Biergärten bleiben zu

„Langsam verschwindet Verständnis“: Münchner Wirte schimpfen über Super-Lockdown - und regen Lösung an

Coronavirus München: Tische und Stühle stehen vor einem geschlossenen Restaurant in der Innenstadt. Im Fenster hängen Zettel mit der Aufschrift „Gastro wieder öffnen - sofort“. Der seit Monaten andauernde Lockdown in Deutschland wird angesichts steigender Corona-Infektionszahlen bis zum 18. April verlängert.
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„Gastro wieder öffnen“: Das wünschen sich wohl nicht nur die Wirte in München - die steigenden Corona-Zahlen machen es leider nicht möglich.

Die Hoffnungen der Gastronomie waren groß. Doch im Frühjahr 2021 bleiben die Biergärten und Lokale in München dicht. Die Betreiber sind mehr als enttäuscht.

München - Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen: Der Frühling hält langsam in München* Einzug. Eigentlich die perfekten Bedingungen für eine deftige Brotzeit und eine frische Halbe im Biergarten. Doch die Hoffnung, dass die Außengastronomie diese Woche öffnen darf, hat sich nicht erfüllt.

Coronavirus: Biergärten in München bleiben dicht - Wirte sind sauer

Stattdessen dürfen die Wirte frühestens ab dem 12. April wieder aufsperren. „Die Planlosigkeit belastet alle“, sagt Wirt Christian Schottenhamel, der Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands ist. „Wir sind die vergessene Branche.“ 40.000 Münchner seien in der Gastronomie beschäftigt. „Wir wollen wieder arbeiten“, betont Schottenhamel. Zwar seien inzwischen bei vielen Restaurants die staatlichen Hilfen angekommen.

Trotzdem ist die Stimmung schlecht: „Im Gastgewerbe ist die Verzweiflung groß“, berichtet er. Dabei sei ein Besuch im Biergarten mit Hygienekonzept sicherer als Treffen im Privaten, findet Schottenhamel: „Wir sind die Lösung und nicht das Problem.“ Die Wirte seien bereit für den Neustart, betont er. Sollte ein aktueller Corona*-Test Pflicht für einen Biergarten-Besuch sein, müsste aber noch genau geklärt werden, welche Vorgaben es dazu gibt. Verschiedene Organisationen aus der Kunst-, Kultur- und Tourismuswirtschaft haben dazu einen Vorschlag gemacht: Demnach sollen an mehreren Stellen Tests angeboten werden, die die Bürger 24 Stunden lang für den Besuch von verschiedenen Orten der Stadt nutzen können.

Corona-Tiefschlag für Gastronomie: Münchner Stimmen zum Oster-Lockdown

Julia Krätz, Waldwirtschaft: „Wir könnten jederzeit starten. Das Bier hätten wir und die Bestuhlung auch“, sagt Julia Krätz von der Waldwirtschaft Großhesselohe und dem Andechser am Dom. Insgeheim hat sie aber gleich befürchtet, dass es nichts wird mit einer Eröffnung vor dem Ende der Osterferien. „Langsam schwindet das Verständnis“, beklagt sie. „Alle paar Wochen gibt es neue Regeln, die oft nicht umsetzbar sind für die Gastronomen.“ Bei ihr überwiegen immer mehr die Zweifel: „Ich bin skeptisch.“

Karin Lo Chirco, Love me Tender: Die 72-jährige Karin Lo Chirco führt das Pub „Love me tender“ in Neuperlach seit zwanzig Jahren – und war in dieser langen Zeit noch nie so verzweifelt wie jetzt. „Ich spreche für viele, es ist ein Drama“, sagt sie. Sie hatte damit gerechnet, dass sie bald wenigstens ihren Biergarten vorm Lokal wieder öffnen darf. Dafür ließ sie extra Tische und Stühle liefern. „Ich verstehe vieles nicht mehr. Die Kleinen werden restlos vergessen!“ Wenn Hilfen kämen, dann viel zu wenig und zu spät, um alle Kosten decken zu können. Während den sieben geschlossenen Monaten hatte sie keinerlei Einnahmen. „Ich weiß wirklich nicht mehr, wie es weitergeht.“

Silja Schrank-Steinberg, Hofbräukeller: „Wir machen alles, damit der Gast ohne Angst zu uns kommen kann“, betont Silja Schrank-Steinberg vom Hofbräukeller. Sogar eine TÜV-Prüfung sei geplant. Zumindest den Selbstbedienungsbereich im Biergarten hätte sie gerne wieder geöffnet. „Wir können den Mitarbeitern keine Perspektive geben“, klagt sie. „Die Kellner leben auch vom Trinkgeld.“ Wie es organisiert werden kann, falls nur Gäste mit negativem Test in den Biergarten dürfen sollten, weiß sie noch nicht. „Die Leute sollen sich ja nicht weit stauen.“

Lukas Spendler, Hirschau: Lukas Spendler will durchstarten: Der 25-Jährige hat vergangenes Jahr die Führung der Hirschau im Englischen Garten übernommen und sich „wahnsinnig gefreut“, den Biergarten wiederzueröffnen. „Natürlich sind wir alle enttäuscht“, sagt er. „Es ist zermürbend. Jetzt hoffen wir, dass zumindest am nächsten Termin festgehalten wird.“ Bis dahin gibt es am Kiosk ein paar Schmankerl für die Kunden. Die Schließzeit haben er und sein Team genutzt, um das Gasthaus umzugestalten. Denn Spendler möchte im Sommer ein neues Konzept umsetzen. „Wir können nur das Beste aus der jetzigen Situation machen“, findet er. (cla, mtw) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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