Interessierte müssen ein Video schicken

Münchner entwickelt digitalen Corona-Impfnachweis - „Wird entweder ein großer Erfolg oder scheitert komplett“

Max Klee
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Max Klee

Vor Corona trug man selten den gelben Impfpass bei sich - und wird man in Zukunft dran denken? Wenn es nach Max Klee geht, wird man das nicht müssen.

  • Ein Unternehmensberater aus München hat einen digitalen Nachweis für die Corona-Impfung konzipiert.
  • Das Prinzip soll es überflüssig machen, immer den gelben Impfpass dabei zu haben.
  • Im Gespräch erklärt er, wie seine Idee namens „PIPPIP“ funktioniert.

München – Können Geimpfte bald mehr Freiheiten genießen? Diese Diskussion beginnt gerade erst. Doch Max Klee ist sich schon sicher, wie sie ausgehen wird: „Wenn es nicht politisch beschlossen wird, werden einfach so Fakten geschaffen.“ Wie viele andere auch, hat sich der Unternehmensberater aus München* gefragt, wie sich eine Impfung im Alltag nachweisen ließe, ohne dass man den gelben Impfpass in der Tasche haben muss.

Aus einer technisch recht einfachen Idee hat er ein Geschäftsmodell entwickelt und das Unternehmen PIPPIP gegründet. Klee sagt von sich: „Ich bin der Erste, der eine funktionierende Lösung auf dem Markt hat.“ Seinen digitalen Impfnachweis kann man bereits bestellen.

Corona in München: „Der Impfnachweis wird bei uns von medizinischem Personal geprüft“

Und so sieht das Konzept aus: Man schickt ein Video, in dem ungeschnitten die geimpfte Person, ihr Personalausweis oder Reisepass und der Nachweis der Corona*-Impfung zu sehen ist. Je nach Impfstoff muss auch die zweite Dosis vermerkt sein.

„Der Impfnachweis wird bei uns von medizinischem Personal geprüft“, erklärt Klee. Für jeden Kunden mit nachgewiesener Impfung wird eine Internetseite angelegt, auf der nur ein grüner Haken, das Alter und die letzten fünf Zeichen der Personalausweis- oder Reisepassnummer zu sehen sind. Die Internet-Adresse dieser individuellen Seite wird auf einen NFC-Chip gespeichert.

Der Chip steckt je nach Kundenwunsch in einer Plastikkarte im Scheckkartenformat, in einem Armband oder in einem Aufkleber, der sich zum Beispiel auf die Handyhülle kleben lässt. Die Kosten liegen je nach Ausführung um die zehn Euro. Wer den Chip nun nah an ein internetfähiges NFC-Lesegerät hält, wird mit der persönlichen Internetseite des Chip-Inhabers auf dem PIPPIP-Server verbunden. Zu sehen sind nur ein grüner Haken, die fünf Ziffern aus der Ausweis-Nummer und das Alter.

Digitaler Impfnachweis aus München: „Entweder es wird ein großer Erfolg oder es scheitert komplett“

In vielen neueren Smartphones oder Tablets sind solche NFC-Leser verbaut. Wirte, Theater- oder Fitnessstudio-Betreiber könnten diese Daten so einfach mit ihrem Handy lesen und sich dazu den Ausweis zeigen lassen. So wissen sie, dass sie auch den Geimpften vor sich haben und dieser seinen Chip nicht einfach weitergegeben hat. Klee sagt: „Es muss sich zeigen, ob sich unser Konzept durchsetzt. Entweder es wird ein großer Erfolg oder es scheitert komplett“, sagt er. Das hat er selbst kaum in der Hand. Die Politik könnte etwa konkrete Regeln definieren, wie ein Impfnachweis zu funktionieren hat.

Oder die Impfung wird für Freiheiten im Alltag nicht die Rolle spielen, die sich manche erhoffen. Denn noch ist ungewiss, ob geimpfte Personen nur selbst nicht krank werden, ober ob sie auch als Überträger ausscheiden. In dem Fall könnten sie sich aus rein medizinischer Sicht frei bewegen. Sie würden dann nicht zur Virusverbreitung* beitragen. Erste Daten dazu werden aber erst für März erwartet. *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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