Ernüchterung in der Fußgängerzone

Neue Corona-Regeln für Münchner: Selbstversuch zeigt bittere Lage - „Befürchtungen sind übertroffen worden“

Kaum was los: Am Mittwoch startete in München die Testpflicht beim Shoppen – kaum Kunden zog es in die Fußgängerzone.
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Kaum was los: Am Mittwoch startete in München die Testpflicht beim Shoppen – kaum Kunden zog es in die Fußgängerzone.

Schlangen vor den Teststellen, aber gähnende Leere in den Läden: Seit Mittwoch dürfen Kunden in München nur mit negativem Testergebnis einkaufen. Die Bilanz ist ernüchternd.

München - Die Schlange ist lang: Bis um die Ecke stehen die Leute an, die Internationale Ludwigs-Apotheke zwischen Stachus und Marienplatz* hat extra im Innenhof einen Corona-Testbereich eingerichtet. Dort nimmt Mitarbeiterin Sarah Wickles im Akkord Nasenabstriche ab. „Die Stimmung bei uns ist gut“, sagt sie. „Es ist schön, helfen zu können, dass mehr öffentliches Leben möglich ist…“

Corona in München: Shopping nur mit negativem Testergebnis

Seit Mittwoch dürfen Kunden in München* nur einkaufen, wenn sie ein negatives Testergebnis vorweisen können – weil die Inzidenz über 100 liegt und weil seit Montag in Bayern neue Lockdown-Regeln gelten. Unsere Reporter waren unterwegs, um den Shopping-Selbsttest zu machen.

An den Teststellen wie hier am Marienplatz dagegen standen die Menschen Schlange.

Während man sich an den Teststellen, zum Beispiel am Rathaus, oft über eine Stunde gedulden muss, zeigt sich in den Geschäften ein anderes Bild: gähnende Leere. „Wie erwartet ist in den Läden kaum etwas los“, sagt Wolfgang Fischer vom Verein CityPartner. Nur wenige Menschen bummeln durch die Fußgängerzone: Bis 15 Uhr kommen am Passanten-Messpunkt des Unternehmens hystreet an der Kaufingerstraße nur 8024 Personen vorbei. Zum Vergleich: Am vergangenen Mittwoch waren es den ganzen Tag über 20.364 Passanten. In manchen Läden hat man den Eindruck, dass mehr Personal als Kunden vor Ort sind. Einige Geschäfte haben gar nicht erst geöffnet. „Viele haben auf „Click & Collect“ oder ihren Online-Shop umgestellt“, sagt Fischer.

Corona in München: Nach Regel-Verschärfung kaum noch Kunden in der Fußgängerzone

Auch Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern ist unzufrieden. „Die Lage ist dramatisch“, sagt er. „Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet, aber die Befürchtungen sind noch übertroffen worden.“ Die Stimmung unter den Händlern sei ein Mix aus Verärgerung, Wut und Frustration. Aus anderen Städten wisse man, dass die Passantenzahlen mit Testpflicht im Vergleich zu einem normalen Einkaufstag um 80 bis 90 Prozent einbrechen. Einkauf nur mit FFP2-Maske*, Termin und Negativtest: „Das ist den Kunden einfach zu aufwendig.“

Machten den Selbstversuch: Reporterin Claudia Schuri und Fotograf Achim Schmidt.

Inzwischen ist es zwar kein Problem mehr, in den Drogerien und Apotheken Corona*-Selbsttests zu kaufen – doch damit kommt Merkur-Reporterin Claudia Schuri am Mittwoch beim Selbstversuch in keinen Laden. Gemäß Gesetz dürften Händler zwar Kunden einlassen, wenn die unter Aufsicht vor Ort den Selbsttest machen. Aber: Der Aufwand, das zu beaufsichtigen, ist fast allen Ladenbesitzern zu groß.

Corona in München: Nur wenige Geschäfte bieten Tests an

Große Schilder und Plakate an den Eingängen der Geschäfte machen auf die Testpflicht aufmerksam, einen Einkaufstermin bekommt man in vielen Läden aber sofort – vorausgesetzt, es sind nicht schon viele Kunden dort. Nur wenige Händler, etwa der Elektro-Fachmarkt Saturn an der Neuhauser Straße, bieten selbst Tests an. Im Forum Schwanthalerhöhe an der Theresienwiese wurde extra für die Kunden ein Testzentrum im Untergeschoss eingerichtet. „Natürlich ist die Situation für alle schwer, aber wir kriegen viele tolle Rückmeldungen von unseren Kunden“, sagt Centermanager Lars Sammann.

Auch Möbel Höffner in Freiham hat vor dem Möbelhaus eine Teststraße eingerichtet: Hier führt medizinisch geschultes Personal kostenlose Schnelltests durch – und danach geht’s gleich weiter zum Möbelkauf. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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