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Inzidenz extrem hoch, kaum noch Intensivbetten: Söder kündigt nächste Regelung für Bayern an

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Von: Franziska Konrad

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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, gibt vor Beginn der zweitägigen Haushaltsklausur der bayerischen Staatsregierung in der Residenz ein Pressestatement.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, gibt vor Beginn der zweitägigen Haushaltsklausur der bayerischen Staatsregierung in der Residenz ein Pressestatement. © Sven Hoppe/dpa

Steigende Inzidenzen, immer mehr Corona-Patienten: Der aktuelle Trend schließt auch München nicht aus. Erste Kliniken schlagen Alarm. Die Intensivstationen laufen voll.

Update vom 14. November, 15.48 Uhr: „Wir brauchen die Möglichkeit von Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte“, sagte Söder zudem am Sonntag. Es brauche dies als Zusatzinstrument - sonst werde man der steigenden Corona-Infektionszahlen nicht Herr. Außerdem will sich Söder dafür einsetzen, eine Personen-Obergrenzen für Veranstaltungen, insbesondere beim Fußball, einzuführen.

„Wir brauchen Obergrenzen, das muss man einheitlich machen.“ Sollte der Bund nicht aktiv werden, werde Bayern dies sonst selbstständig machen. Das Ausrufen des Endes der epidemischen Lage sei „in jeder Beziehung der falsche Weg“. Söder kritisierte das neue Ampel-Infektionsschutzgesetz scharf und fordert eine deutlichen Nachschärfung. „Die Lage droht im gesamten Land zu entgleiten. Wegducken allein reicht nicht. Wir müssen jetzt alle - Bund, Länder - zusammen entschlossen handeln“, so der Ministerpräsident. In einem eindringlichen Appell forderte Söder einen Schulterschluss von Bund und Ländern.

Corona-Lage in Bayern: Söder kündigt neue Regelverschärfung an

Update vom 14. November, 15.30 Uhr: Markus Söder hat am heutigen Sonntag bei einem Pressestatement vor einer Klausur seines Kabinetts in München eine neue Regeländerung angekündigt. Überall dort, wo aktuell die 2G-Regel gilt, soll künftig auch eine Maskenpflicht gelten. Die 2G-Regel erlaubt damit künftig nicht mehr, dort auf Masken komplett zu verzichten.

Update vom 14. November, 9.13 Uhr: Die Situation in den Münchner Krankenhäusern wird immer dramatischer. Die Intensivstation in der München Klinik Schwabing steht jetzt schon kurz vor dem Kollaps. Intensivmediziner Niklas Schneider schlägt Alarm. „Wir laufen voll. Jetzt sind wir an der maximalen Belegungszahl, die wir im Augenblick noch leisten können“, so Schneider gegenüber Spiegel.de.

Corona in München: Kliniken kurz vor dem Kollaps - „Wir laufen voll“

Insgesamt gibt es auf der Intensivstation Platz für 30 Patienten. Wie der Münchner Arzt berichtet, werden dort derzeit nur Ungeimpfte betreut. Ein weiteres Problem: „Im Gegensatz zur ersten Welle haben wir deutlich weniger Pflegekräfte“, stellt Schneider klar. „Das ist eine Katastrophe.“

Innerhalb der letzten Tage schossen die Neuinfektionen in ganz Deutschland nach oben. „Das sind die Patienten, die erst in den nächsten Wochen zu uns kommen werden.“ Der Arzt ist verzweifelt. „Wir sehen wirklich schwarz in die Zukunft. Und wir haben Bedenken, wie wir diese Patienten versorgen können.“

Update vom 14. November, 8.19 Uhr: Der aktuelle Corona-Trend hält an. Binnen der letzten 24 Stunden haben die Infektions-Zahlen in München erneut einen enormen Sprung nach oben gemacht. Laut RKI liegt die Inzidenz am Sonntagmorgen bei 248,4. Am Vortag lag der Wert noch bei 180, am Freitag bei 124.

Corona in München: Inzidenz steigt rasant - Viele Tote doppelt geimpft

Auffallend: Unter der rasch steigenden Zahl von Corona-Toten im Freistaat ist ein vergleichsweise hoher Anteil vollständig Geimpfter. Nach Daten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittel (LGL) lag die Quote in den vier Wochen vom 4. bis 31. Oktober bei knapp 30 Prozent. 108 der insgesamt gezählten 372 Todesopfer waren doppelt geimpft, wie die Erlanger Behörde auf dpa-Anfrage mitteilte. Etwas niedriger war der Anteil in der ersten Novemberwoche mit gut 26 Prozent - 23 der 88 Corona-Toten waren da vollständig geimpft.

Geimpfte Corona-Tote: LGL warnt - Zahlen mit Vorsicht interpretieren

Das LGL betonte indes, dass die Zahlen mit Vorsicht interpretiert werden müssten. Denn als Corona-Todesopfer zählt, wer mit dem Virus infiziert war. Gleichzeitig bedeutet das aber nicht, dass Covid19 auch zwingend die Todesursache ist. Fakt ist: Die Mehrzahl der Corona-Toten sind 80 und älter, dementsprechend litten viele ebenso an anderen Krankheiten. Einer Auswertung der Todesfälle nach Vorerkrankungen ist jedoch laut LGL nicht möglich.

Außerdem wies das LGL noch darauf hin, dass insbesondere die Älteren schon früh im Jahr geimpft worden seien. Damit steige das Risiko einer abnehmenden Immunität. Das mache Auffrischungsimpfungen besonders wichtig.

Update vom 13. November, 15.40 Uhr: Dem rasanten Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Bayern folgt nun ein Ansturm auf die Impfangebote. In München und Augsburg sind die Impfstationen mit dem derzeitigen Andrang überfordert. Die Folgen: Im Impfzentrum der Landeshauptstadt gibt es den Piks ab nächster Woche nur noch auf Termin.

Corona in Bayern: Ansturm auf Impfzentren - Stationen überlastet

Die Augsburger Stadtverwaltung hingegen appellierte am Samstagvormittag an die Bürger der drittgrößten bayerischen Stadt: Eine lange Schlange von Impfwilligen vor dem überlasteten Impfzentrum wurde wieder nach Hause geschickt. Stattdessen sollen die Menschen in den nächsten Tagen wieder kommen - und vorher einen Termin vereinbaren.

Bayern hat mit 65,5 Prozent vollständig geimpfter Bürger die niedrigste Impfquote im Westen. Sowohl die Zahl der Neuinfektionen
als auch diejenige der Corona-Todesfälle liegen derzeit weit über dem Bundesschnitt.

Update vom 13. November, 11.57 Uhr: Wegen steigender Corona-Patientenzahlen sind die Intensivbetten mittlerweile in über der Hälfte der größeren Städte und Landkreise Bayerns knapp. Kritisch ist die Lage mittlerweile auch in München. Die Krankenhäuser der Landeshauptstadt spielen eine zentrale Rolle für die medizinische Versorgung in Bayern. Dort waren am Samstag lediglich 16 der 452 Intensivbetten frei.

Corona in Bayern: Kaum noch freie Intensivbetten in München

Eine ähnliche Lage spiegelt sich im gesamten Freistaat wieder: Am heutigen Vormittag waren in 50 der 96 kreisfreien Städte und Kreise weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, wie aus dem Intensivregister am Samstag hervorging. In ganzen 22 Städten und Kreisen gab es kein einziges freies Intensivbett mehr.

Da die Corona-Infektionen in Bayern in den vergangenen zwei Wochen rasant gestiegen sind, rechnen die Krankenhäuser weiter mit zunehmenden Zahlen von Intensivpatienten. Schon seit Wochen müssen Kliniken mit voll ausgelasteten Intensivstationen neue Patienten in andere Einrichtungen verlegen lassen.

Ursprünglicher Artikel vom 13. November:

München - Die Corona-Zahlen in München ziehen weiter kräftig an. Am Samstag, 13. November, meldet das RKI eine Inzidenz von 180,8. Zum Vergleich: Am Vortag lag dieser Wert noch bei 124. Doch die vierte Welle rollt nicht nur durch die Landeshauptstadt, sondern hat längst den gesamten Freistaat erreicht.

Corona in Bayern: Rettungsdienste überlastet - Zahl der Covid-Patienten enorm gestiegen

Wegen der dramatischen Lage schlagen nun Bayerische Hilfsorganisationen Alarm. „Der Rettungsdienst ist überlastet, notwendige Operationen müssen verschoben oder kurzfristig verlegt werden, die Inzidenzen steigen massiv an und jeden Tag werden neue Höchststände verkündet“, teilten der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Bayerische Rote Kreuz (BRK), die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und der Malteser-Hilfsdienst (MHD) am Freitag, 12. November, in einer gemeinsamen Erklärung mit.

In den vergangenen Monaten sei die Zahl der Transporte von Corona-Patienten im Rettungsdienst fast um das Vierfache gestiegen. Das berichtet BRK-Präsident Theo Zellner. Ähnliches lässt sich bei der Gesamtanzahl der Einsätze beobachten. So nahmen etwa die Einsätze in der letzten Oktoberwoche in Oberbayern-Ost um 18 Prozent - im Vergleich zum sonstigen Durchschnitt - zu.

Corona in Bayern: „Schwierigste Phase der Pandemie in kommenden Wochen“

Zellner prophezeit: „Die schwierigste Phase der Pandemie steht uns in den kommenden Wochen bevor.“ Die Situation derzeit sei
problematischer als im Dezember 2020. „Die derzeitige Überlastung der Intensivstationen und Notaufnahmen, die zu einem überwiegenden Teilen durch ungeimpfte Patienten belegt sind, macht die Situation heute deutlich dramatischer. Schwer erkrankte oder verletzte Notfallpatienten müssen teilweise stundenlang in weit entfernte Kliniken transportiert werden.“

„Absolut enttäuschend“ nannte der stellvertretende Landesvorsitzende des ASB Bayern, Norbert Tessmer, die Impfquote in Bayern. „Es scheint bis zum heutigen Tage nicht annähernd gelungen, ausreichend Menschen von der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Corona-Schutzimpfung zu überzeugen. Es liegt weiterhin an jedem und jeder nun verantwortungsvoll zu handeln, sich selbst und der Allgemeinheit gegenüber.“

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