Angst vor Lockdown

Wegen Corona: Münchner hamstern wieder Klopapier - Erste Märkte sind schon leer gekauft

Ausverkauft: Marktleiter Robin Hertschenk wartet auf Nachschub.
+
Ausverkauft: Marktleiter Robin Hertschenk wartet auf Nachschub.

Seitdem die Corona-Infektionszahlen wieder ansteigen, wächst auch die Angst vor einem zweiten Lockdown. Viele Kunden hamstern deswegen wieder Klopapier.

  • In vielen Märkten in und um München wird das Klopapier knapp.
  • Ein Ausmaß wie im Frühjahr hat es aber noch nicht erreicht.
  • Supermarktleiter sehen keine Engpässe bei den Lieferungen.

München - Das Toilettenpapier-Regal ist leer bis auf die letzte Rolle. „Es geht wieder los“, stöhnt Robin Hertscheck (32), Leiter von Edeka Hertscheck in Neubiberg (Kreis München). Seit die Corona-Infektionszahlen wieder hochschnellen und die Angst vor einem neuen Lockdown um sich greift, steigt auch die Nachfrage nach Klopapier erneut. Allerdings: Noch ist die Lage nicht so extrem wie im Frühjahr.

Angst vor Lockdown: Doppelt so viel Klopapier verkauft

In Hertschecks Filiale reichte die letzte Lieferung an Toilettenpapier nicht mal zwei Tage lang. „Da­rauf stürzen sich gerade alle“, sagt der Marktleiter. In einigen dm-Märkten ist der Ansturm auf die Rollen so groß, dass jeder Kunde nur eine Packung kaufen darf. In den Simmel-Edeka-Märkten wird seit ein paar Tagen wieder doppelt so viel Klopapier verkauft wie vorher, auch die Nachfrage nach Küchenrollen steigt. „Die Kunden fangen wieder an zu hamstern“, bestätigt Andreas Simmel, Geschäftsführer der Edeka-Simmel-Märkte in Bayern. Und: „Wir haben den Einkauf von WC-Papier jetzt wieder auf eine Packung pro Einkäufer begrenzt.“

Da schien die Welt noch in Ordnung: Ernährungsministerin Kaniber und Ministerpräsident Söder in einem Lager für Toilettenpapier.

Vieles erinnert an die Lage im Frühjahr, als im Supermarkt auch Seife, Mehl und Hefe rar wurden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ließ sich in der Hochphase der Hamsterzeit sogar in einem bis an die Decke gefüllten WC-Papier-Lager fotografieren, um die Bevölkerung zu beruhigen. Die Botschaft: Es ist genug für alle da.

Angst vor dem Lockdown: Noch keine Lieferengpässe beim Klopapier

Aber ist sie auch angekommen, diese Botschaft? Laut einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov will sich derzeit jeder zehnte Deutsche verstärkt mit Toilettenpapier, Nudeln & Co. eindecken. Startet jetzt die zweite Hamster-Welle? Eine gewisse Verunsicherung ist immerhin da. „Aktuell verzeichnen wir erstmals wieder einen leichten Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten“, heißt es von Aldi Süd. Bei der Rewe-Group sieht man die Lage derzeit dagegen noch entspannt. Auch Bernd Ohlmann, Sprecher des Einzelhandelsverbands Bayern, versichert: „Es gibt keine Lieferengpässe. Kein Grund, Kämpfe um die letzte Rolle auszufechten!“ Die Gesamtlage: eine verzwickte Falle. Eigentlich wäre natürlich genug Klopapier für alle da – so wie immer. Sobald aber jemand (unbegründet) Angst bekommt, das könnte sich ändern, ziehen schnell viele andere nach, weil sie Lücken im Regal sehen. Und das Hamsterrad beginnt sich zu drehen.

So wie jetzt bei Edeka-Marktleiter Robin Hertscheck, der die Sache noch mit Humor nimmt. Über ein Regal mit Toilettenpapier und Taschentüchern hat er ein Schild mit der Aufschrift „Hamsterartikel“ gehängt. Sollten die Hamsterkäufe in seinem Markt allerdings überhandnehmen, will er nicht mehr mitmachen: „Dann werde ich ein Statement setzen und den Laden erst mal zumachen. Damit allen bewusst wird, dass für jeden genug da ist.“

Auch interessant

Kommentare