So hat sich unser Alltag verändert

Corona-Pandemie in Zahlen: Die große Abrechnung - von Hantel-Verkauf bis Hochzeit

Brautkleider sind in einem Schaufenster eines Brautmoden-Geschäfts, davor ein Hinweis auf die Maskenpflicht.
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Brautkleider sind in einem Schaufenster eines Brautmoden-Geschäfts in der Innenstadt zu sehen. Im Vordergrund steht ein Schild, das auf die Maskenpflicht während der Corona-Pandemie verweist.

Abseits von Inzidenz und R-Wert hat die Corona-Pandemie die Zahlen des Alltag auf den Kopf gestellt. Während es bei Hochzeiten ein dickes Minus gab, ist die Nachfrage nach Fieberthermometern explodiert. Wir ziehen Bilanz - die große Corona-Abrechnung.

München - Inzidenzwerte, Reproduktionszahlen, Neuinfektionen, Impfraten... Täglich sind wir mit einer Flut neuer Corona-Zahlen konfrontiert. Allerdings: Es gibt nicht bloß die medizinischen Werte, sondern auch viele spannende Zahlen des praktischen Alltags, die zeigen, was in über einem Jahr Corona alles passiert ist. Paketzusteller, Internet-Verträge, Klopapier-Lager und Hantel-Handel – Corona macht sich überall bemerkbar. Die tz zieht die Bilanz:

Erstaunlicher Stromverbrauch während Corona-Pandemie

10 % weniger Strom haben Geschäftskunden der Stadtwerke (SWM) im ersten Corona-Lockdown 2020 verbraucht. Hintergrund: Viele Mitarbeiter waren im Homeoffice, also braucht man im Büro weniger Strom für Licht und Rechner. Erstaunlich: In den Privathaushalten gab’s keine besonderen Veränderungen beim Stromverbrauch. Nur beim Wasser hat sich was getan: Die Verbrauchsspitzen waren am Morgen später und am Abend früher als sonst üblich. Liegt wohl am Homeoffice, weil die Leute später aufstehen und sich die Zeit anders einteilen.

Corona und MVG: Nur halb so viele Fahrgäste

50 % weniger Leute sind derzeit werktags in U-Bahn & Co. im Vergleich zu Januar und Februar 2020 unterwegs. Auch im ersten Lockdown gab’s massive Einbrüche. Für die Münchner Verkehrsgesellschaft hieß das im vergangenen Jahr: 140 Millionen Euro weniger Einnahmen! mehr Radlfahrer haben die Zählsäulen die in München verteilt sind, in den Lockdown-MonatenMärz bis Mai 2020 erfasst. Besonders im April hat’s die Münchner dank des guten Wetters auf die Räder getrieben.

11,1 Millionen Fluggäste weniger

11,1 Millionen Fluggäste hat der Münchner Flughafen 2020 abgefertigt. Das sind die niedrigsten Zahlen seit der Eröffnung des Airports 1992. Zum Vergleich: Im Vorjahr reden wir von 48 Millionen Fluggästen – also ungefähr vier Mal so viel wie im Corona-Jahr 2020…

7,3 Millionen Netflix-Nutzer

7,3 Millionen Nutzer hatte Netflix allein im ersten Quartal 2020. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 6,4 Millionen. Fast jeder zehnte Deutsche hat also mittlerweile einen Netflix-Zugang – Filme schauen gegen den Lockdown-Frust.

20 % mehr Zeichen-Utensilien hat die Papierkiste (Steinheilstr. 5) 2020 im Vergleich zum Vorjahr verkauft – für den kreativen Zeitvertreib in Pandemie-Zeiten.

Über die aktuellen Entwicklungen in Bayern nach dem Corona-Gipfel informieren wir hier.

Corona-Abrechnung: Hochzeiten größtenteils verschoben

4 Hochzeiten haben vergangenes Jahr im Bamberger Haus im Luitpoldpark (Brunnerstr. 2) stattgefunden. Geplant waren 65. Jetzt verschiebt sich alles nach hinten: Die meisten Hochzeiten wurden auf dieses Jahr verlegt. Und für 2022 sind sogar schon alle Samstage ausgebucht.

4425 Ja-Wörter hat’s 2020 in den Münchner Standesämtern gegeben. Das sind nur knapp 14 % weniger Eheschließungen als 2019. Die Feiern im Standesamt finden oft in kleiner Runde statt –das war auch im Pandemiejahr öfter möglich als die große Feier. Seit Anfang dieses Jahres haben schon 503 Menschen geheiratet.

Apropos Corona-Hochzeiten: Nach seiner Hochzeit in der Corona-Krise ließ ein Paar nur ein einziges Foto machen und das ging voll in die Binsen.

Corona-Krise: Nachfrage nach Fieberthermometern explodiert

2968 % mehr Nachfrage als sonst gab’s im März letzten Jahres online nach Fieberthermometern! Platz zwei der pandemiebedingten Verkaufsschlager belegen die Hanteln. Die Online-Nachfrage war hier 27 Mal höher als im Januar 2020.

50 % mehr Datenverkehr verzeichnete MNet 2020 in seinen Netzen. Besonders beliebt sind seit Homeoffice und Homeschooling die schnellen Anschlüsse: 50 % mehr Kunden als 2019 haben den Turbo fürs Internet bestellt.

Circa 20 % mehr Sofas, Esstische und Schreibtische hat das Einrichtungshaus KARE 2020 verkauft. Denn: Die Leute verbringen mehr Zeit daheim und wollen es sich gemütlich machen. Dafür investieren sie oft das übrig gebliebene Urlaubsbudget.

Corona-Abrechnung: 2-3 Millionen FFP2-Masken

2-3 Millionen FFP2-Masken im Monat produziert das bayerische Unternehmen DG Medicare GmbH seit November 2020. neue Mitarbeiter hat DHL während Corona begrüßt. Nötig war’s: Durch Online-Shopping ist das Paketaufkommen extrem gestiegen. Als Zusteller arbeiten jetzt auch Leute aus den coronagebeutelten Branchen: zum Beispiel eine Friseurmeisterin und ein ehemaliger Taxler.

0 Rollerblades hatte das Sportgeschäft Schuster (Rosenstr. 5) im April 2020 noch auf Lager. Sonst eher Ladenhüter, waren sie letztes Jahr bei den Münchnern hoch im Kurs. Wegen geschlossener Fitnessstudios stieg auchdie Nachfrage nach Laufschuhen und Heimfitnessgeräten.

200 Tonnen Pasta hat Aldi Süd im März 2020 mit Sonderzügen aus Italien kommenlassen– ein Versuch, den leeren Nudelregalen Herr zu werden. Die Nachfrage nach Klopapier ist 2020 um 2/3 gestiegen. der Unternehmen in Deutschland sehen ihre Existenz durch Corona bedroht: fast jedes fünfte! Vor allem die Tourismusbranche plagt sich mit Existenzängsten. (Leoni Billina)

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