Aufschwung nach dem Lockdown

Neuanfang nach der Corona-Krise: Wie Münchner Geschäftsleute in der Stadt Neues erschaffen

Viele mussten während Corona in München ums nackte Überleben kämpfen: Einige Ladenbesitzer, Gastronomen haben die Krise nicht überstanden. Doch es gibt auch Geschichten, die Mut machen.

Nach dem großem Corona-Lockdown in München: Familie tritt aufs Gas

Familie Ibrahimi aus Freimann fährt dorthin, wo andere stillstehen: Vater Zabihullah (49) und seine älteste Tochter Fereshta (22) haben Münchens erste mobile Zweiradwerkstatt gegründet. „Es war mein Traum, mich in München selbstständig zu machen“, sagt der Kfz-Mechaniker, der in Afghanistan eine eigene Werkstatt hatte.

Starkes Gespann: Zabihullah und Fereshta Ibrahimi haben eine mobile Zweiradwerkstatt gegründet.

2009 floh die damals sechsköpfige Familie nach München*. Der Start war hart. Zabihullah hatte keine Unterlagen mehr bei sich. Er fand Arbeit in einer Kfz-Werkstatt. Und wurde wieder gekündigt, weil der Betrieb dichtmachte. Er hangelte sich von Job zu Job, wiederholte die Meisterprüfung – ein Kraftakt.

Fereshta machte schließlich Nägel mit Köpfen, sie hatte die Idee, mobil zu starten. Sie ackerten Unterlagen durch, stellten Anträge, beantragten Zuschüsse. Ende März war es geschafft – ihre Zweiradwerkstatt war angemeldet. Fereshta nimmt die Anrufe von Roller- und Motorradfahrern entgegen und schickt ihren Vater in einem umgebauten Sprinter quer durch die Stadt. „Es läuft sehr gut an“, freut sie sich. Zwei bis drei Aufträge am Tag nehmen sie an. Doch wenn es weiter so gut läuft, denken sie daran auszubauen.

München: Tüchtiger Hutmacher starten nach dem Lockdown durch

Sprüht vor Ideen: Michi von den Bavarian Caps im neuen Domizil in der Hofstatt.

Ausbaupläne hatten auch die Gründer von „Bavarian Caps“. Sie haben im Herzen der Stadt residiert. Genau drei Tage lang. Dann musste das Geschäft wieder zusperren. Doch jetzt ist das bayerische Modelabel zurück in der Hofstatt. „Wir waren extrem produktiv“, sagt Mitgründer Andrée Lang. Die erste Cap des 2014 gegründeten Labels war eine Filzcap mit Edelweiß. Mittlerweile zieren verschiedenste Motive die Kappen – vom Pumuckl über die kreative Umsetzung der Logos von Mundartgruppen, Sportvereinen und Brauereien. „Die Kooperationen mit Brauereien sind ein guter Multiplikator.“ Auch Bekleidung haben die tüchtigen Hutmacher im Sortiment. Denn obwohl die Caps auf vielen Köpfen thronen – dauerhafter Erfolg ist harte Arbeit.

München: Grüne Kraft voraus nach der Corona-Krise

Siegfried Wengler baut auf grüne Kraft.

Siegfried Wengler hat im April seinen „Concept Health Store“ eröffnet. Am Viktualienmarkt kümmert der 52-Jährige sich um Gesundheit und Wohlbefinden seiner Kunden. Eigentlich hat Wengler eine Eventagentur. Als wegen Corona* viele Veranstaltungen wegbrachen, ergriff er seine Chance: „Die Grundidee für den ,Concept Health Store‘ begleitet mich schon sehr lange. Ich habe viel über den Einfluss von Vitalstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln auf die Gesundheit gelernt.“ Wertvolles Wissen, das er an die Münchner weitergibt. Neben Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenextrakten sind Microgreens (essbare Keimpflanzen) echte Kraftpakete.

Statt Augustiner am Platzl jetzt Inselglück an der Würm

Freuen sich auf ihre neue Aufgabe: die Wirte der „Inselmühle“, Thomas und Iris Zeilermeier.

Thomas und Iris Zeilermeier haben ein Juwel gefunden. Seit Mai führt das Wirte-Paar einen der schönsten Biergärten der Stadt. Nach 14 Jahren haben die Gastronomen den Augustiner am Platzl gegen die „Inselmühle“ in Untermenzing eingetauscht. „Wir haben einen wunderschönen Biergarten an der Würm mit tollen Bankettmöglichkeiten“, schwärmt der 53-Jährige. Doch die Herausforderungen sind groß. Der Biergarten wurde grundsaniert, die Renovierung des Landgasthofs steht noch an. Noch können sie nur die Hälfte des Biergartens mit seinen 900 Plätzen nutzen. Trotzdem blicken sie positiv in die Zukunft. „Wir setzen jetzt stark auf die Freischankfläche und freuen uns auf einen tollen Sommer mit vielen Gästen.“

Nach der Corona-Zwangspause in München: Neu als Hafenkneipe

Das „Substanz“ wird saniert.

Auch beim Kult-Club „Substanz“ kommt es zum Neustart - mehr lesen Sie hier in einem separaten Artikel auf tz.de. Daniela Pohl

Wer sonst noch durchstartet

Wo Läden und Lokale noch eröffnen – eine Auswahl:

Gudrun Sjöden: Bunte Mode aus Schweden gibt’s an der Reichenbachstraße 3.

Fotostudio Maren Richter: Die Fotografin hat neu an der Bleibtreustraße 26 eröffnet.

Luis Trenker: Das Kultlabel zieht im Juli in die Fünf Höfe.

Werneckhof: Sous-Chefin Sigi Schelling eröffnet (sobald Corona es zulässt) ihr Restaurant im Werneckhof.

Salon rouge: Starkoch Tohru Nakamura residiert mit einem Pop-up-Restaurant im Werksviertel.

Organic Garden Signature Store: TV-Koch Holger Stromberg beteiligt sich an dem Start-up an der Heiliggeiststraße. Bestseller ist ein veganer Hot Dog.

Café Le Hygge: An der Ehrengutstraße 6 verschmelzen Kunst, Leben und Gastfreundschaft.

Starnberger Eiswerkstatt gibt’s jetzt auch in Schwabing (Nordenstraße 62). *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Markus Götzfried

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