Sturm der Entrüstung

Alles dicht an Ostern: OB Reiter und Geschäftsleute wettern über „Pseudo-Feiertag“

Der Oberbürgermeister von München, Dieter Reiter (SPD), spricht am 12.09.2015 in München (Bayern) während einer Pressekonferenz auf dem Hauptbahnhof.
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München-OB Dieter Reiter: Er und viele Inhaber äußern sich kritisch zu den Corona-Maßnahmen über Ostern.

Über die Osterfeiertage gelten besonders strenge Corona-Regeln. OB Reiter und Inhaber von Münchner Traditionsgeschäften sind empört.

München - Es wird ein ungewöhnlicher Gründonnerstag in München*: Zur Eindämmung der Corona-Pandemie* wird es über Ostern eine fünftägige Ruhepause geben. Das heißt: Der Gründonnerstag und der Karsamstag gelten als Feiertage, an denen nicht gearbeitet wird. Am Donnerstag haben sogar alle Geschäfte geschlossen, am Samstag darf lediglich der Lebensmitteleinzelhandel öffnen.

Oster-Lockdown in München: OB Reiter zweifelt an Corona-Maßnahme - er fordert Perspektiven

Maßnahmen, die Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nicht ganz überzeugen*: „Ob der ergänzende Pseudo-Feiertag Gründonnerstag oder die damit verbundene fünf-tägige Ruhephase an Ostern infektiologisch etwas bewirken kann, darf getrost bezweifelt werden“, stellt er fest. Die Fortsetzung des Lockdowns sei ein „simples Weiter so.“ „Weder in den Bereichen Kultur, Sport noch für den Einzelhandel oder die Gastronomie gab es erkennbare Fortschritte was Konzepte, die Öffnungen mit aktuellem negativen Corona*-Test oder Impfung ermöglichen“, kritisiert Reiter. Er könnte sich vorstellen, dass in München Pilotprojekte durchgeführt werden, um zukunftsfähige Strategien zu erarbeiten. Es brauche Perspektiven für eine Rückkehr zu etwas mehr Normalität.

Corona in München: Wenigstens eine gute Nachricht für Gastronomen und Einzelhändler

Das fordern auch Gastronomen und Einzelhändler. Immerhin eine gute Nachricht für den Einzelhandel gibt es: Ab dem 12. April dürfen alle Geschäfte bis zu einer Inzidenz von 100 öffnen. Bei einer Inzidenz zwischen 100 und 200 soll nach den Osterferien Einkaufen mit Termin und negativem, tagesaktuellen Corona-Test möglich sein.

München: Lebensmittelgeschäfte fürchten Ansturm vor Oster-Ruhetagen - Bahn ändert Fahrplan nicht

Zunächst aber stellen sich Lebensmittelgeschäfte auf den großen Ansturm am Samstag ein. U-Bahnen*, Tram-Bahnen und Busse werden auch an den beiden Ruhetagen wie geplant fahren. „Nach heutigem Stand gilt der normale Fahrplan“, so ein MVG-Sprecher.

Münchner Wirt und Metzger Toni Roiderer: Ist das ein Aprilscherz?

Dass am Gründonnerstag, 1. April, alle Geschäfte schließen müssen, erinnert Wirt Toni Roiderer, der auch eine Metzgerei betreibt, an einen Witz: „Eigentlich können die Ankündigungen nur ein Aprilscherz sein.“ Er betont, „vollstes Verständnis“ für die Corona-Maßnahmen zu haben. „Aber jetzt ist die Politik über das Ziel hinausgeschossen“, kritisiert er. „Für mich ist nicht klar, was ein Ruhetag mit den Infektionen zu tun hat.“ Im Gegenteil: Er befürchtet, dass es zu mehr Infektionen kommen könnte. „Wenn der Donnerstag geschlossen ist, dann werden alle am Samstag einkaufen“, erklärt er. „Vor dem Laden werden die Kunden 500 Meter Schlange stehen.“ Dadurch, dass die Außengastronomie zu Ostern nicht öffnen darf, ändert sich in seiner Wirtschaft wenig: „Wir würden sowieso nicht aufmachen, wenn die Leute Tests benötigen, um in den Biergarten zu dürfen“, sagt er. Das sei kaum umsetzbar.

Einkaufen während Corona? CityPartner München erleichtert: „Click & Meet“ hilft

Dass nach den Osterferien die Möglichkeiten für „Click & Meet“ erweitert werden, sei eine Erleichterung für viele Einzelhändler, sagt Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von CityPartner München. „Vor allem für Branchen, bei denen es nötig ist, die Waren anzuprobieren, ist es eine Erleichterung“, erklärt er. Die Einschränkungen zu Ostern kritisiert CityPartner jedoch. Die Situation sei ernst: „Für viele Händler ist es nicht mehr fünf vor zwölf, sondern schon zwölf“, sagt er.

Museum fünf Kontinente in München: Direktorin Uta Werlich ist enttäuscht - Öffnungen waren gut 

„Solange die Inzidenz unter 100 ist, können die Besucher ein Ticket in einem bestimmten Zeitfenster buchen“ erklärt Uta Werlich, die Direktorin des Museums Fünf Kontinente. „Das hat bis jetzt erfolgreich funktioniert. Natürlich wäre eine erneute Schließung bedauerlich. Die Besucher haben das Angebot doch sehr gut angenommen – das motiviert! Falls aber über Ostern alles dicht ist, werden wir auch digital besuchbar sein.“

Neue Corona-Regeln Tiefschlag für Gastronomie: Inselkammer fordert Lockerung - „Leute treffen sich sowieso“

Gastronom Peter Inselkammer hätte sich gewünscht, dass zumindest die Außengastronomie eher wieder geöffnet werden darf. „Die Leute treffen sich sowieso und wir haben gute Hygienekonzepte“, sagt er. Essen zum Mitnehmen sei gerade in der Innenstadt kein Ersatz für das normale Geschäft. Was ihn stört: „Es fehlt eine Strategie, wie weiter vorgegangen wird“, kritisiert er. „Wir wollen wieder durchstarten.“

Mirjana Curic vom Giesinger Frischemarkt schwer getroffen: Ich bin geschockt!

Die Nachricht, dass am Gründonnerstag der komplette Einzelhandel schließen muss, habe sie geschockt, sagt Mirjana Curic, Inhaberin des Giesinger Frischemarktes. „Wir hatten schon viele Bestellungen“, berichtet sie. „Jetzt werden die Kunden wohl alle auf einmal am Samstag kommen.“ Sie wird da dann mehr Mitarbeiter einsetzen – was aber auch bedeute, dass weniger Kunden in den Laden können. „Wir überlegen, wie wir unser System umstellen können“, sagt sie.

Viktualienmarkt München: Standlsprecherin Elke Fett ärgert sich - Zur Not klagen

Elke Fett, Standlsprecherin am Viktualienmarkt, ärgert sich. Sie muss ihren Duftschmankerl-Stand nicht nur am Donnerstag, sondern wohl auch am Samstag schließen. „Ich habe noch Ostersachen vom letzten Jahr“, berichtet sie. „Die Osterwoche ist normalerweise die wichtigste im Frühjahr.“ Zur Zeit sei sowieso wenig los, dazu kommt die Angst, wieder länger komplett zumachen zu müssen. „Aber dann klage ich“, sagt die 76-Jährige. (cla) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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