Coupon-Chaos wegen Corona-Verordnung

München: Masken für Bedürftige werden sogar an Kinder verschickt - doch die Regierung schiebt die Schuld weit von sich

Nach der FFP2-Maskenpflicht sollten zumindest Bürger mit geringem Einkommen bei der Beschaffung unterstützt werden. Doch das läuft mehr schlecht als recht. Die Regierung will daran aber nicht schuld sein.

München - Die Idee an sich ist gut: Personen über 60, Risikopatienten und Menschen mit kleinem Geldbeutel bekommen Unterstützung, damit sie sich mit FFP2-Masken vor Corona schützen können. Bei der Umsetzung dieses Plans läuft aber nicht alles rund. Immer mehr Menschen - auch in München - finden Berechtigungsscheine in ihrem Briefkasten, obwohl sie jung und pumperlgsund sind. Teilweise sind die Briefe sogar an Kinder adressiert, obwohl für den Nachwuchs die FFP2-Maskenpflicht ja erst ab 15 Jahren gilt. Was ist da los?

Es zeigt sich: Für das Coupon-Chaos gibt es mehrere Gründe. Es wurde wohl sogar ein Stück weit in Kauf genommen. „Im Dezember ging es um eine möglichst rasche, unkomplizierte Regelung, um schnell starten zu können“, heißt es auf tz-Anfrage vom Bundesgesundheitsministerium. Das Haus verweist auf die Krankenkassen: Nur AOK, Barmer & Co. verfügten über die notwendigen Daten ihrer Versicherten.

Günstig-Masken in Corona-Krise: Verteilung läuft über die Krankenkassen

Deshalb laufe die Verteilung der Coupons über sie - auch wenn die Marken zusammen mit einem Anschreiben der Bundesregierung verschickt werden. Dass dabei Fehler vorkommen können, hält das Haus von Minister Jens Spahn (40, CDU) offensichtlich nicht für ausgeschlossen. „In Fällen, in denen tatsächlich Versicherte Coupons erhalten hätten, die nicht unter diese Kategorien fallen, handelt es sich um Irrtümer“, sagt ein Sprecher.

Nur: So einfach ist es dann doch nicht. Die Kassen lassen sich nicht still den Schwarzen Peter zuschieben. Schließlich handeln sie nach den Vorgaben der Schutzmasken-Verordnung vom 15. Dezember, die wiederum vom Bund kommt. „Darin sind die Kriterien festgelegt, nach denen die Kassen selektieren sollen“, erklärt Stefan Wandel, Pressesprecher der DAK.

Pflichtutensil in Bayern: Ohne FFP2-Masken kommt der Normalbürger nicht mehr in Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel.

Günstig-Masken in Corona-Krise: Kritik an fehlender Altersgrenze bei Verordnung der Regierung

Dazu gehören neben dem Alter etwa Erkrankungen. Problematisch dabei: Bei der jetzigen Datensammlung werden sowohl Haupt-, als auch sogenannte Neben- und Verdachtsdiagnosen berücksichtigt. Wandel nennt ein Beispiel: „Gab es im Zuge einer Untersuchung vor Jahren den Verdacht auf Asthma, dann wird die Person jetzt als Risikopatient eingestuft und erhält die Coupons. Auch dann, wenn sich der Verdacht nie bestätigt hat.“ Wandel hält es auch für diskutabel, dass die Regierung keine Altersgrenze gezogen hat - weshalb auch Kinder die Briefe bekommen.

Fakt ist aber auch, dass Diskussionen jetzt nichts mehr ändern. Millionen von Gutscheinen haben längst die Bundesdruckerei verlassen und sind verschickt. Pro Brief gibt es zwei Coupons, mit denen man insgesamt zwölf Masken bekommt. Pro sechs Masken muss der Kunde zwei Euro zahlen. (N. Hoffmann, S. Horsch)

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare