Spekulationen über Lockdown-Verlängerung

Corona-Krise: Ärzte fürchten Kettenreaktion in Münchner Kliniken - Im Januar droht ein neuer Schock

Die Tür zur Intensivstation des Klinikums rechts der Isar
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Die Corona-Intensivbetten des Uniklinikums rechts der Isar sind zu über 95 Prozent ausgelastet.

Münchner Mediziner sehen klare Anzeichen dafür, dass sich die ohnehin dramatische Lage auf den Corona-Stationen in den Kliniken in München zum neuen Jahr weiter verschärfen wird. Viele Corona-Experten gehen davon aus, dass der Lockdown verlängert wird.

  • Auch die Corona-Normalstationen in Münchens Kliniken werden immer voller.
  • Dadurch könnte sich schon in wenigen Tagen der Druck auf die Intensivstationen erhöhen.
  • Münchner Medizinen erwarten für Anfang bis Mitte Januar einen neuen Höhepunkt des Infektionsgeschehens.

 „Ich befürchte, dass wir den Höhepunkt der zweiten Infektionswelle erst Mitte Januar erleben werden. Hoffentlich zeigt in der Zwischenzeit der Lockdown Wirkung. Wir sehnen sinkende Infektionszahlen herbei.“

Dr. Axel Fischer, Chef der München Klinik

Kampf gegen Corona wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Der Kampf gegen Covid-19 wird immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Auf der einen Seite besteht die vage Hoffnung, dass der Lockdown und die ersten Impfungen möglichst rasch Wirkung zeigen werden. Auf der anderen Seite befürchten Corona-Experten eine weitere Eskalation der Pandemie. Über Weihnachten hat sich die Lage in den Münchner Kliniken erneut verschärft. So sind beispielsweise im Uniklinikum rechts der Isar inzwischen mehr als 95 Prozent der Covid-19-Betten belegt, berichtet der Leiter der Infektiologie, Privatdozent Dr. Christoph Spinner. Und es könnte noch schlimmer kommen: Münchner Mediziner erwarten, dass die Infektionszahlen im Januar auf einen Rekordwert steigen werden.

Dr. med. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik.

Bis zu 180 Corona-Patienten allein in München Klinik

„Die Corona-Lage in unseren Kliniken ist sehr angespannt. Schon jetzt behandeln wir durchschnittlich etwa 170 bis 180 Covid-Patienten“, sagt der Chef der München Klinik, Dr. Axel Fischer, unserer Zeitung. „Ich befürchte, dass wir den Höhepunkt der zweiten Infektionswelle erst Mitte Januar erleben werden. Hoffentlich zeigt in der Zwischenzeit der Lockdown Wirkung. Wir sehnen sinkende Infektionszahlen herbei.“

Sorge vor zeitlich verzögertem „Weihnachtseffekt“

Münchens größstes Uniklinikum in Großhadern.

Mit wachsender Sorge beo­bachten die Krisenmanager in den Kliniken, dass auch die Corona-Normalstationen immer voller werden. „ Das könnte dazu führen, dass der Druck auf die Intensivstationen in einigen Tagen weiter wächst“, erklären die beiden Münchner Krankenhaus-Koordinatoren, Privatdozentin Dr. Viktoria Bogner-Flatz und Dr. Dominik Hinzmann. „Wenn zusätzlich der befürchtete Weihnachtseffekt – also ein Anstieg der Infektionszahlen durch verstärkte Kontakte über die Feiertage – zeitverzögert durchschlägt, wird es vermutlich einen neuen Höhepunkt des Infektionsgeschehens geben. Wir erwarten diesen Peak Anfang bis Mitte Januar.“

Münchner Kliniken schaffen neue Betten und schichten Personal um

Derweil versuchen die Münchner Kliniken alles, um sich für eine weitere Zuspitzung der Situation im neuen Jahr zu rüsten. „Die Kliniken arbeiten täglich daran, auf den stetigen Anstieg der Infektionszahlen zu reagieren – in dem sie neue Betten schaffen und Personal umschichten.“

Dr. Viktoria Bogner-Flatz
Dr. Dominik Hinzmann vom Klinikum rechts der Isar.

Krisenmanager: Lage noch unter Kontrolle

Nach Informationen unserer Zeitung ist die Belegung der Intensivstationen noch nicht so hoch wie im Frühjahr. Damals wurde der Höhepunkt Mitte April registriert. Dieses Niveau könnte schon in Kürze wieder erreicht werden. Noch sei die Lage unter Kontrolle, betonen Bogner-Flatz und Hinzman: „Wir können unsere Kapazitäten ausbauen, auch kurzfristig. Jeder Patient, der ein Intensivbett braucht, bekommt auch eines.“

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