Freude über Lockerungen

Gibt‘s hier was umsonst? Mega-Schlange vor Münchner „Hotspot“ - weil ein Service besonders gefragt ist

Mega-Schlange vor einem Friseursalon in der Bayerstraße: hier ein Eindruck vom Donnerstag.
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Lange Schlange vor einem Friseursalon in der Bayerstraße: hier ein Eindruck vom Donnerstag.

Seit dem 4. Mai dürfen in München die Friseure wieder öffnen. Noch Tage später herrscht in und vor den Salons Hochbetrieb.

  • Die Corona-Krise hat die Friseurläden zu einer Pause gezwungen. Viele Geschäfte hatten geschlossen.
  • Am 4. Mai durften sie dank der Lockerungen wieder öffnen.
  • Vor den Salons in München sind weiterhin lange Schlange zu beobachten.

Update vom 8. Mai, 9.45 Uhr: Offenbar sind noch nicht alle Münchner Mähnen geschoren. Vor einem Friseursalon in der Bayerstraße herrscht weiter Hochbetrieb. Über den ganzen Tag hinweg sind vor dem Laden unweit des Hauptbahnhofs lange Schlangen zu beobachten. 

Zumeist halten sich die Kunden an das Distanzgebot, viele tragen Masken - obwohl sie dazu erst auf dem Friseurstuhl verpflichtet wären. Die Freude über die Lockerungen ist auch nach knapp einer Woche noch spürbar.

Lange Schlange vor einem Friseursalon in der Bayerstraße: hier ein Eindruck vom Donnerstag.

Bereits am Montag hatten die Salons wieder öffnen dürfen (siehe Ursprungsmeldung). Am Dienstag (6. Mai) durften Kosmetikbetriebe, Nagelstudios, (Änderungs-)Schneidereien und Fotostudios nachziehen. Die Betreiber von Münchens Biergärten brauchen allerdings noch etwas Geduld, bis sie ihr Geschäft während der Corona-Krise fortführen dürfen.

Corona-Lockerungen sorgen für Mega-Ansturm: Friseure schildern, wie absurd ihr erster Arbeitstag war

Ursprungsmeldung vom 5. Mai:

München - Schluss mit dem Wildwuchs auf dem Kopf. Endlich! Das dachte am Montag nicht nurUli Heichele (43). Obwohl er früh dran war, standen vor dem Friseur an der Bayerstraße Menschen in einer gut 100 Meter langen Schlange an. Versuch zwei war ähnlich enttäuschend. Weil aber aller guten Dinge drei sind und im Bahnhofsviertel friseurtechnisch immer a bissl was geht, nahm Heichele schließlich im Sessel von „Makkas Coiffeur“ an der Ecke Goethe-/Schwanthalerstraße Platz. Nuri Muhamad (19), Azubi im zweiten Lehrjahr, kümmerte sich um Ulis Mähne, die monatelang ungehindert gewachsen war.

Uli Heichele, Vize-Chef der Stadtredaktion, beim Haareschneiden nach Corona.

Wie schwierig es war, sich eine neue Frisur zu verpassen, zeigte sich am Montag nicht nur im Bahnhofsviertel: Vor vielen Friseursalons, die ohne Terminvergabe arbeiten, standen die Kunden Schlange.„Wer feste Termine vergibt, bei dem steht das Telefon nicht mehr still“, sagte Christian Kaiser (51), der Chef der Friseurinnung München. Einen Kunden „mal schnell reinschieben und kurz behandeln“, funktioniere nun aufgrund strenger Hygienestandards nicht mehr. Da hilft nur abwarten.

Nach Corona-Pause: Ansturm auf Friseursalons in München

„Den Ungeduldigen kann ich nur abraten, sich selbst die Haare zu schneiden“, sagt Kaiser. „Das sieht A nicht besonders gut aus. Und B habe ich heute schon einige Reparaturarbeiten durchführen dürfen, die noch mal länger dauern.“ Viele Friseurläden haben, um dem Ansturm gerecht zu werden, ihre Öffnungszeiten verlängert.

Wer dann endlich auf dem Friseurstuhl sitzt, der merkt: Normal ist seit Corona auch kein Haarschnitt mehr. So ergeht es auch Uli Heichele. Sowohl er als auch Nuri müssen Maske über Mund und Nase tragen, Nuri außerdem Handschuhe. Und: Waschen ist jetzt Pflicht – trocken schneiden ist nicht erlaubt. Es gibt noch andere strenge Richtlinien. So müssen im Geschäft die Abstände eingehalten werden, im Salon gibt es keine Wartebereiche mehr und Begleitpersonen wie etwa Kinder dürfen nicht mehr mit. Auch Getränke dürfen nicht mehr ausgegeben werden.

Als er auf die derzeit geltende Maskenpflicht aufmerksam gemacht wurde, reagierte ein Fahrgast in der Münchner U-Bahn wenig begeistert.

München: Sechswöchige Zwangspause wegen Corona

Nach der sechswöchigen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie haben am Montag bayernweit 16.000 Friseurgeschäfte in Bayern wieder geöffnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich darauf verständigt, dass die Friseure vom 4. Mai an bundesweit wieder öffnen dürfen.

Vorher ...

„Viele werden länger öffnen oder auch am Montag öffnen“, sagte Landesinnungsmeister Christian Kaiser dazu. Denn wegen der Vorgaben könnten weniger Kunden parallel bedient werden. Betriebe mit mehreren Mitarbeitern dürften schichtweise arbeiten. Außer sonntags können sie theoretisch rund um die Uhr arbeiten, denn die Branche unterliegt nicht dem Ladenschlussgesetz.

Insgesamt kommt die Branche relativ ungeschoren davon: Anders als bei Reisebüros oder Fluggesellschaften ist die Nachfrage sofort wieder voll da, es gibt keine Krise nach der Krise. Und im Gegensatz zur Autoindustrie müssen Friseure auch keine Lieferketten erst wieder in Gang bringen.

München: Einmalmasken mit Klebeband - Friseur-Not macht erfinderisch

Trotz aller Regelungen sei der erste Tag gut angelaufen, findet auch Friseurin Julia Hannappel (38), die die fünf Filialen vom „Pony Club“ leitet. Sie sagt:„Das Motto der Stunde ist: Not macht erfinderisch.“ So habe man schon herumexperimentiert und Einmalmasken mit Klebeband befestigt, um ohne lästige Bändchen die Haare der Kunden färben zu können.

Trotz der Zusatz-Herausforderung dauert auch für Uli Heichele der Schnitt (mit Schere und Rasierapparat) nicht viel länger als sonst. Macht 17 Euro – genau wie vor Corona. Danke, Nuri!

Stéphanie Mercier und Uli Heichele

Erfahren Sie hier alles zum Corona-Bußgeldkatalog.

Biergärten in Bayern dürfen bald wieder öffnen. Doch in München zeigt ein Foto vorab schon „Sonderrechte“. Sie werden dahinschmelzen.

Tausende haben am Samstag (9. Mai) in München gegen die Zwangsmaßnahmen protestiert, die wegen der Corona-Krise angeordnet sind. Einige der Demo-Teilnehmer erklären gegenüber tz.de* ihre Beweggründe.

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