1. tz
  2. München
  3. Stadt

Corona bringt Münchens Intensivstationen ans Limit – „Welle der Ungeimpften“

Erstellt:

Von: Cornelia Schramm, Klaus Vick

Kommentare

Zwei Pfleger kümmern sich auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin um einen Corona-Patienten
Viele Intensivstationen in Deutschland sind nahezu voll ausgelastet. © Kay Nietfeld/dpa

Volle Intensivstationen und überlastete Behörden bringen die bayerische Landeshauptstadt an ihre Grenzen. Die Bundeswehr muss bereits helfend einspringen.

München – Die bayerische Corona-Ampel steht seit Montag (8. November) auf Rot*, und das Virus schlägt auch in München* erbarmungslos zurück. Die Kliniken stehen wie im vergangenen Winter erneut vor einer Überlastung! Zwar liegen in absoluten Zahlen weniger Corona*-Patienten in den Krankenhäusern. Doch wegen des Mangels an Pflegepersonal können auch nicht alle Intensivbetten belegt werden.

Axel Fischer, Geschäftsführer der München Klinik, schlägt Alarm: „Die Lage ist ernst, das Personal teilweise erschöpft.“ Laut Fischer werden aktuell (Stand: 8. November) in den fünf Krankenhäusern der München Klinik 75 Covid-Patienten versorgt, davon rund ein Drittel auf Intensivstationen. Das entspreche schon heute dem Höchststand der dritten Welle.

München Klinik: Alle Corona-Patienten auf der Intensivstation sind ungeimpft

Besonders frustrierend sei, dass aktuell (Stand: 8. November) alle Patienten, die auf der Intensivstation versorgt werden, ungeimpft seien. Auch auf den Normalstationen beträgt die Quote 80 Prozent. Fischer: „Viele Einweisungen wären vermeidbar. Es ist eine Welle der Ungeimpften.“ Er könne nur appellieren, sich immunisieren zu lassen. Die München Klinik habe zum Beispiel schon vor Wochen mit Booster-Impfungen für das Personal begonnen.

Auch Christoph Spinner, Infektiologe und Pandemiebeauftragter des Uni-Klinikums rechts der Isar, ist überzeugt: „Wichtigste und wirksamste Maßnahme sind meines Erachtens Impfungen. Länder mit höheren Impfquoten haben deutlich niedrigere Infektionsinzidenzen, wie Daten aus Spanien oder Israel zeigen.“

Rechts der Isar werden derzeit 38 Covid-19-Patienten behandelt (Stand: 8. November), davon 14 auf den Intensivstationen - mehr als vor einem Jahr. Vollständig geimpfte Personen mit schweren Verläufen sind die Ausnahme. Weil ein gutes Fünftel der Intensivbetten für Corona*-Patienten benötigt wird, erfordert dies laut Spinner bereits jetzt Einschränkungen des Regelbetriebs. Erschwerend komme hinzu, dass viele Kliniken, so auch in München, aufgrund von Mangel an Pflegekräften nicht alle aufgestellten Intensivbetten betreiben können.

Corona in München: Klinikum Dritter Orden warnt vor drohender „Katastrophe im Winter“

Im LMU Klinikum Großhadern werden aktuell (Stand: 8. November) 40 Corona-Patienten behandelt, davon acht auf der Intensivstation. Die höchste Auslastung wurde dort am 4. Januar 2021 mit 101 Fällen verzeichnet, davon 37 auf der Intensivstation. Nach Auskunft einer Sprecherin des LMU-Klinikums waren die Intensivbetten schon vor der Pandemie knapp, Corona habe die Lage extrem verschärft. Es gebe zwar keinen Verlust an Pflegekräften, aber mehr krankheitsbedingte Ausfälle als vor einem Jahr.

Im Klinikum Dritter Orden sind 87 Prozent der aktuell 14 Corona-Patienten (Stand: 8. November) ungeimpft. Geschäftsführer Harald Schrödel sagt: „Wir sehen nun deutlich jüngere Patienten, die mit der Delta-Variante an einem schwereren Verlauf leiden.“ Er warnt eindringlich: „Wenn wir es nicht schaffen, das Bevölkerungsdrittel, das noch ungeimpft ist, zur Impfung zu motivieren, können wir die Katastrophe im Winter nicht mehr abwenden.“

Unterdessen kommt es in München aufgrund der Vielzahl an neuen positiven Fällen seit Tagen zu einem Meldeverzug. Die Münchner Inzidenz dürfte daher um einiges höher sein als der vom RKI ausgewiesene Wert, räumt das Gesundheitsreferat ein. Diese lag am 8. November offiziell bei 98,2. Den vollen Impfschutz haben bisher 70 Prozent aller Münchner über 12 Jahren. Die Stadt wird seit Montag (8. November) von der Bundeswehr bei der Registrierung der Fälle unterstützt*. Allein mit städtischem Personal sei das Meldeaufkommen nicht mehr zu bewältigen, heißt es. (kv/cos) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare