1. tz
  2. München
  3. Stadt

Münchner Ärzte kämpfen um Leben jüngerer Corona-Patienten: Therapie „kann nicht jeden retten“

Erstellt:

Von: Andreas Beez

Kommentare

Intensivmediziner Privatdozent Dr. Michael Irlbeck vom LMU Klinikum
Täglicher Kampf um Leben und Tod: eine Intensivstation im Uniklinikum rechts der Isar. © Falk Heller

In den Münchner Kliniken kämpfen Intensivmediziner auch um das Leben von unter 40-jährigen Corona-Patienten. In Großhadern liegt das Durchschnittsalter der Schwerstkranken bei nur 57 Jahren.

München – Es ist noch längst nicht vorbei: Obwohl die Zahl der Corona-Neuansteckungen in Bayern zuletzt gesunken ist, bleibt die Lage auf den Intensivstationen der großen Münchner Kliniken dramatisch.

Corona in München: Immer mehr Patienten auf Covid-Normalstationen

Mehrere Mediziner warnten gegenüber unserer Zeitung vor dem Irrglauben, dass die vierte Welle bereits abklinge – im Gegenteil: „Auch die Gefahr einer weiteren Zuspitzung der Situation in den Kliniken ist noch nicht gebannt“, analysiert Krankenhaus-Koordinatorin Prof. Viktoria Bogner-Flatz, und ihr Kollege Dr. Dominik Hinzmann erklärt: „Die Zahl der Patienten auf den Corona-Normalstationen scteigt weiter.“

Ärztliche Krisenmanagerin: Professor Dr. Viktoria Bogner-Flatz.
Ärztliche Krisenmanagerin: Professor Dr. Viktoria Bogner-Flatz. © privat

Dies gelte besonders für die Intermediate-Care-Einheiten, eine Art Vorstufe zu den Intensivstationen: „Auf einer IMC werden Patienten beispielsweise mit Highflow-Sauerstoff behandelt. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, müssen sie auf die Intensivstation verlegt werden.“

LMU Klinikum Großhadern: Immer wieder schwerkranke Corona-Patienten unter 40 Jahren

Münchner Krankenhaus-Koordinator Dr. Dominik Hinzmann.
Münchner Krankenhaus-Koordinator Dr. Dominik Hinzmann. © privat

Dort landen „immer wieder selbst unter 40jährige, nicht geimpfte Personen ohne wesentliche Vorerkrankung und müssen sogar an die Ecmo, die künstliche Lunge, angeschlossen werden“, berichtet der leitende Intensivmediziner Privatdozent Dr. Michael Irlbeck vom LMU Klinikum: „Das ist die maximale Therapie, doch selbst diese kann nicht jeden Patienten retten.“

Allein im LMU Klinikum werden derzeit sieben von 32 Covid-Intensivpatienten mit einer Ecmo behandelt. Der Altersdurchschnitt auf diesen Intensivstationen liegt bei gerade mal 57 Jahren.

Uniklinikum Rechts der Isar: Junger Familienvater an künstliche Lunge angeschlossen

Intensivmediziner Privatdozent Dr. Michael Irlbeck vom LMU Klinikum
Intensivmediziner Privatdozent Dr. Michael Irlbeck vom LMU Klinikum © LMU Klinikum

Dass Corona auch Jüngere in akute Lebensgefahr bringen kann, bestätigt der Infektiologe Privatdozent Dr. Christoph Spinner vom Uniklinikum rechts der Isar. Dort kümmern sich Ärzte und Pflegekräfte derzeit um mehr als 20 schwere Corona-Fälle: „Darunter sind auch viele jüngere Menschen, die mehrheitlich ungeimpft sind. Zu diesen Patienten gehört auch ein Familienvater, knapp 40, der vor einigen Tagen an die ECMO musste.“

Krisenmanager warnen: „Kliniken erleben kritischste Phase der Pandemie“

Vor dem Hintergrund solcher und weiterer dramatischer Schicksale appellierten die Krankenhaus-Koordinatoren Bogner-Flatz und Hinzmann erneut an alle Münchner, sich impfen bzw. boostern zu lassen: „Die Kliniken erleben die kritischste Phase während der Pandemie. Sie sind auf die Solidarität in unserer Stadt angewiesen.“

„Bei uns liegt ein knapp 40-jähriger Familienvater an der künstlichen Lunge“, berichtet der Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner vom Uniklinikum rechts der Isar.
„Bei uns liegt ein knapp 40-jähriger Familienvater an der künstlichen Lunge“, berichtet der Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner vom Uniklinikum rechts der Isar. © Astrid Schmidhuber

Chef der München Klinik: Wissen noch nicht, ob das Plateau der vierten Welle erreicht ist

Auch München-Klinik-Chef Dr. Axel Fischer sieht für eine Entwarnung keinen Grund: „Auch wenn das exponentielle Wachstum aktuell abbremst – wir wissen noch nicht, ob damit das Plateau der vierten Welle erreicht ist“, sagte Fischer unserer Zeitung. „Die Lage auf unseren Covid-Stationen ist ernst.

Chef der städtischen Krankenhäuser: Dr. Axel Fischer von der München Klinik.
Chef der städtischen Krankenhäuser: Dr. Axel Fischer von der München Klinik. © Markus Götzfried

Wir erwarten, dass sich die Fallzahlen in den kommenden beiden Wochen auf dem aktuell hohen Niveau einpendeln. Wir stehen vor einem anstrengenden Dezember.“ In den städtischen Krankenhäusern werden 107 Covid-Patienten behandelt, davon 32 auf Intensivstationen.“

Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare