durch die Länder erfolgen. Hier soll der Einzelhandel öffnen können - mit einer Begrenzung von einer Kundin oder einem Kunden pro 20 qm, außerdem Museen und Galerien sowie sogenannte körpernahe Dienstleistungsbetriebe.“

Wann kommen diese Lockerungen also nach München? Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich dazu bei Anne Will (ZDF). Bei einer Inzidenz von 35 werde es „sehr schnell, sehr rasch Lockerungen geben, selbstverständlich“. Dies sei aber von einem wesentlichen Punkt abhängig: Der Virus-Mutationen*. Sollten diese voll durchschlagen, müsse man sich von ersterem deutlich distanzieren. Es sei wichtig „Geduld zu haben“, und die Zeit bis zum 7. März abzuwarten, so der CSU-Chef. Parallel dazu bekannte sich Söder im ZDF heute journal auch als Anhänger der „No-Covid-Strategie“*, deren Ziel eine Inzidenz von Null wäre. Ob und wann es Lockerungen nach dem 7. März geben wird, ist bisher also noch unklar - auch wenn sie nach den Beschlüssen der Konferenz möglich wären.

Corona in München: Oberbürgermeister Dieter Reiter fordert Lockerungen

Am Montagnachmittag sagte Münchens OB Dieter Reiter: „Wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter zurückgeht, wie derzeit in München, müssen diese weiteren Lockerungen dringend auf die Tagesordnung der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Anfang März.“ Die Konferenz ist für Mittwoch, 3. März, anberaumt.

Gerade im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Kulturbereich wurden bereits letztes Jahr umfassende Hygienekonzepte erfolgreich umgesetzt. Eine Öffnung in diesen Bereichen bei stabil niedriger 7-Tage-Inzidenzzahl von unter 35 wäre aus meiner Sicht verhältnismäßig.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter

Inzidenz in München: Modellrechnung durch Online-Tool

Ein neuer Online-Rechner des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) gibt Aufschluss über die mögliche Entwicklung der Corona-Zahlen. Die Entwickler nutzen dafür die Inzidenz-Werte sowie den aktuellen R-Wert, um die Zieldaten zu berechnen. Letzterer gibt die Reproduktionszahl an, welche abbildet, wie viele Menschen ein Infizierter im Zeitraum von vor acht bis 16 Tagen durchschnittlich angesteckt hat. Liegt die Zahl unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. In München liegt der R-Wert (Stand 16.02.) bei 0,77 - berechnet vom LMU-Institut für Statistik.

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Der Modell-Rechner der Zi gibt mithilfe dieses Werts an, zu welchem Datum - ausgehend von der jeweiligen Inzidenz und dem R-Wert - die Zielinzidenzen von 100, 50 und 35 erreicht werden können. Die Entwickler betonen: „Liegt der R-Wert nur knapp unter 1, ergeben sich sehr lange Zeiträume, bis die Inzidenz deutlich sinkt. Die Inzidenzprojektion verwendet nur den aktuellen R-Wert und die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz, sie stellt keine exakte Prognose für die zukünftige Entwicklung dar. Diese hängt auch von anderen Faktoren ab.“

Während München die Zielinzidenz von 35 bereits erreicht hat, prognostiziert der Rechner der Landeshauptstadt eine Inzidenz von unter zehn am 19. März. Der Landkreis München - mit einer Inzidenz von 48 noch höher - bräuchte dem Tool zufolge bis zum 3. März, um die Stichzahl 35 zu unterschreiten. Am 8. Mai könnte nach derzeitigen Angaben ein Wert unterhalb von zehn erreicht werden. (nap) *merkur.de und tz.de sind Teils des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/dpa-Bildfunk

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