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Quarantäne-Chaos in München: „System ist so unflexibel“

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Ein Schild mit der Aufschrift „Corona Testzentrum - Gratis Schnelltest“ klebt in Münchens Innenstadt auf dem Gehweg
Corona Testzentrum.jpg © Peter Kneffel/dpa

In München ist die Corona-Lage brenzlig. Doch was macht man, wenn man selbst oder Verwandte betroffen sind? Offenbar kann es dann chaotisch werden.

München – Die Corona*-Zahlen steigen und steigen. Am Freitag (19. November) lag die 7-Tage-Inzidenz für München* bei 754,0. Erneut ein Rekordwert* – und auch das Chaos wird immer größer!

Denn: München versinkt im Bürokratie-Sumpf, bei den Behörden herrscht Dauerstau. Viele Gefährdete bekommen vom Amt mittlerweile gar keine Nachricht mehr, stattdessen sollen die Infizierten ihre Kontaktpersonen selber warnen. Auch bei den Eltern von Kita-Kindern gibt’s Stress, Quarantäne-Bescheide würden viel zu spät verschickt. Das Corona-Chaos – zwei Münchner Fälle stehen stellvertretend dafür.

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Corona in München: Gesundheitsreferat schickt Post mit falscher Datierung

Am 15. November hat Kai Mardeis (52) Post vom Gesundheitsreferat (GSR) bekommen: Sein Sohn soll sich bis 6. November in Quarantäne begeben. „Das ist doch ein Witz“, meint der Münchner. Ein Erzieher in der Einrichtung, die der Fünfjährige besucht, sei am 27. Oktober positiv getestet worden. Der Kindergarten habe die Eltern sofort informiert. „Alle Kinder haben sich testen lassen“, sagt Mardeis. Er ging mit seinem Sohn in die Apotheke, der PCR-Test war negativ. Wie die Sache ausgegangen wäre, wenn „Eltern das irgendwie nicht mitgekriegt hätten“, will sich der Vater nicht vorstellen.

Das GSR teilt auf tz-Anfrage mit, dass es im Zuge der deutlich angestiegenen Fallzahlen „teilweise zu verzögerten Kontaktaufnahmen“ komme. Das Personal sei bereits aufgestockt. Eine Sprecherin sagt, dass das Schreiben den Eltern auch dann zur Verfügung gestellt werde, wenn es eigentlich verspätet sei – für den Fall, dass es zur Geltendmachung von Ansprüchen etwa gegenüber der Krankenkasse benötigt werde.

In Münchens Schulen und Kitas wurden laut GSR „zuletzt rund 1200 Fälle die Woche“ gemeldet. Bei den Kitas seien es aktuell 150 Fälle pro Woche, Tendenz steigend. 108 Kitas (oder Gruppen) sind momentan ganz oder teilweise geschlossen (Stand 19.11.).

Corona in München: Ehepaar wird am Testzentrum abgewiesen

Auch die Buchharts kämpfen mit dem Chaos. Hans (62) und seine Frau (50) erkrankten vor rund einer Woche. „Ich fühlte mich matt, meiner Frau ging es deutlich schlechter.“ Sie wandten sich an ihren Hausarzt. „Er hat uns Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt und uns ans Testzentrum verwiesen“, sagt der Trambahnfahrer.

Doch auf der Theresienwiese die böse Überraschung: „Wir wurden abgewiesen, weil wir keine Bestätigung vom Arzt hatten!“ Hatten sie doch, widerspricht der Hausarzt auf Buchharts Nachfrage. „Er sagt, dass er durch die Krankschreibung bestätigt habe, dass wir Symptome haben.“ Buchhart versteht die Welt nicht mehr: „Mit Symptomen werde ich beim Arzt nur nach negativem PCR-Test untersucht. Den PCR-Test bekomme ich aber nur mit einem separaten Schreiben vom Arzt!“ Laut GSR müssen sich „symptomatische Personen“ beim Hausarzt testen lassen. Eine solche Testung sei kostenfrei.

Das Ehepaar machte einen PCR-Test in einem anderen Testzentrum. Ergebnis: beide positiv! Das Paar ist froh, dass es kaum Leute getroffen hat. Dennoch: „Mich ärgert es, dass das System so unflexibel ist. Wir waren zwei Tage in Ungewissheit, in denen wir jemanden hätten anstecken können“, klagt Buchhart. (dap) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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