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Neuer Corona-Impfstoff zugelassen: Experte klärt wichtigste Fragen - auch in Bezug auf die Wiesn

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Von: Sophia Oberhuber

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Privatdozent Christoph Spinner, Oberarzt Infektiologie und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Die zweite Auffrischungsimpfung kann laut Oberarzt Christoph Spinner, Pandemieexperte im Klinikum rechts der Isar, auch bei Jüngeren sinnvoll sein. © picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Was bringt der neue Impfstoff? Was empfiehlt die Stiko? Wann kommt der neue Impfstoff nach München? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

München - Der Herbst rückt näher – und damit, wie es die Erfahrungen aus den vergangenen beiden Jahren zeigen, droht auch eine neue Corona-Welle. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die neuen auf Omikron angepassten Impfstoffe von Moderna und Biontech gestern zugelassen. Viele Münchner wollen sich vor der Wiesn noch einen zweiten Booster verabreichen lassen. Aktuell wird dafür noch das alte Vakzin verwendet. Bald sollen aber die neuen Omikron-Impfstoffe verfügbar sein. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie unterscheidet sich der neue Impfstoff vom alten?

Die alten Vakzine sind auf den ursprünglichen Typ des Virus angepasst. Dieser ist bereits mehrfach mutiert. Der neue Impfstoff wirkt zum einen gegen den ursprünglichen Virustyp, zum anderen auch gegen die Omikron-Variante BA.1. Derzeit ist die Untervariante BA.5 in Deutschland vorherrschend.

Gibt es bald auch einen Impfstoff gegen die Untervariante BA.5?

Ja, das Unternehmen Biontech/Pfizer hat einen solchen entwickelt. Die EMA will demnach bereits Ende September über die Zulassung des Impfstoffes entscheiden. Experten gehen aber davon aus, dass der neue Impfstoff gegen die Omikron-Variante BA.1 auch bei der Untervariante BA.5 Vorteile bringt.

Welche Impfstoffe wurden zugelassen?

Die EMA hat für die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna am Donnerstag grünes Licht gegeben.

Was bringt der neue Impfstoff?

Laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sind die Vakzine an mehreren hundert Probanden getestet worden. „Gesehen hat man bei den Menschen mit dem angepassten Impfstoff deutlich mehr Antikörper gegen die Omikron-Variante – und zwar bei Jungen wie Alten wie bei Genesenen.“

Ich bin noch gar nicht geimpft. Kann ich den neuen Impfstoff auch als Grundimmunisierung erhalten?

Nein. Die Vakzine sind nur als Auffrischungsimpfung zugelassen.

Was empfiehlt die Stiko?

Zu den neuen Omikron-Impfstoffen noch gar nichts. Eine Woche nach Zulassung des neuen Impfstoffs werde die Stiko laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Empfehlung aussprechen. Grundsätzlich empfiehlt die Stiko einen zweiten Booster aktuell Menschen, die älter als 60 Jahre sind oder die älter als fünf Jahre sind und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Ich bin jung und gesund. Brauche ich den vierten Pieks?

Die zweite Auffrischungsimpfung kann laut Oberarzt Christoph Spinner, Pandemieexperte im Klinikum rechts der Isar in München, auch bei Jüngeren sinnvoll sein – beispielsweise bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen.

Wann erreicht der neue Impfstoff tatsächlich Ärzte und Impfzentren in und um München?

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass Großhändler erstmals ab 5. September den neuen Booster bestellen können. In derselben Woche sollen die Lieferungen erfolgen. Klappt das alles wie geplant, könnten Impfzentren noch in derselben Woche beziehungsweise in der darauffolgenden das Impfen mit dem neuen Vakzin beginnen. Spinner gibt sich weniger optimistisch: „Es muss mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, dass der Impfstoff selbst im Idealfall nicht vor Mitte September zur Verfügung steht.“

Warte ich jetzt mit dem zweiten Booster?

Die Meinungen der Experten gehen auseinander. Lauterbach sprach sich fürs Warten aus: „Jetzt macht es wirklich Sinn, die paar Tage zu warten, bis der neue Impfstoff da ist.“ Auch der Münchner Hausarzt Oliver Abbushi rät grundsätzlich dazu, auf das neue Vakzin zu warten. Oberarzt Spinner vom rechts der Isar sieht das anders: „Wer aufgrund der Stiko-Empfehlung einen zweiten Booster erhalten sollte, der sollte nicht zögern. Die aktuell zugelassenen Impfstoffe schützen sehr gut vor schwerem Covid-19, ob die angepassten Impfstoffe besser schützen, ist aktuell unklar.“

Thema Wiesn-Booster: Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um sich vorher nochmal impfen zu lassen?

Laut Spinner baut sich der Schutz in den ersten Tagen nach der Impfung auf und erreicht zwei bis vier Wochen nach dem Booster das Maximum. Wer sich jetzt impfen lässt, für den fällt die Wiesn also in das Wirkmaximum.

Ich möchte bestmöglichen Impfschutz für die Wiesn und könnte jetzt sofort einen Termin wahrnehmen. Dann bekomme ich aber den alten Impfstoff.

Macht es mehr Sinn, auf den angepassten Impfstoff zu warten – in Folge aber erst kurz vor meinem Volksfestbesuch geimpft zu werden? Das Warten auf den neuen Impfstoff lohne sich mit Blick auf den Wiesnbesuch laut Spinner nicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Impfstoffe spätestens ab dem 10. September zur Verfügung stehen, ist meines Erachtens gering – und für den Schutz auf dem Oktoberfest muss die Impfung ein bis zwei Wochen zuvor erfolgt sein.“ VON SOPHIA OBERHUBER

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