1. tz
  2. München
  3. Stadt

Trotz Inzidenz-Rückgang: Münchner Corona-Experte warnt vor „kritischen Wochen“ - und kritisiert Öffnungsdebatte

Erstellt:

Von: Katharina Haase

Kommentare

München Klinik Schwabing Clemens Wendtner
Baldige Corona-Lockerungen in Bayern? Davor warnt der Münchner Chefarzt Clemens Wendtner eindringlich. © München Klinik/München Klinik Schwabing/dpa

Die vom RKI gemeldeten Corona-Inzidenzen in Bayern sind zuletzt gesunken. Experte Clemens Wendtner sieht jedoch keinen Anlass zur Entspannung.

München - Auch wenn die täglich gemeldeten Inzidenzzahlen im Freistaat stagnieren und zuletzt sogar leicht zurückgingen, sieht der Corona-Experte Clemens Wendtner noch keine Entspannung in der Omikron-Welle. „Ich bin skeptisch, dass wir in Bayern schon jetzt den Höhepunkt erreicht haben. Ich erwarte das erst in den nächsten Wochen“, sagte der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing. Dort hatte er im Januar 2020 die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Die Simulationen des Modellierers Dirk Brockmann sähen den Höhepunkt „frühestens Mitte kommender Woche“, so Wendtner zur Deutschen Presse-Agentur dpa.

Tatsächlich sank die Corona-Inzidenz im Freistaat am Sonntag wieder etwas und liegt nun laut Angaben des Robert-Koch-Instituts* bei 1798,3. Deutschlandweiter Spitzenreiter - und das mit großem Abstand - bleibt der Landkreis Eichstätt mit 3773,4. Doch auch auf den Plätzen drei (Straubing-Bogen, 2686,1), vier (Regen, 2681,3), fünf (Neu-Ulm, 2595,2) und sechs (Neuburg-Schrobenhausen, 2582,6) sind bayerische Landkreise zu finden. Die Landeshauptstadt München* liegt bei 1878.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Corona in Bayern: Münchner Experte warnt vor kritischen Wochen trotz Inzidenz-Rückgang

Wendtner hält den Rückgang der Zahlen noch nicht für die Trendwende der Corona-Lage, sondern führt dies auf Meldeverzug und die limitierten Kapazitäten bei PCR-Tests zurück. Auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verweist seit einiger Zeit deutlich auf die Unsicherheit der Zahlen. Wendtner sieht Bayern noch vor „kritischen Wochen“. Zumal die Hospitalisierungsrate wieder deutlich ansteigt. „Bei den Hospitalisierungen sieht man - sowohl bei uns im Klinikum als auch in den Zahlen des LGL - einen deutlichen Anstieg“, betonte Wendtner.

Laut offizieller Statistik seien es zuletzt mehr als 20 Prozent zur Vorwoche gewesen und auch bei den belegten Intensivbetten gebe es „bereits einen leichten Zuwachs“. Und selbst wenn der Höhepunkt der Neuinfektionen erreicht werde, sei damit das Infektionsgeschehen noch nicht vorbei: „In der Regel dauert es noch zwei bis drei Wochen, bis die Patienten zu uns kommen.“ Daher warnt der Experte: „Es bringt jetzt nichts, eine massive Öffnungsdebatte vom Zaun zu brechen. Das führt in den Kliniken nicht zu Begeisterung, weil wir diejenigen sind, die das zum Schluss auffangen müssen.“*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare