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Corona-Schock in München: Rasanter Anstieg der Fälle bei Kindern - Inzidenz teils über 300

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Von: Daniela Pohl, Nina Bautz

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Eine Schülerin geht mit Maske in eine Schule
Für Schüler gehören Coronafälle fast schon zum Schulalltag. © dpa/Symbolbild

In diesem Pandemie-Herbst soll alles anders sein. Schulen und Kitas bleiben vorerst offen. Für Eltern und ihre Kinder bedeutet das: ständige Tests, Quarantäne und die Angst vor einer Infektion.

München - Corona* schien fast besiegt. Und jetzt das: Seit einer Woche steigen die Infektionszahlen besorgniserregend an. Bei den 10- bis 14-jährigen Münchnern liegt die Inzidenz bereits bei 351. Grundsätzlich zeichnet sich der rasante Anstieg zwar bei Ungeimpften* in allen Altersgruppen ab, besonders betroffen sind aber unsere Kinder.

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Corona in München: Infektionsgeschehen an Schulen nimmt rasant zu

Ist das nun die vielzitierte „Durchseuchung“ in dieser Altersgruppe? Die aktuellen Daten des Münchner Gesundheitsamtes sind jedenfalls alarmierend: Zuletzt lag die Inzidenz bei den 5- bis 19-Jährigen durchweg (und zum Teil weit) über 200, hingegen beispielsweise bei den größtenteils geimpften 70-79-Jährigen nur bei 39,83. Die Gruppe der 10-14-Jährigen verzeichnet sogar eine Inzidenz von 351,04! „Wir beobachten eine Dynamik im Infektionsgeschehen an den Schulen“, sagt ein Sprecher des Gesundheitsreferates. Allein am Dienstag hätten das Gesundheitsamt von dort 152 Meldungen positiver PCR-Tests erreicht, am Montag 119 – das seien in nur zwei Tagen allein knapp ein Drittel aller Meldungen des gesamten bisherigen Monats.

Die Entwicklung verunsichert viele Münchner Eltern. Sie sind in ständiger Alarmbereitschaft. „Ich habe gerade erfahren, dass ein Mädchen aus der Schule positiv getestet wurde“, berichtet Mutter Ulrike W. (47) unserem Portal in der Au. „Jetzt müssen wir abwarten, was bei Filippa rauskommt.“ Ihre Klasse hat einen PCR-Test gemacht. Derzeit fänden viele Fahrten ins Schullandheim statt. Ulrike W. ist dagegen. „Sie bringen das von dort mit und dann müssen alle in Quarantäne.“ Bei Jens L. (43) aus der Isarvorstadt* ist der Kindergarten seines Sohnes wegen eines Corona-Falls geschlossen, in der Schule des zweiten Sohnes sind wegen mehrerer Fälle vier Klassen dicht. Er sagt: „Es ist ein Dilemma: Einerseits freut man sich über die Lockerungen an Kitas und Schulen. Aber man merkt nun persönlich, dass die Freiheit dadurch erkauft ist, dass die Kinder durchinfiziert werden. Man kann nur hoffen, dass die Erkrankung bei Kindern keine bleibenden Schäden hinterlässt.“

Corona in München: Erste Eltern fordern wieder strengere Maßnahmen

Einige Eltern wünschen sich sogar wieder strengere Maßnahmen. Unter dem Hashtag #ProtectTheKids fordern beispielsweise manche die Wieder-Einführung der Maskenpflicht an Schulen. Denn nicht nur die existiert nicht mehr, auch die Quarantäne-Regeln wurden kürzlich stark gelockert, um Präsenzunterricht zu gewährleisten.

Der Kinderarzt und Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte für München, Philipp Schoof, warnt dagegen vor Panik-Mache. „Covid-Erkrankungen* verlaufen bei kleinen Kindern recht harmlos“, sagt er. Aus medizinischer Sicht sei es „unsinnig“, bei jedem Niesen einen Covid-Abstrich zu machen. Dadurch fehle Personal in Bereichen, in denen es aktuell dringend gebraucht werde – etwa bei der Bekämpfung der für Babys gefährlichen Atemwegsinfekten (RS-Viren). Dass die wenigsten Kinder schwer an Covid erkranken, bestätigt auch die Münchner Krankenhauskoordinatorin Viktoria Bogner-Flatz. „Wenn sie auf die Intensivstationen müssen, dann waren meistens die Vorerkrankungen erheblich.“

Auch für Erzieher ist die Pandemie* eine Zerreißprobe. „Wir haben momentan lauter Rotznasen und stehen Tag für Tag vor Entscheidungen – aber wir sind doch keine Ärzte!“, klagt etwa Suyin Majthenyi, Leiterin eines Münchner Kindergartens. Der hohe Bürokratieaufwand und die ständige Bedrohung durch neue Corona-Fälle – in ihrer Einrichtung gab es vergangenen Monat zwei – setzten den Erziehern zu. „Das schlägt auf die Psyche – bei allen.“ Eines ist klar: Für Eltern und Kinder werden Herbst und Winter wieder hart. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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