Verteilung im Freistaat

Münchner Kliniken versorgen schon Studenten mit Corona-Impfstoff - während Risikopatienten auf Termin warten

Markus Söder und Dieter Reiter.
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Söder und Reiter im Münchner Impfzentrum - bis hier 80-Jährige kommen, wird es wohl noch lange dauern. In den großen Kliniken werden schon Studenten geimpft.

Viele Münchner warten sehnsüchtig auf einen Impftermin. Am Rechts der Isar sind schon zwei Drittel der Mitarbeiter das erste Mal geimpft, unter ihnen auch Studenten mit Schreibtischjob.

München - Es ist wahrscheinlich die einzige Zahl im Zusammenhang mit Corona, die jedem nicht schnell genug steigen kann: die Impfquote. Stand Dienstag (26. Januar) hat die Millionenstadt München bisher rund 21.400 Corona-Impfdosen erhalten. Gut die Hälfte wurde in Pflegeeinrichtungen verimpft. 9800 Dosen gingen an kleinere Münchner Kliniken. Eher ein sprichwörtliches Impftröpfchen auf den heißen Corona-Stein.

Corona-Impfstoff-Verteilung in München: Große Kliniken kriegen Extra-Stoff

Die großen Kliniken in München sind da ganz anders aufgestellt. Sie sind nicht auf die Zuweisungen der Stadt München angewiesen, sondern werden direkt mit Impfstoff beliefert. Und das offenbar nicht zu knapp, wie eine Recherche unserer Redaktion aufdeckt.

Corona-Impfung in München: Einige Kliniken impfen schon Studenten und Verwaltung

Was zu der kuriosen Situation führt, dass dort schon Mitarbeiter der Verwaltung und sogar Studenten geimpft werden, die eigentlich gar keinen direkten Patientenkontakt haben. Und das während in ganz Bayern bei Corona-Ausbrüchen in Altenheimen immer wieder reihenweise Senioren sterben, die noch nicht geimpft worden sind. Von den über 80-Jährigen, die daheim auf einen Impftermin warten ganz zu schweigen. Denn im Münchner Impfzentrum herrscht nach wie vor gähnende Leere.

Corona-Impfung: Eigentlich gibt es klare Regeln vom Bund

Die Impfverordnung des Bundesgesundheitsministerium schreibt eigentlich vor, dass gleichwertig mit den über 80-Jährigen und Pflegeheimbewohnern nur die Klinikmitarbeiter zur höchsten Prioritätsstufe gehören, die ein sehr hohes Expositionsrisiko haben durch Patientenkontakt, also Notaufnahme und Intensivstation und solche, die mit vulnerablen Gruppen, wie zum Beispiel Krebspatienten zu tun haben.

Welche Kliniken direkt Impfstoff erhalten und wie viele Dosen das sind, entscheidet die Regierung von Oberbayern. Die verrät aber keine genauen Zahlen. Das Klinikum rechts der Isar hat uns freundlicherweise exakte Zahlen genannt: 3600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden da bereits das erste Mal geimpft - rund zwei Drittel der gesamten Belegschaft. 460 bekamen schon ihre zweite Impfung. Eine Sprecherin des Klinikums stellt zudem klar: „Erst durch die zweite Impfung besteht ein umfänglicher Schutz gegen Covid-19. Sobald 60 bis 70 Prozent aller Mitarbeitenden zweitgeimpft sind, lässt sich innerhalb des Klinikums von Herdenimmunität sprechen.“

Ziel Herdenimmiunität an großen Münchner Kiniken

Und die Herdenimmunität ist das erklärte Ziel des Klinikums. Mit Blick auf Corona-Ausbrüche in anderen deutschen Krankenhäusern will man die so schnell wie möglich erreichen, um die Versorgung sicherstellen zu können. Dass auch Studenten geimpft wurden, erklärt das Klinikum so:

„Anhand unserer Liste mit den angemeldeten Mitarbeitenden wird der Impfstoff für einen gesamten Impftag (9 bis 15 Uhr) aufbereitet, also aufgetaut und mit Natriumchlorid-Lösung verdünnt. Er muss dann innerhalb von maximal sechs Stunden verimpft werden. Bei Terminausfällen versuchen wir oft in kürzester Zeit Mitarbeiter*innen des Klinikums nachzurekrutieren, damit kein Impfstoff verworfen wird. Ein konkretes Beispiel: Wenn eine angemeldete Person für den Termin um 14.30 Uhr nicht erscheint, muss schnellstmöglich Ersatz gefunden werden; es werden umgehend Mitarbeiter*innen gemäß unserer Priorisierungsliste kontaktiert, darunter Forschende, die auch patientennah arbeiten.“

Allerdings liegen unserer Redaktion mehrere Fälle - nicht nur aus dem Rechts der Isar, sondern auch aus anderen großen Häusern - vor, bei denen Personal, das rein gar nichts mit Patienten zu tun hat, ganz normal mit einer Woche Vorlauf einen Impftermin bekommen hat.

Corona-Impfstoff in München: „Verantwortungsvoller Umgang“

Nach der Rechnung des bayerischen Gesundheitsministerium gehört etwa ein Drittel des Klinikpersonals zur höchsten Prioritätsstufe. Auf Nachfrage schreibt ein Sprecher allerdings:

„Die Impfstoffzuteilung durch die Impfzentren orientiert sich aktuell an den Angaben der Krankenhäuser zu den Beschäftigten der höchsten Priorisierungsgruppe. Aus den gemeldeten Daten lässt sich ein sehr verantwortungsvoller Umgang mit den leider noch knappen Impfstoffen in den Kliniken erkennen.“

Also alles fair und gerecht? Das muss wohl jeder Münchner für sich selbst entscheiden. Immerhin ein Zeitvertreib beim langen Warten auf den Impftermin.

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