Öffnen der Außengastronomie?

„Freiheit für unsere Freischankflächen“ - Gebeutelte Münchner Wirte kämpfen um Lockdown-Lockerungen

Ben Bauer von der Bar Sehnsucht bemängelt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft im Lockdown regelmäßig vergessen werde
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Ben Bauer von der Bar Sehnsucht bemängelt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft im Lockdown regelmäßig vergessen werde.

Angesichts des warmen Wetters in München fordern Gastronomen die Wiederbelebung der Schanigärten. Ist und die richtige Zeit gekommen, um im Freien auszuschenken?

München - Wer an diesen sonnigen Tagen bei seinem Lieblings-Gastronomen ein Bier „to go“ bestellt hat, der hat es vielleicht gehört: das Zähneknirschen des Wirtes. Denn während der vor seiner zusammengeklappten Terrassengarnitur steht, genießen die Münchner in Massen das herrliche Wetter auf den Wiesen und Plätzen dieser Stadt. Daher will Thomas Geppert, bayerischer Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), nun wieder im Freien ausschenken. „Wir fordern, zusätzliche sichere Flächen im Freien zu schaffen“, sagt der Dehoga-Chef. „Mit einem Öffnen der Außengastronomie würden unkontrollierte Ansammlungen im öffentlichen wie privaten Raum vermieden und Begegnungspunkte entzerrt werden.“

München ohne Freischankflächen: Wären Menschen in der Gastronomie sicherer?

Die Idee gefällt auch Noel Tassis vom gleichnamigen Café in Haidhausen. Seit über vier Monaten hat ihr Betrieb zu. „Es geht nur noch ums Überleben“, sagt sie. Ihr Schanigarten vor der Tür wartet nur darauf, endlich wieder begrünt und bestuhlt zu werden.

Und sie ist wahrlich nicht alleine: Für rund 900 neue bzw. erweiterte Freischankflächen* gab die Stadt vergangenes Jahr grünes Licht, sie alle liegen derzeit brach. Auch Nockherberg-Wirt Christian Schottenhamel will seinen Biergarten öffnen: „Ich komme gerade vom Gärtnerplatz. Wahnsinn, wie viele Leute da unterwegs sind, bei uns wären sie wenigstens sicher.“ Schließlich gelte auch an der frischen Luft für die Gastronomie: Maskenpflicht und strenge Hygieneregeln.

Auch Stephanie Spendlers Biergarten Hirschau steht bereit: „Wir haben so viel renoviert, es wird Zeit, dass das die Gäste auch mal zu sehen bekommen.“ Und die Politik? Die macht den Wirten wenig Hoffnung: Am Montag warnte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wieder vor der Gefahr einer dritten Corona-Welle*. Und die Wirte – sie kämpfen weiter.

Wirt aus München fordert Politik zum Handeln auf - „Zeit für eine Perspektive“

Wie Gregor Lemke vom Klosterwirt. „Ich begrüße jeden Schritt, der in Richtung Normalität und Öffnung geht“, sagt der Gastronom, der auch stellvertretend für die anderen Innenstadtwirte spricht. Und er betont: „Wir haben schon im letzten Jahr bewiesen, dass wir die Hygienemaßnahmen einhalten können.“ Masken, Registrierungszettel und Desinfektionsmittel stünden bereit. Dennoch gibt Lemke zu bedenken: „Klar muss eine Öffnung auch wirtschaftlich sein.“ Es helfe der Gastronomie nicht, wenn kurzerhand aufgesperrt würde und sie dann gleich wieder unter Maßnahmen wie Alkoholverbot oder Ausgangssperren leide. „Wir wurden als Este zugesperrt. Es wird Zeit, dass wir eine Perspektive erhalten.“

Von den Kosten kann Ben Bauer von der Bar Sehnsucht in der Amalienstraße berichten. „Um meinen Schanigarten mit Zelten und allem winterfest zu machen, habe ich im Herbst noch 10 000 Euro investiert. Dann wurden wir zugesperrt. Die Zelte waren nie im Einsatz.“ Er sei jederzeit für eine Öffnung bereit: „24 Stunden – dann könnte ich aufsperren.“ Bauer bemängelt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft im Lockdown regelmäßig vergessen werde. Eines, da ist sich der Wirt sicher, gehe aber auf Dauer nicht: „Weiter nur to go anbieten.“ Das lohne sich langfristig für keinen. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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