Kinder in der Krise

Corona-Chaos an Münchner Schulen: Mutter schreibt Brandbrief an Söder und Piazolo - „Kinder brechen in Tränen aus“

Eine Münchner Mutter schickte einen wütenden Brief an Michael Piazolo und Markus Söder
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Eine Münchner Mutter schickte einen wütenden Brief an Michael Piazolo und Markus Söder.

Kinder müssen in der Corona-Pandemie viel einstecken. Das Durcheinander an den Schulen bringt eine Münchnerin in Rage. Sie klagt bei Söder und Piazolo.

München - Pia Turbanisch gibt seit einem Jahr alles, versucht mit allen Kräften, ihre drei Kinder bestmöglich durch die Corona*-Krise zu bringen. Angesichts der Situation in den Schulen und des Chaos’ um Präsenz- und Distanzunterricht sowie die Tests ist ihr jetzt der Kragen geplatzt. In einem Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) lässt die Untermenzingerin Dampf ab. „Ihr habt Eure Zukunft für Deutschland vergessen! Die Kinder und Jugendlichen!“, poltert Turbanisch den Politikern entgegen.

Coronavirus: Schulen in München monatelang zu - „Kinder brechen einfach in Tränen aus“

Sie erinnert daran, dass der Nachwuchs keine Lobby hat: Die Kinder müssten seit einem Jahr daheimbleiben, hätten keine sozialen Kontakte zu Freunden und keine Entwicklung wie zu normalen Kita- und Schulzeiten. „Die Kinder und Jugendlichen leiden wohl am meisten unter der Pandemie* und verlieren am meisten“, schreibt die dreifache Mutter, die zugleich Kinderkrankenschwester ist. In Teilzeit arbeitet sie in einer Praxis und hat auch dort den Eindruck, dass die Mädchen und Buben unter der Krise besonders leiden: „Manche Kinder brechen einfach in Tränen aus.“ Turbanisch kennt das von daheim. Vor allem ihre jüngeren Söhne haben an der Situation zu knabbern. „Mama, wann ist Corona vorbei?“ Eine Frage, auf die die 42-Jährigen keine Antwort hat…

Wenn sie alles zusammenrechnet, dann habe ihr 14-jähriger Sohn sein Gymnasium im vergangenen Jahr mindestens sieben Monate lang nicht von innen gesehen, so Turbanisch. Den Wechsel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht empfindet sie als belastend, die Kinder müssten sich jede Woche auf etwas Neues einstellen. Ihre Forderung an die Politik ist daher, Lehrer und Erzieher mit Priorität eins zu impfen „und endlich die Schulen und Kitas zu öffnen“.

München: Durcheinander Test-Pflicht an Schulen - Drittklässler testet sich selbst, Neuntklässler nicht

Ein großer Kritikpunkt der Untermenzingerin ist auch das Durcheinander um die Tests an den Schulen – ein Thema, das durch die neuen Regeln ab Montag noch wichtiger wird. Turbanischs großer Sohn, der die neunte Klasse am Gymnasium besucht, sei erst kurz vor den Osterferien zum ersten Mal getestet worden – vor Ort von einer Ärztin. Ihr neunjähriger Sohn, der in die dritte Klasse geht, musste sich dagegen selbst testen. Denkt die Mutter an den Nasenabstrich mit Teststäbchen in aufgeregten Kinderhänden, dann kann sie nur mit dem Kopf schütteln. „Was denken Sie denn, wie viele der Test klappen und aussagekräftig sind?“, fragt sie die Politiker in ihrem Brandbrief.

Ihre E-Mail liege nun schon einige Zeit in den Postfächern von Staatskanzlei und Kultusministerium. Gab es eine Antwort? „Natürlich nicht“, sagt die Mutter. So wie sie schimpfen in den sozialen Medien viele Eltern über das Testverfahren bei den Kleinsten. Diana Mihic aus Poing (Kreis Ebersberg) fordert etwa, dass Kinder zu Hause getestet werden sollen – bevor sie in überfüllte Schulbusse klettern und ihre Mitschüler auf dem Pausenhof treffen. Mihic hat eine Online-Petition gestartet: Innerhalb weniger Tage unterschrieben mehr als 14.000 Menschen.

Pia Turbanisch sagt: „Langsam geht mir die Kraft aus.“ Kraft, die sie braucht, um weiter für ihre Kinder stark zu sein. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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