Deutliche Reaktionen

Corona in München: Abstandhalten in der S-Bahn? Krasses Foto schlägt hohe Wellen - Ist es kein Einzelfall?

Eine S-Bahn in München fährt aus einem Tunnel.
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Immer wieder sind S-Bahnen des MVV bis auf den letzten Zentimeter gefüllt mit Fahrgästen - und das in Corona-Zeiten.

In München gelten seit wenigen Tagen strenge Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Der Grund: rasant steigende Zahlen. Ein S-Bahn-Bild aus der Rush-Hour wirft dagegen Fragen auf.

  • In München steigt die Zahl der Neu-Infektionen mit dem Coronavirus kontinuierlich stark an.
  • Ein Hotspot könnte der Öffentliche Nahverkehr mit überfüllte Zügen sein.
  • Viele Pendler berichten im Netz von ihren eigenen Erfahrungen (Update vom 18. Oktober, 10.12 Uhr).

Update vom 18. Oktober, 10.12 Uhr: Dass viele Pendler ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zeigen die Reaktionen im Netz. In den Kommentaren, beispielsweise auf Facebook, stellt sich das ganze Spektrum ‒ von Politiker-Schelte bis Verständnis für die Situation ‒ dar. Und nach der Meinung viele User ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ein gewichtiger Grund für die steigenden Corona-Infektionszahlen.

Das unten beschriebene Beispiel der S 4 steht wohl exemplarisch für die Realität vieler Pendler in München. So kommentieren viele Facebook-User: „In der U-Bahn gleicher Mist“ oder „Bus, U-Bahn...“. Und ein weiterer genervter ÖPNV-Nutzer schreibt resigniert: „Jeden Tag ist das so, macht alles keinen Sinn.“

Der Ärger der Pendler entlädt sich aber auch an den Politikern. So schreibt ein User mit #markus direkt an den Ministerpräsidenten Markus Söder gerichtet: „Hauptsache die Gastro dicht machen gell #markus?“ Dabei bekommt er zahlreiche Unterstützung. Eine andere Userin kommentiert, „vielleicht sollte sich unser Häuptling da mal was überlegen“. Ein Fußball-Fan fordert aufgrund des Bildes der vollgestopften S-Bahn, es solle doch die Allianz Arena wieder geöffnet werden.

Es wird aber nicht nur ausgeteilt im Netz. Einige Kommentatoren geben auch konstruktive Tipps ab. „Für mich sind da die Arbeitgeber gefordert! Diese sollten jetzt alle Mitarbeiter (sofern dies arbeitstechnisch möglich ist) ins Homeoffice schicken“, schreibt ein User. Auch die MVV wird in die Pflicht genommen. Sie müsse sicherstellen, dass ihre Technik funktioniere und die Züge pünktlich fahren. Dann könnten solche Ansammlungen vermieden werden. Denn das es auch anders geht, schreibt ein anderer Pendler: „Das ist aber nicht immer so, fahre jeden Tag und habe immer einen Sitzplatz.“

Corona in München: Abstand-Halten? Krasse Szenen zur Rush-Hour zeigen, wie die Realität in der Stadt aussieht

Unsere Erstmeldung vom 17. Oktober: München - Die wichtige 7-Tage-Inzidenz für München steigt weiter an. Ab dem Wert von 50 gelten nach den neuesten, von Ministerpräsident Markus Söder veranlassten Maßnahmen, strenge Regeln - so auch in der Isar-Metropole. Nur noch fünf Menschen dürfen sich treffen, die Gastro hat eine strenge Sperrstunde. Was auf dem Papier unmittelbar klar wird: Noch immer sind die „AHA“-Regeln aus dem Frühjahr unsere einzige Waffe gegen das Virus: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Doch besonders ersteres kann im Alltag oftmals nicht eingehalten werden.

München: Corona-Regeln einhalten? Bild aus überfüllter S-Bahn zeigt krasses Problem

Wer seit spätestens den Sommermonaten in München mit U- & S-Bahn unterwegs ist, wird gemerkt haben, dass besonders zu den Schlagzeiten kaum mehr etwas an den Lockdown im Frühjahr erinnert. Was für viele eine Rückkehr in die Normalität war, stellt sich mehr denn je zum jetzigen kritischen Zeitpunkt als widersprüchlich dar. Eng an eng stehen unzählige Menschen in einer S-Bahn. Von Abstand kann hier bei weitem nicht mehr die Rede sein.

Corona in München: Menschen quetschen sich in S-Bahn - Abstand unmöglich

Das Foto der S 4, das tz.de zugespielt wurde, zeigt den Kurzzug gegen 19 Uhr am Freitag, 16. Oktober, im Pasinger Bahnhof. Hintergrund: Der Zug hätte bereits um 18:21 Uhr vom Hauptbahnhof abfahren müssen, kam aber nicht. So drängelten sich massenhaft Menschen in den Zug, der jedoch schon drei Minuten danach von der nächsten S4 abgelöst werden sollte. Das Problem: Die Bahn machte auf diesen Umstand über die Lautsprecher nicht aufmerksam.

Die volle S4 am Pasinger Bahnhof.

Corona in München: Abstand halten unmöglich - S-Bahn Foto zeigt Problem

Das unmögliche Einhalten der gegebenen Corona-Regeln hat sich bereits am Streik-Tag vor wenigen Wochen in München gezeigt. Auch hier war für viele Arbeitnehmer und Pendler Abstandhalten nicht möglich. In Anbetracht der neu beschlossenen Maßnahmen wirken derartige Bilder jedoch noch bizarrer. In der Regel zeigt sich in München nicht zu jeder Zeit ein derartiges Bild, besonders zur Rush-Hour wird das Einhalten der Abstandsregeln in öffentlichen Verkehrsmitteln jedoch schnell zum Problem. Die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer hatte in einem Interview mit dem Münchner Merkur erst betont, dass S-Bahnen - unabhängig von Corona - „zu voll“ seien*. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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