München knackt erneut kritischen Wert

200 Münchner demonstrieren gegen Corona-Ausgangssperre - „Möchte keine fette Party schmeißen“

Gegen die Ausgangssperre: Die Demonstranten zogen auch am Gärtnerplatz vorbei.
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Gegen die Ausgangssperre: Die Demonstranten zogen auch am Gärtnerplatz vorbei.

Weil München wieder an drei Tagen in Folge den Inzidenzwert von 100 überschritten hat, darf man abends nicht mehr raus. 200 Bürger protestierten am Mittwoch gegen die Maßnahme.

München - Der Zeitpunkt war wohlgewählt. Am Mittwoch, dem ersten Tag de erneuten Ausganssperre*, zu Beginn der Sperrzeit um 22 Uhr haben laut Polizei rund 200 Münchner gegen eben diese Beschränkung demonstriert. Ihre Forderung: Wir wollen unsere Freiheit zurück.

Der Protestzug ging von der Fraunhoferstraße über den Gärtnerplatz bis zur Ludwigsbrücke. Die Veranstaltung verlief reibungslos. Die Teilnehmer, die Masken trugen, distanzieren sich von Corona-Leugnern. Die Argumentation der Veranstalter „Zukunft erkämpfen“: Es sei bewiesen, dass das Virus sich vorrangig in geschlossenen Räumen übertrage. „Also: in Schulen, in der U-Bahn und am Arbeitsplatz – nicht draußen auf der Straße.“

Corona-Ausgangssperre: Münchner protestieren: „Ich fühle mich eingesperrt“

Eine der Teilnehmerinnen, Minijobberin Phoebe Wagner (19), sagt: „Ich fühle mich eingesperrt. Ich möchte keine fette Party schmeißen – es geht nur darum, mich frei bewegen zu dürfen.“ Ähnlich sieht es der Münchner Schüler Daniel Mendes (18): „Natürlich wollen wir uns und unsere Mitmenschen schützen. Nur die Maßnahmen sind unverhältnismäßig. Abends dürfen wir nicht raus, morgens sollen wir aber in die volle U-Bahn steigen. Das macht keinen Sinn.“ Forscher der Universität Oxford fanden jüngst heraus, dass nächtliche Ausgangsbeschränkungen die Corona-Verbreitung um rund 13 Prozent reduzieren können, strenge Kontaktbeschränkungen aber um rund 26 Prozent.

Derzeit gilt in München* eine nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr. Die Bundesregierung plant deutschlandweit ein Verbot ab 21 Uhr bei einer Inzidenz über 100 (siehe Blickpunkte). Kritik kommt sogar aus den eigenen Reihen: Der Münchner Bundestagsabgeordnete Florian Post (SPD) droht jetzt mit Verfassungsbeschwerde, falls das geplante Gesetz mit dieser Ausgangssperre durchgehen sollte. NINA BAUTZ, ACHIM SCHMIDT - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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