Auch TV-Sender fragen an

Kult-Kiosk zu „Brennpunkt“ verkommen? Betreiber reagieren auf gewagten Vorstoß: „Erschreckend, dass ...“

Unterstützer einer Online-Petition haben neben dem Gärtnerplatz einen weiteren „Brennpunkt“ in München ausgemacht. Jetzt reagieren die Betreiber.

  • Der Kiosk an der Reichenbachbrücke gilt als beliebte Anlaufstelle für Nachtschwärmer in München*.
  • In einer Online-Petition wird nun seine Schließung gefordert, der Kult-Treff sei ein „Brennpunkt“ geworden.
  • Jetzt haben die Betreiber auf den Vorstoß reagiert.

Update 26. August, 10.20 Uhr: Ihr Laden soll ein „Brennpunkt“ sein? Auf Nachfrage unserer Online-Redaktion haben die Betreiber des Reichenbach-Kiosks auf die geforderte Schließung reagiert. „Es ist erschreckend, dass solche Leute eine Petition starten und uns als Ursache der bekannten Missstände bezeichnen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Auch TV-Sender seien wegen der Online-Petition bereits an die Betreiber herangetreten: „Sorgen bereitet uns diese aber nicht, da die aufgeführten Gründe haltlos sind“.

Dass die Münchner aufgrund der Schließung von Bars und Clubs neue Möglichkeiten suchen, sich zu treffen und zu feiern, sei nur logisch. „Da bietet sich die renaturierte Isar und der Gärtnerplatz natürlich an“, erklärt der Gesellschafter des Kiosks. Den in der Petition geäußerten Vorwürfen tritt er nochmals entschieden entgegen: „Wir sind bei weitem nicht der einzige Ort in der Umgebung, bei denen sich die Menschen mit Bier versorgen können“.

München: Kiosk an der Reichenbachbrücke ein „Brennpunkt“? Schließung in Petition gefordert

Ursprungsmeldung vom 25. August:

München - Wer auf dem Heimweg von der Isar noch auf ein letztes Bier besteht, kauft es oftmals dort: Der Kiosk an der Reichenbachbrücke gilt als beliebte Anlaufstation für Nachtschwärmer. Die Alternativen sind rar, eine „Späti-Kultur" hat sich in München bislang nicht etabliert. Gerühmt wird das breite Sortiment des Kiosks, berüchtigt sind die langen Schlangen davor; Radfahrer, die auf ihr Wegerecht beharren, können ein Lied davon singen.

Unlängst kam es am Münchner Kult-Kiosk zu tumultartigen Szenen*. Ein heftiger Streit war ausgebrochen, Flaschen wurden geworfen, ein Großaufgebot der Polizei rückte aus. Es sind offenbar Meldungen wie diese, die eine Frau zu einer drastischen Forderung bewogen haben. Auf der Online-Plattform Change fordert Marion Paul die sofortige Schließung des Betriebs.

Der Kiosk sei ebenso wie der für Corona-Partys missbrauchte Gärtnerplatz* ein „Brennpunkt“ der Stadt. „Sachbeschädigungen, Schlägereien, Vandalismus und öffentliches Urinieren zeugen täglich davon“, heißt es in der an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) adressierten Petition.

Hotspot in München soll schließen: „Damit Gegend rund um die Isar wieder sicher genossen werden kann“

„Der Kiosk ist Tag und Nacht geöffnet und verkauft primär Alkohol“, behauptet die Initiatorin. In unmittelbarer Umgebung sei ungestörter, sicherer Freizeitgenuss nicht mehr möglich, bemängelt Paul. An die Adresse von OB Reiter erklärt sie: „Wir fordern die Schließung des Reichenbach-Kiosks, damit diese Gegend rund um die Isar wieder von allen Bürgern und Besuchern sicher genossen werden kann“.

Allzu viele Mitstreiter hat der Vorstoß noch nicht gefunden. Bislang sind für die Online-Petition bescheidene 51 Unterzeichner verbucht (Stand 25. August, 9.00 Uhr). Der Forderung nach einer Schließung des Kiosks dürften die Entscheider im Stadtrat ohnehin nicht nachkommen. Aktuelle Pläne der Fraktionen könnten die Unterstützer jedoch erfreuen: weil die Zahl der Corona-Infizierten in München wieder steigt, könnte in Bälde ein nächtliches Alkoholverbot* in Kraft treten.

Corona München: Alkoholverbot soll kommen - drastischere Maßnahmen möglich

Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 (am Montag, 24. August, lag diese bei 30,92*) sind sogar drastischere Maßnahmen möglich, etwa ein Betretungsverbot für gewisse Orte. Sobald die Fraktionen sich geeinigt haben, wird der zuletzt verstimmte OB Reiter* eine Anordnung erlassen. Das Verbot wäre damit rechtens, Polizei und Kommunaler Außendienst könnten die Einhaltung kontrollieren. (lks)

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Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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