Alkohol, Scherben und Co.

„Wir haben Angst“: Party-Volk an der Isar wird immer aggressiver gegenüber Anwohnern - Polizei überfordert

An lauen Abenden ist’s an der Münchner Reichenbachbrücke voll
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An lauen Abenden ist’s an der Münchner Reichenbachbrücke voll.

Die Reichenbachbrücke in München ist einer jener Orte, an denen sich zeigt, dass Jugendliche in der Pandemie Raum brauchen. Eine Jugendforscherin appelliert.

München - Es scheppert an der Reichenbachbrücke und entlang der Wittelsbacherstraße: Zahllose Flaschen liegen auf Geh- und Radwegen, ähnlich wie zuletzt in den Party-Hotspots an der Türkenstraße und im Uni-Viertel.

Eine Anwohnerin klagte im Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt: „Einige Jugendliche lassen ihre Flaschen mit Absicht fallen und machen sich einen Spaß daraus, Passanten zu verschrecken. Ich spreche hier stellvertretend für viele aus meiner Umgebung, die volle Flaschen vor die Füße bekommen. Wir haben Angst, dass die Situation entgleitet.“ Manch einer traue sich nachts nicht mehr mit dem Hund raus.

München: Corona-Einschränkungen vergrößern Konflikte zwischen Personengruppen

Die Grüne Helga Solfrank, die in der Nähe wohnt, bestätigt die Situation: „Ich mache mir Gedanken, ob ich im Alter dort wohnen kann.“ „Seit Corona erleben wir in der ganzen Stadt* den knappen öffentlich Raum wie unter einem Brennglas“, bestätigt Dr. Nora Gaupp vom Deutschen Jugendinstitut. Das führe zu Konflikten zwischen Älteren, Kindern, Badegästen, Hundebesitzern, Radlern und Nachtschwärmern. „Viele Jugendliche haben die Corona-Maßnahmen vorbildlich mitgetragen. Ihr Alltagsleben war und ist aber stärker eingeschränkt als das von Älteren.“ Clubs und Bars seien schließlich noch immer geschlossen.

Victoria Schwarz von Groddeck, die als Mutter von drei Kindern für die Grünen im BA aktiv ist und am Institut für Soziologie der LMU arbeitet, ergänzt: „In der Pandemie wurden junge Menschen auf die Schule und Ausbildung reduziert. Außer diesen Strukturen sind aber auch ,peer groups‘, also die für den Lebensabschnitt entscheidenden Erprobungs- und Entwicklungsräume, weggebrochen“. Auch in Maxvorstadt hat der Zorn über die nächtlichen Corona-Partys der vergangenen Wochen zugenommen.

Münchner Polizei wird durch Party-Meute auf Trab gehalten - Tausende Anzeigen

Auch der Chef der Polizeiinspektion 14*, Rudolf Stadler, bestätigt die neuen Hotspots in der Isarvorstadt. „Wir haben teilweise Alkoholverbote ausgesprochen, mit dem Ergebnis, dass sich Gruppen an die Isar verlagern. Wir können als Polizei nicht immer präsent sein, gehen aber jeder Anzeige nach. Bisher waren das schon 10.000 zusätzliche Corona-Anzeigen!“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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