So teuer wird‘s - und so weh tut‘s

Münchens große Wiesn-Wehmut: Das sagen Wirte Bedienungen, Musiker und Schausteller zur Absage

Oktoberfest auch 2021 wegen Corona abgesagt: Ein Poller mit roten Lichtern und einem Info-Plakat über das Coronavirus steht auf der Theresienwiese. Im Hintergrund ist die Bavaria zu sehen.
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Die Theresienwiese bleibt 2021 leer: Das Oktoberfest wurde zum zweiten Mal in Folge aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Auch 2021 gibt es keine Wiesn in München. Das trifft vor allem diejenigen hart, die jedes Jahr dort arbeiten. Nicht nur das Geld fehlt vielen schmerzlich.

München - Katerstimmung statt Feierlaune: Nach der Absage des Oktoberfests ist die Wehmut groß – auch, wenn viele schon damit gerechnet haben. „Die Wiesn ist eine Weltveranstaltung“, sagt Toni Roiderer vom Hackerzelt. „Eine Absage ist logisch und vernünftig. Eine halbe Wiesn hat einfach keinen Sinn.“ Ähnlich sehen es die anderen Wirte. „Ein Bierzelt lebt davon, dass Menschen eng beieinander sind“, findet Stephanie Spendler (Löwenbräu), und auch Günter Steinberg (Hofbräu) sagt: „Kein Mensch kann sich eine Wiesn mit Masken und Eingangskontrollen vorstellen.“ Der Ausfall der Wiesn bedeutet jedoch auch erhebliche finanzielle Verluste. „Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Mitarbeiter und Zulieferer“, sagt Steinberg. Das Hofbräu-Zelt ist eingelagert und wird erst nächstes Jahr wieder aufgebaut. Riesige Mengen an Hendl, Haxn und Bier braucht er heuer genauso wenig wie zum Beispiel die 10 000 Hopfenreben zur Dekoration. Normalerweise arbeiten rund 520 Mitarbeiter im Hofbräuzelt, darunter 250 Bedienungen. „Sie freuen sich das ganze Jahr auf die Wiesn“, sagt Steinberg.

Coronavirus: Wiesn auch 2021 abgesagt - „Einfach nur traurig“

Auch Adrian Heller (31) ist enttäuscht: Er war drei Jahre lang Kellner im Schützenzelt. „Ich bin einfach nur traurig“, sagt er. Der System-Ingenieur hatte sich für die Wiesn Urlaub genommen – hauptsächlich wegen der Gäste: „Die Atmosphäre ist der Wahnsinn, man hat jedes Mal so eine Gaudi“, erzählt er. Die Gäste sind gut drauf, man selbst auch.“

Wiesn-Absage: Schausteller arbeitet schon auf nächstes Jahr hin - „Wir möchten den Leuten Freude bereiten“

Ähnlich geht es Claus Konrad. Seine Familie betreibt das Kult-Fahrgeschäft Toboggan. „Wir stellen das Fahrgeschäft nur zur Wiesn auf“, sagt der 52-Jährige. Jetzt lagert der Toboggan gut verpackt in einer Lagerhalle nahe Landsberg am Lech. „Die Zeit nutzen wir für Schönheitsreparaturen“, berichtet er. Nächstes Jahr ist das Fahrgeschäft wieder startklar: „Wir möchten den Leuten Freude bereiten…“

Oktoberfest/Corona: Wiesn-Band verliert nicht nur viel Geld - „Liebe den Flair und die Nervosität“

Das will auch Wolfgang Köbele von der Band Münchner Zwietracht, die im Marstall-Zelt für Stimmung sorgt. „Ich liebe das Wiesn-Flair und die Nervosität am ersten Tag“, sagt er. Das Oktoberfest in München* ist zudem eine wichtige Einnahmequelle für die Musiker. Durch die Absage rechnen sie mit Umsatzverlusten von rund 100.000 Euro. Seit über einem Jahr ist die Band nicht mehr aufgetreten. „Nächstes Jahr wird es wahrscheinlich auf der Wiesn wieder moderat losgehen“, sagt er. Aber: „Mit Singen, Umarmen, Flirten und Feiern.“ (cla, leo) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Was meint Markus Söder wirklich, wenn er in abstrakten Bildern über den Corona-Lockdown philosophiert? tz.de-Kolumnist Flaucherfranzl präsentiert gewagte Vermutungen.

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