Corona-Krise hält Stadt in Atem

Wann bekommen die Münchner endlich ihren Alltag zurück? OB Reiter gesteht: „Zum jetzigen Zeitpunkt ...“

An vielen Fronten gefordert: OB Dieter Reiter
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An vielen Fronten gefordert: OB Dieter Reiter.

Er muss den Kampf gegen das Coronavirus in München koordinieren, darf aber das Tagesgeschäft einer Millionenstadt nicht aus den Augen verlieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat alle Hände voll zu tun. Mit uns sprach er über die Einschränkungen.

  • OB Dieter Reiter gewinnt die Stichwahl und regiert weitere sechs Jahre in München.
  • Hat der SPD-Politiker während der Corona-Pandemie überhaupt Zeit für „normale“ Aufgaben?
  • Mit uns sprach er über die schwierige Situation, seinen Alltag - und das anstehende Osterfest.
  • Corona-Pandemie: Die aktuellen Zahlen diverser Länder - Infizierte und Tote.

    München - Nach der gewonnenen Stichwahl am 29. März gegen Kristina Frank (CSU) kann Oberbürgermeister Dieter Reiter sechs Jahre weiter regieren. Zum Feiern bleibt aber keine Zeit: Der SPD-Politiker muss die Stadt durch die Corona-Krise steuern und gleichzeitig die Weichen für eine funktionierende Stadtregierung stellen, die aller Voraussicht nach aus SPD und Grünen gebildet wird. Die Verhandlungen dazu haben gerade begonnen. Wie Münchens OB die Corona-Situation einordnet und wie sich sein Alltag als Rathaus-Chef in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen gestaltet, dazu befragten wir den 61-Jährigen.

Wie ist die Lage derzeit in München?

Dieter Reiter: Die Ausgangsbeschränkungen zeigen erste Wirkung. Aber von Entwarnung kann leider keine Rede sein. Die Zahl der mit dem Covid-19 Infizierten steigt weiter und leider auch die Zahl der Todesfälle. Was gut ist: Wir haben derzeit noch freie Intensivbetten. Wer also so schwer erkrankt, dass er beatmet werden muss, kann behandelt werden. Es war absolut richtig, schon früh die Zahl der Intensivbetten auszubauen. Was mir Sorge bereitet, ist die Situation in einigen Altenheimen. Hier gilt es, möglichst schnell die Infizierten in Quarantäne zu bringen, um eine Ausbreitung im Heim zu verhindern. Das gelingt noch gut, aber wir brauchen dringend mehr Schutzkleidung für die Pflegekräfte.

Dieter Reiter: Der Corona-Alltag eines Oberbürgermeisters in München

Können Sie uns Ihren Alltag beschreiben? Gibt es ein aktuelles Bild von Ihnen im Büro oder arbeiten Sie von zu Hause?

Reiter: Mein Alltag ist tatsächlich ein ganz anderer als vor der Ausbreitung des Virus. Ein aktuelles Bild gibt es zwar nicht, aber man kann sich das so vorstellen: Meistens telefoniere ich morgens noch von zu Hause mit der Staatsregierung, mit dem Ministerpräsidenten oder Ministern, um aktuelle Fragen zu klären. Täglich um 10 Uhr trifft sich im großen Sitzungssaal der Krisenstab der Stadt. Das ist der einzige Termin im größeren Kreis, der noch persönlich stattfindet. Aber alle Teilnehmenden sitzen mit großem Abstand auseinander. Danach gibt es diverse Telefon- und Videokonferenzen zu Corona, aber auch mit der eigenen Fraktion oder dem Vorstand der Münchner SPD zur Zukunft der neuen Stadtregierung. Nach der Kommunalwahl gibt es natürlich jetzt Entscheidungen, die getroffenen werden müssen.

Haben Sie überhaupt Zeit, sich auf das Politische zu konzentrieren? Es laufen ja derzeit Koalitionsverhandlungen.

Reiter: Dafür muss Zeit sein, und die nehmen wir uns auch. Schließlich brauchen wir nach Ablauf der Amtsperiode im Mai weiterhin eine funktionierende Stadtregierung. Dazu gab es bereits vergangene Woche Sondierungsgespräche mit den Grünen und heute (am Dienstag, d. Red.) haben wir mit den Koalitionsverhandlungen begonnen.

Wie und wann wird der neue Stadtrat vereidigt?

Reiter: Eine große Veranstaltung* im Alten Rathaus wird es sicherlich nicht geben. Wir sind gerade dabei, das zu klären. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir die Vereidigung des neuen Stadtrats Anfang Mai in einem sehr großen Saal abhalten werden. Es wird nicht der Alte Rathaussaal sein, denn der wäre tatsächlich zu klein, um den sicheren Mindestabstand untereinander einhalten zu können. Die Vereidigung kann nur persönlich stattfinden, also nicht per Videokonferenz. Die Mitglieder des Stadtrats müssen dazu persönlich anwesend sein.

Ausgangsbeschränkungen in München bald lockerer? Das sagt OB Reiter

Werden die Ausgangsbeschränkungen am 20. April gelockert?

Reiter: Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht seriös beantworten. Ich weiß natürlich, dass viele Münchnerinnen und Münchner gerne wissen würden, wie lange die Ausgangsbeschränkungen noch gelten werden, wie lange sie liebe Menschen nicht treffen können und sich im Alltag stark einschränken müssen. Aber wir müssen die Entwicklung weiter abwarten und sehen, ob die Maßnahmen deutlich Wirkung zeigen. Erst dann kann man sagen, wie es weitergehen soll.

Wie verbringen Sie Ostern?

Reiter: Wie Ihre Leserinnen und Leser sicher auch: zu Hause. Meine Frau Petra und ich werden dieses Jahr Ostern ohne unsere Familie feiern, aber dafür natürlich mit allen skypen bzw. telefonieren. Wir werden auch dieses Jahr einen Osterspaziergang in den nahegelegenen Park machen, wenn auch nur zu zweit und wenn’s Wetter mitspielt.

Im Herbst könnte uns ein Gemüse-Engpass drohen. Daher hofft der Ernährunsgrat München auf eine Wende - und ein Umdenken bei den Verbrauchern.

Interview: Sascha Karowski

*tz.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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