Unter besonderen Umständen

Corona-Impfungen: Innenminister Herrmann erklärt Hop-on-Listen - Wann werden Polizisten in München geimpft?

Der Corona-Impfstoff kann schnell verfallen, wenn die Kühlkette unterbrochen wird. Wenn also Impfdosen übrig bleiben, werden auch kurzfristig Einsatzkräfte der Polizei geimpft.

München - Bei minus 70 Grad wird der mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus von Pfizer/Biontech gelagert. Bei dieser Kälte ist er mehrere Monate haltbar. Bei herkömmlichen Kühlschranktemperaturen verfällt die Wirkung innerhalb von Tagen. Deshalb ist es wichtig, dass kein Impfstoff übrig bleibt - auch wenn Menschen der ersten Prioritätengruppe ihren Impftermin mal nicht wahrnehmen sollten. Dann greift das sogenannte Hop-on-Verfahren.

Doch wer wird kurzfristig ins Impfzentrum bestellt, wenn wirklich mal Impfstoff übrig bleibt? Einen Leser störte die Tatsache, dass offenbar auch Polizeibeamte aus dem Innendienst geimpft werden. Er schrieb ans Innenministerium, ob Polizisten, die ihre meiste Zeit im Büro verbringen, Sonderrechte hätten.

Corona-Impfstoff in erster Linie für Risikogruppen, danach für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst

Im Antwortschreiben, das unserer Zeitung vorliegt, versichert Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dass der Impfstoff* in erster Linie für die Risikogruppen gedacht ist. Nur für den Fall, dass das Vakzin nicht rechtzeitig verimpft werden kann, „dürfen diese auch an Angehörige der Feuerwehr, der Polizei sowie des Rettungsdienstes ausgegeben werden“, so Herrmann. Denn der Impfstoff müsse teilweise binnen weniger Stunden verimpft werden, sonst wird er unbrauchbar.

Die Hop-on-Liste richte sich deshalb nach schneller Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von impfwilligen Personen. „Oberste Prämisse ist: Es darf kein Impfstoff verfallen!“ Und das Ganze läuft so ab, wie der Innenminister ausführt: „Die örtlichen Kreisverwaltungsbehörden informieren das lokale Polizeipräsidium über kurzfristig frei gewordene Kapazitäten. Dieses entsendet schnellstmöglich die registrierten impfwilligen Beschäftigten nach Erreichbarkeit zum kommunalen Impfzentrum.“

Corona-Impfungen: Auch Polizisten im Innendienst stehen auf Hop-on-Liste - aus gutem Grund

Und zu den „impfwilligen Beschäftigten“ gehören bei der Polizei Beamte, „die aufgrund ihrer Tätigkeit einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind“. Das seien etwa Beamte, die in den Corona-Teststraßen PCR-Tests* durchführen, Angehörige der Hubschrauberstaffel, die Intensivtransporte übernehmen, sowie Beamte des Streifendienstes und der Einsatzhundertschaften.

Von Polizisten im Innendienst ist in Herrmanns Antwortschreiben nicht die Rede. Das Polizeipräsidium München bestätigt das aber auf Anfrage unserer Zeitung. Allerdings mit dem Hinweis: Es sind Einzelfälle. Weiter erklärt ein Sprecher des Präsidiums: „Hierbei ist zu ergänzen, dass auch Polizeibeamte, die vornehmlich im Innendienst eingesetzt sind, in der Regel auch immer wieder im Rahmen von Einsätzen und ergänzenden Außendiensttätigkeiten verwendet werden.“

Corona-Impfstoff bleibt übrig - Astrazeneca-Vakzin überzeugt nicht alle

Zuletzt wurden deutschlandweit hunderte Impftermine nicht wahrgenommen. Der Grund: Der Impfstoff von Astrazeneca überzeugt nicht alle Bürger. Die Skepsis in Sachen Wirksamkeit und vor allem Nebenwirkungen des Vakzins steigt. In einer schwedischen Region wurde die Verabreichung deshalb vorerst gestoppt.* (ma) * tz.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler/dpa

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