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„Kurz vor Weihnachten ging es los“: Münchner Familie erlebt seit Wochen Quarantäne-Odyssee

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Von: Nadja Hoffmann

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Schwierige Zeit: Die Familie von Katharina P. durchlebt gerade eine Test-Odyssee.
Schwierige Zeit: Die Familie von Katharina P. durchlebt gerade eine Test-Odyssee. © Achim Frank Schmidt

Es ist zum verrückt werden: Bei einem Schüler aus München ist jeder Schnelltest positiv, jeder PCR-Test dann negativ. Den möglichen Grund erklärt ein Arzt.

München - PCR-Tests nur noch für spezielle Personengruppen: Als Katharina P. von den aktuellen Beschlüssen der Politik* gehört hat, war sie geschockt. PCR-Tests sind derzeit nämlich das Wichtigste für ihre Familie. Vor allem für ihren 14-jährigen Sohn. „Bei ihm ist jeder Schnelltests positiv“, sagt die alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Das heißt: Ihr ältester Sohn, der Abschlussschüler der Mittelschule ist, hat jedes Mal dann ein Problem, wenn ein Test in der Schule ansteht. Mit dem positiven Ergebnis wird er sofort nach Hause geschickt. Jedes Mal hat der folgende PCR-Test aber dann ein negatives Ergebnis angezeigt. Reine Nervensache für die Familie, bei der seit dem 23. Dezember ständig ein Mitglied in Quarantäne ist.

Corona-Chaos bei Familie aus München: Angst um den Arbeitsplatz wegen vieler Ausfälle

„Kurz vor Weihnachten ging es los“, sagt die Sendlingerin entnervt. Damals gab es einen Fall in der Kindergartengruppe ihres jüngsten Sohns (5). Anfang des Jahres dann der nächste Schock: Die neunjährige Tochter infiziert sich mit Corona*. Bis sich das Gesundheitsamt mit Informationen zu den Quarantäne-Vorgaben bei der Familie meldet, vergehen viele Tage. Zeit, in der sich Katharina P. angesichts des Regel-Dschungels* allein gelassen fühlt. „Man möchte ja alles richtig machen.“ Mit Blick auf ihren ältesten Sohn ist das aber nicht einfach für die Mutter. Denn jedes Mal, wenn ein Schnelltest des Neuntklässlers positiv ist, muss sie zu ihm in die Schule fahren. Jedes Mal steht der Weg zum PCR-Test an.

Für die medizinische Fachkraft, die in einer Arztpraxis angestellt ist, bedeutet das: Sie muss immer wieder auf das Verständnis ihrer Chefs hoffen und den Arbeitsplatz verlassen. „Dabei ist auch bei uns derzeit richtig viel los.“ Angesichts ihrer Ausfälle wird der 35-Jährigen ganz anders. Sie hat Angst, dass das Schnellest-Chaos negative Auswirkungen hat. Ein Gedanke, der die aktuell schwierige Situation nicht einfacher macht. Rund 30 Schnelltests hat die Familie seit Weihnachten daheim gemacht.

Corona: PCR-Tests um den Faktor 1000 den Schnelltests überlegen

Wie Dr. Andreas Osterman, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Max von Pettenkofer-Institut erklärt, muss man eines Wissen: „Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist Antigentests bezüglich Sensitivität als auch Spezifität überlegen.“ Das heißt: PCR-Tests sind besser, um Kranke als krank (Sensitivität) und Gesunde als gesund (Spezifität) zu erkennen. Und das nicht nur ein bisschen: „Die PCR ist den Antigentesten mindestens um den Faktor 1000 in Bezug auf die Nachweisempfindlichkeit überlegen“, verdeutlich der Experte. Für ihn handelt es sich bei der Schnelltest-Odyssee der Familie deshalb wahrscheinlich um keinen Einzelfall.

Trotz des großen Aufwands ist Katharina P. jedes Mal froh, wenn der PCR-Test bei ihrem Sohn Entwarnung gibt. Grundsätzlich gilt an Schulen derzeit: Infiziert sich ein Schüler mit dem Corona-Virus*, muss er für zehn Tage in Isolation. Diese kann nach sieben Tagen mit negativem Ergebnis (PCR-Test oder offizieller Schnelltest) beendet werden. (nah) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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