Reif für die Insel

Mallorca-Boom trotz Corona: Großer Ansturm auf Münchner Reisebüros - doch Risiko beginnt schon beim Abflug

München: fünf Grad, Schneeregen. Palma: 17 Grad, blauer Himmel. Da steigt die Lust auf einen Abflug in die Sonne! Mallorca lockt trotz Coronavirus.

München - Mallorca-Urlaub steht bei den Münchnern extrem hoch im Kurs, seit die Bundesregierung am Wochenende die Reisewarnung aufgehoben hat. Wer einen Trip auf die Baleareninsel plant, muss nun nach der Rückkehr nicht mehr in Quarantäne. In den Münchner Reisebüros häufen sich jetzt die Anfragen.

Coronavirus: Reisewarnung für Mallorca aufgehoben - „Wir buchen wie verrückt“

„Wir haben gut zu tun“, bestätigt Bärbel Haider El Sayed vom TUI-Reisecenter in der Wasserburger Landstraße. Gleich mehrere Kunden hatten allein bis gestern Mittag gebucht – besonders Pauschalreisen. Mallorca sei derzeit gefragter als jedes andere Ziel*. „Wir buchen wie verrückt“, sagt auch Renate Hackler, Inhaberin von AFF Travel Service System in der Ismaninger Straße. Viele ihrer Kunden haben von anderen Zielen auf Mallorca umgebucht. Noch sei das Reisekontingent begrenzt, Flugreisen entsprechend teuer. Das werde sich aber schnell ändern, ist Hackler überzeugt.

Trotz Corona: Reisen nach Mallorca möglich - Zusätzliche Flüge von München

Fluggesellschaften wie Eurowings haben bereits angekündigt, die Zahl ihrer Flüge zu erhöhen. Der Anbieter legte für die Osterzeit 300 zusätzliche Flüge auf die Balearen-Insel auf. Auch Condor steigert seine Kapazität zu den Osterferien. Von München aus geht es ab 27. März bis zu drei Mal täglich nach Palma, ab 89,99 Euro pro Flug. Statt zwei wöchentlicher Flüge ab München nach Mallorca will die Lufthansa nun bis zu elf anbieten, also mehr als fünf Mal so viele.

Der Flughafen ist vorbereitet. „Die Zahl der Flüge kann sich täglich ändern“, sagt Sprecher Horst Jahnke. Derzeit seien 48 Bewegungen für die Osterferien geplant. Die Fluggesellschaften hätten aber bereits angekündigt, auf zusätzlichen Bedarf zu reagieren: „Da steckt gerade eine riesige Dynamik drin.“ TUI plant, die ersten Hotels auf Mallorca nun bereits am nächsten Wochenende zu öffnen. Und das ganz große Geschäft kommt noch: In zwei Wochen beginnen in Bayern und den meisten anderen Bundesländern die Osterferien…

Große Freude auf Mallorca: „Beste Nachricht überhaupt“

Die Einheimischen freuen sich überwiegend auf die Urlauber aus Deutschland. „Die beste Nachricht überhaupt“, jubelt Ballermann-Gastronom Juan Miguel Ferrer. Der Chef des Interessenverbandes „Palma Beach“ mit Hoteliers, Lokalbesitzern und anderen Unternehmern kündigt für Ostern die Wiedereröffnung von mindestens 15 Hotels für insgesamt 4000 Besucher an. Dass auf Mallorca die Hotels öffnen und in Bayern die Gastro dicht bleibt, treibt den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband auf die Palme. Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer fordert „verantwortbare Öffnungsschritte“ für die heimischen Hotels und Gastwirtschaften.

Mallorca: Diese Corona-Regeln gelten vor Ort

Mallorca ist zwar kein Risikogebiet mehr, doch ein Reiserisiko bleibt. Und das beginnt schon beim Abflug in München: Denn die Reise-Erleichterungen gelten nur für den Rückflug. Wer nach Mallorca möchte, braucht immer noch einen PCR-Test. Der darf nicht älter als 72 Stunden sein, und die Ausweisnummer muss darauf vermerkt sein. Verstöße werden in ­Spanien mit bis zu 3.000 Euro geahndet. Dafür gibt’s am ­Urlaubsort ein Stück mehr Normalität als hier. Restaurants dürfen 30 Prozent der Innenräume für Besucher benutzen. Draußen gilt 50 Prozent Auslastung, bei höchstens sechs Personen pro Tisch. An Feiern in Diskos oder Bars ist aber noch nicht zu denken – die sind auch auf Mallorca weiterhin dicht. Mehr noch: Von 22 bis 6 Uhr gilt eine Ausgangssperre, abends flanieren ist also auf der Insel unmöglich. Auch gilt die Maskenpflicht. Sonnenbaden geht aber ohne.

Von München nach Mallorca: Rentner berichtet von Reise zu Corona-Zeiten

Es ist kein normaler Mallorca-Urlaub, aber es ist ein Anfang. Thomas Ernstberger saß am Sonntag im Flugzeug nach Palma de Mallorca – zum ersten Mal seit Langem war der Flieger wieder vollbesetzt. Für den Dießener (Landkreis Landsberg) kamen die Reiseerleichterungen für die Baleareninsel gerade recht. Denn den Flug hatte er schon vor Wochen gebucht.

Normalerweise besucht Ernstberger seine zweite Heimat häufiger. Seit August war er aber nicht mehr dort. Umso schöner sei es diesmal. „Die Besitzerin des kleinen Ladens, in dem ich immer meinen Kaffee trinke, hat mich freudestrahlend begrüßt“, erzählt er. An vielen Läden hingen „SOS-Schilder“, erzählt der Bayer. „Wir brauchen den Tourismus“, sagen die Mallorquiner.

Langsam kehrt wieder Leben in Colonia Sant Jordi, einem Küstenort im Süden der Insel, ein. „Noch hat fast keine Gastronomie auf, aber es geht aufwärts“, berichtet der Rentner und erzählt von zwei Fischlokalen, die gerade hergerichtet werden. „Draußen darf man mit viel Abstand schon sitzen – und drinnen seit dieser Woche auch.“ Die Hotels hätten aber fast alle noch zu.

Thomas Ernstberger genießt die mallorquinische Sonne.

„Es ist sehr wenig los und die Touristen verteilen sich.“ Für Ernstberger ist das ungewöhnlich, aber die Reise war dadurch auch angenehm unkompliziert. Wer mit seinem PCR-Testergebnis in München einsteigt, hat auf Mallorca bei der Einreise keine Probleme. Und auf dem Rückflug am kommenden Sonntag muss der Rentner wegen der neuen Regeln auch nicht einmal in Quarantäne.

Flucht an den Strand 

Wir hauen vor dem Lockdown ab und fliegen nach Spanien. Meine Schwester ist dorthin ausgewandert. Wir freuen uns sehr auf Sonne, Strand und Meer. Und toll wird es auch, endlich mal dem alles bestimmenden Thema Corona zu entfliehen. Es ist einfach Zeit, mal wieder durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen. In Spanien sind die Läden und Restaurants geöffnet. Und am Strand muss man keine Masken tragen.
Manuela (30), Lorena (7 Monate) und Wolfgang (32) mit Hannes Wagner (34), alle aus München

„Wir hauen vor dem Lockdown ab und fliegen nach Spanien.“

Entspannt surfen

Ich fliege auf die Malediven. Dort werde ich die nächsten zwei Wochen surfen gehen. Coronatechnisch ist es dort ganz easy: Erst macht man einen Covid-Test, dann registriert man sich bei der Einreise.

Endlich mal entspannt surfen.

Die Nachverfolgung funktioniert einfach und unkompliziert. Und bisher gibt es auch kaum Fälle dort. Hotels und Restaurants sind offen. Ich freue mich riesig, dem Lockdown entfliehen zu können. Das ist endlich wieder ein Stück Normalität. Und das war jetzt auch mal wieder dringend nötig. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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