Sechs Dosen werden aus einer Ampulle gewonnen

Biontech-Impfstoff: Münchner Mediziner fordert Umdenken wegen mutmaßlicher Verschwendung - aber Plan hat einen Haken

Eine behandschuhte Hand hält eine Ampulle des Biontech-Impfstoffes zwischen Daumen und Zeigefinger
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Beinhaltet sie Impfstoff für sechs oder sieben Dosen? Eine Ampulle mit dem Biontech-Vakzin wird in Augenschein genommen.

Wie viele Dosen lassen sich aus einer Ampulle des Biontech-Impfstoffes gewinnen? Darüber wird gestritten - aktuell in München. Doch die Vorgaben lassen gar keinen Spielraum.

München - Wird in München* Impfstoff verschwendet? Die CSU behauptet genau das, denn aus einer Ampulle Biontech ließen sich laut Fraktionsvize Hans Theiss sieben Dosen generieren. Derzeit werden in München allerdings lediglich sechs Spritzen aus einer Ampulle aufgezogen. Die CSU fordert nun das Gesundheitsreferat auf, das zu ändern.

Theiss, der selbst Mediziner ist, sagte am Donnerstag: „Wir müssen so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich gegen Corona* impfen. Das ist der einzige wirklich realistische Weg aus der Pandemie. Deshalb darf auch kein Impfstoff als Noagerl verschwendet werden.“ Wenn eine Ampulle des Biontech-Impfstoffs statt sechs Impfdosen sieben Stück hergebe, müsse auch die siebte verwendet werden. Wenn dies für nur zehn Prozent aller Ampullen zutreffen sollte, wären das sicherlich einige hundert Impfungen pro Tag mehr, die im Münchner Impfzentrum zusätzlich durchgeführt werden könnten. „Diese Chance dürfen wir der Münchner Bevölkerung nicht vorenthalten!“

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Impfungen in München: Sechs Dosen aus einer Biontech-Ampulle sind vorgeschrieben

Doch so trivial ist das nicht, wie ein Sprecher des Gesundheitsreferates auf Anfrage ausführt. Die Zulassung des Impfstoffes von Biontech sei auf der Grundlage erfolgt, dass sechs Dosen aus einem Impfgefäß entnommen werden müssten. „Nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege liegen jegliche Abweichungen von den in der Zulassung abgebildeten Vorgaben in der Verantwortung des Anwenders. Sie stellen also eine die Zulassung überschreitende Vorgehensweise dar, die von der Haftung des pharmazeutischen Unternehmers für Arzneimittelschäden nicht mehr abgedeckt ist.“ Sprich: Entnimmt ein Mediziner im Impfzentrum Riem sieben statt sechs Dosen aus einer Ampulle und es klagt jemand, weil er trotz Impfung Corona bekommen hat*, muss eben dieser Mediziner dafür geradestehen, nicht der Hersteller. 

Eine entsprechende Zulassungsänderung könne nur von dem pharmazeutischen Unternehmer beantragt werden und muss von dem pharmazeutischen Unternehmer auch gegenüber der Zulassungsbehörde mit validen Daten belegt werden. „Die Landeshauptstadt München kann darauf keinen Einfluss nehmen.“ (ska) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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