Ernüchterung bei Hotels

„Die Leute wollen kommen“: Wiesn-Reservierungen heiß begehrt - doch kann Oktoberfest überhaupt stattfinden?

Eine Entscheidung über die Wiesn 2021 steht noch aus, doch bei den Festzetteln stapeln sich bereits die Reservierungsanfragen - anders sieht es bei Hotels aus.

München - Muss das Oktoberfest dieses Jahr erneut ausfallen? Es wäre nach 2020 bereits die zweite Absage aufgrund der Corona-Pandemie.* Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die Plätze in den Bierzelten sind derweil begehrt wie eh und je - bei Hotels sieht es anders aus.

Corona in München: Kann das Oktoberfest stattfinden? „Die Leute wollen kommen“

Noch weiß niemand, ob die Wiesn in diesem Jahr stattfinden kann, doch bei den Festzelten stapeln sich bereits die Reservierungsanfragen. „Die Resonanz ist sehr positiv“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) Peter Inselkammer. Er ist der Sprecher der Wiesnwirte. „Die Leute wollen kommen.“ Bei den Hotelbuchungen gibt es dagegen merkliche Zurückhaltung. Wie von Hotelketten und Reiseportalen zu hören ist, gehen dort weniger Reservierungen, Buchungen und Suchanfragen nach Übernachtungsmöglichkeiten zur Wiesnzeit ein.

In normalen Jahren besuchen rund sechs Millionen Menschen das größte Volksfest der Welt. Es wird geschunkelt, getrunken und auf engstem Raum gemeinsam gefeiert. Doch ohne wirksamen Impfschutz gegen Corona böte die Wiesn alle Voraussetzungen für ein internationales Superspreader-Event. Geplant ist das Oktoberfest 2021 vom 18. September bis 3. Oktober.

Wiesn-Entscheidung steht noch aus - Wirt zieht erste Bilanz zu Reservierungen: „Nur ganz wenige haben abgesagt“

Obwohl eine Entscheidung über die Wiesn noch aussteht, haben sich die allermeisten Stammgäste schon jetzt ihre Plätze gesichert. Zu 95 Prozent hätten alle ihre angestammten Wiesntische so bestellt wie 2019. „Nur nur ganz wenige haben abgesagt.“ Die meisten Reservierungen kämen von Gästen aus München und der Region; es gebe aber auch Anfragen aus dem Ausland. Er selbst schätze die Chance für eine Wiesn „fifty-fifty“, sagt Inselkammer. „Ich bin zuversichtlich. Aber es hängt natürlich vor allem von den Impfungen ab.“

Corona in München: Wiesn-Tische werden reserviert - Ernüchternde Bilanz bei Hotels

Bei den Hotels ist aber deutliche Zurückhaltung zu spüren - trotz häufig kulanter Stornobedingungen. Die Nachfrage nach Zimmern zur Wiesnzeit sei bisher „spärlich“, heißt es bei der Kette Motel One. Normalerweise sei sie deutlich höher. „Es spricht einiges dafür, dass derzeit nicht so richtig daran geglaubt wird, dass die Wiesn stattfindet“, sagt ein Sprecher. „Oder dass das Interesse angesichts der Pandemie gering ist.“

Auch bei Expedia zeigt sich, dass viele potentielle Gäste von auswärts eher nicht an die Wiesn 2021 glauben - oder sie nicht besuchen würden. Das Interesse für den Zeitraum sei verhaltener als in den Jahren vor Corona, heißt es. „Allerdings steigen die Buchungszahlen für das Oktoberfest historisch gesehen immer erst gegen Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni.“ Auf die Preise hat sich das geringere Interesse noch nicht niedergeschlagen. Auch bei Booking.com suchen Kunden aus Deutschland für die Zeit des Oktoberfests eher seltener nach Unterkünften in München.* Norderney, Krün oder Oberstdorf haben die Stadt dort überholt. Das zeige ein „gesteigertes Interesse an Destinationen in der Natur“.

Findet das Oktoberfest 2021 statt? So wie 2016 würde es wohl kaum aussehen.

Entscheidung zum Oktoberfest steht noch aus - Anstichtag der Wiesn ausreserviert

Hotelzimmer gäbe es also reichlich - und auch Tische sind laut Inselkammer noch zu haben. Doch an den Samstagen werde es schon sehr eng, und der geplante Anstichtag sei praktisch ausreserviert.

Den Wirten zufolge ist Anfang Juni der späteste Zeitpunkt für eine Absage oder Zusage zum Oktoberfest. „Dann müssten wir die Aufbaufirmen beauftragen“, sagt Inselkammer. Die Stadt will voraussichtlich im Mai den Daumen heben oder senken.

Oktoberfest 2021 trotz Corona? Reiter und Söder skeptisch

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter* (SPD) hatte kürzlich erklärt, er würde keine Wetten auf ein Oktoberfest in diesem Jahr abschließen.* „Man darf sehr skeptisch sein.“ Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schlug in die gleiche Kerbe: „Ich halte die Skepsis des Oberbürgermeisters für absolut berechtigt und teile sie, auch wenn es heute noch keine abschließende Bewertung geben kann.“

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Corona: „Eine abgespeckte Version ist keine Wiesn. Das wollen wir nicht“

Der Wiesnchef und Münchner Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) will möglichst spät entscheiden, um alle Chancen auszuschöpfen. „Wenn wir keine Wiesn sehen, müssen wir wieder über einen Sommer in der Stadt nachdenken.“ Dabei waren im vergangenen Jahr Karussells und Buden dezentral und mit Abstand in der Stadt aufgestellt worden. Auch eine Wiederholung hoffen bei einer erneuten Wiesn-Absage auch die Schausteller. Aber: „Eine Wiesn ‚light‘ ist keine Wiesn“, sagt die Leiterin der Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller, Yvonne Heckl.

„Eine abgespeckte Version ist keine Wiesn. Das wollen wir nicht“, sagt auch Wirtesprecher Inselkammer. „Mit Masken*, begrenzten Plätzen und Abstand im Zelt: Das ist wirtschaftlich sinnlos - und das ist auch keine Wiesn, wie wir sie lieben und wollen. Das macht keinen Spaß.“ Ein Impfpass oder negativer Corona*-Test als „Eintrittskarte“ ist aus Sicht der Wirte keine Option. „Das ist nicht darstellbar.“ Schon bisher war die stichprobenartige Kontrolle an den Zugängen zum Oktoberfest gelegentlich ein Herausforderung.

Eine erneute Absage würde die Wirte viel Geld kosten. Allein Inselkammer veranschlagt die laufenden Kosten ohne Wiesn auf 400.000 Euro. Der Wirtschaftswert des weltweit größten Volksfestes liegt bei 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro. (kam/dpa) *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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