„Mein fünfjähriger Sohn schneidet mich“

„Corona-Haare“ machen Münchner wahnsinnig - Harry G postet verzweifeltes Lockdown-Foto

Die Chefin vom Haarsalon „Pony Club“ frisiert eine Kundin, beide tragen einen Mund-Nasen-Schutz.
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„Pony Club“-Chefin Julia Hannappel frisiert eine Kundin - das war vor dem Corona-Lockdown.

Wegen Corona dürfen die Friseure nicht arbeiten, das schlägt den Münchnern auf die Psyche. Komiker Harry G macht sich auf Instagram Luft - und die Bayern-FDP hat einen Vorschlag.

  • Seit Mitte Dezember haben alle Friseure wegen des Corona*-Lockdowns geschlossen – und das bleibt noch bis mindestens Mitte Februar so.
  • Das treibt viele Menschen zur Verzweiflung.
  • Wir haben uns unter den Münchnern* umgehört, wie es ihnen ohne den richtigen Haarschnitt ergeht.


München - Der Pony hängt vielen längst bis in die Augen, der Ansatz ist zu sehen und die Spitzen sind ausgefranst. Viele Menschen suchen deshalb in den sozialen Medien verzweifelt nach jemandem, der ihnen die Haare schneidet. „Wir Friseure werden häufig von Menschen kontaktiert, die fragen, ob wir Hausbesuche machen können – das wäre Schwarzarbeit!“, sagt Julia Hannappel, Leiterin der Pony Club Friseure. Deren Handwerk leidet sehr unter dem Berufsverbot.

Die Münchner leiden allerdings auch. Julia Tripp (34) etwa fehlt der Wohlfühlfaktor. „Das Aussehen ist in unserer Welt leider nicht egal und schöne Haare sind nun mal ein Wohlfühlfaktor“, sagt Tripp. Sie hatte sich für die Eröffnung ihres Cafés in Haidhausen etwas Besonderes ausgedacht: „Dafür wollte ich mir die Haare blau färben lassen. Das würde sicher schick aussehen und auffallen! Stattdessen habe ich jetzt diesen strubbeligen, rausgewachsenen Bob.“

Corona-Lockdown macht Friseurbesuch in München unmöglich: „Ich sehe schon fast nichts mehr“

Ganz andere Probleme plagen Sven Hussock (36). „Ich war zuletzt im November beim Haareschneiden. Nun sehe ich schon fast nichts mehr.“ Immerhin: „Der Mundschutz* verhindert quasi, dass mir die Haare in den Mund fallen“, scherzt der Schauspieler.

Weniger dramatisch schaut es bei Raile Tiimus (38) aus. „Bei mir sieht man schon, dass ich einen Friseur brauche“, sagt die Kinderpflegerin. Sie freut sich deshalb über winterliche Temperaturen. „Im Winter kann man ja zum Glück eine Mütze aufsetzen.“ Warum die Friseure schließen müssen, kann sie nicht nachvollziehen. „Sie haben viel in Hygienemaßnahmen* investiert, wie Abtrennungen aus Plexiglas zwischen den Stühlen, und dann müssen sie schließen.“

#Coronahair plagt Menschen in München: Harry G postet Lockdown-Foto auf Instagram

Der Komiker Harry G (41) hat Ersatz gefunden. „Mein fünfjähriger Sohn schneidet mir ein bisschen mit dem Elektrorasierer die Haare über den Ohren. Das könnte natürlich schiefgehen, aber da passe ich schon mit auf. Gerade sehe ich auch noch relativ normal aus, aber wenn die Friseure noch länger als derzeit geplant geschlossen sind, wird’s unschön.“

Darüber hat er sich sehr Gedanken gemacht – und diese dann in eine Verkleidung gegossen und ein Foto mit langen grauen Haaren und Vollbart veröffentlicht. „Bis ich so aussehe wie auf diesem Foto mit Bart und langen Haaren, dauert’s zum Glück noch.“

Dem FDP-Landtagsabgeordeneten Helmut Markwort (84) fällt ein Kniff ein, der Friseuren die Öffnung ermöglichen könnte: „Ich möchte eine Diskussion darüber anregen, ob das Friseurhandwerk nicht in die therapeutischen Berufe eingegliedert werden sollte. Friseuren fallen viele Krankheiten wie Melanome als Erstes auf. Im Übrigen ist es auch eine psychosoziale Frage, ob Frauen mit kolorierten Haaren nicht zu Depressionen neigen könnten, wenn plötzlich graues Haar durchkommt. Die Staatsregierung sollte darüber nachdenken, dass die Friseure auch heilende Hände haben.“ *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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