Lockerungen greifen

Alles wie vor Corona? Leben kehrt zurück nach München - vom Biergarten bis zum Abflug-Schalter

Weil der Inzidenzwert weiter sinkt, können die Münchner langsam wieder Freiheiten genießen, auf die sie lange verzichten mussten: Vom Biergarten bis zum Abflug in den Urlaub.

Bei einer golden schimmernden Mass im Biergarten hat man es gespürt, beim stundenlangen Shoppen in der quirligen Innenstadt oder beim Warten auf den Abflug des Urlaubsfliegers. Das Leben in München* fühlte sich an diesem Wochenende schon fast wieder ein bissl an wie vor Corona*. All das, was wir in den vergangenen Monaten so schmerzlich vermisst haben, wird in München so langsam wieder möglich, weil die Sieben-Tage-Inzidenz* dauerhaft unter 100 liegt (am Samstag und Sonntag nur knapp über 50, siehe unten). Die tz hat sich am Wochenende im Biergarten, im Einzelhandel und am Flughafen umgehört, wie die Stimmungslage der Münchner ist – auf dem Weg zurück zur Freiheit.

Treetboot-Vergnügen auf dem Kleinhesseloher See im Englischen Garten, im Biergarten dahinter wird die neue Freiheit auch genossen.

München: Urlaubs-Start am Flughafen

Überall fröhliche Gesichter am Wochenende am Flughafen: „Das ist das Highlight des Jahres, endlich wieder nach Griechenland zum Klettern gehen zu können. Wir waren zwei Jahre nicht da und fliegen sonst regelmäßig“, sagt Daniel Bitschnou (38) aus Österreich. Nathalia (34) und Thorsten M. (38) aus Ravensburg fliegen mit ihrem Sohn nach Minsk: „Wir besuchen die Großeltern, die wir seit einem Jahr nicht mehr gesehen haben.“ Und Gabriela Radmila (72, Foto rechts unten, Mitte) aus München fliegt mit ihren Söhnen und deren Partnerinnen nach Alicante (Spanien). „Wir waren müde vom Daheimbleiben. Endlich Sonne, ­Freizeit, Essen, Trinken und Zeit zusammen ­verbringen!“

Prost auf die neue Münchner Freiheit in den Biergärten - wie hier im Augustinerkeller.

Corona in München: Biergarten & Co.

Biergartenwetter herrschte am Wochenende zwar nur bedingt – trotzdem trieb es die Münchner nach der langen Abstinenz in Scharen in die Außengastronomie wie oben auf dem großen Foto ins Seehaus. „Meine bayerische Seele ist glücklich“, freute sich auch Maximilian Regler (69, kleines Foto oben, 2. v. li.) am Sonntagmittag im Augustinerkeller. Er ist zum ersten Mal ­wieder bei seinen Spezln vom ­Ganter Stammtisch und einfach nur glücklich. „Gemeinschaft ist durch nichts zu ersetzen.“ Rentner Walter Hörl (70, ganz rechts) fügt hinzu: „Der Stammtisch ist für viele von uns das Leben.“ Auch Heinz Zahn (82, links) hat sich „wahnsinnig gefreut“, als er von der Öffnung der Außengastronomie gehört hat. „Langsam geht es wieder in Richtung Normalität.“ Vor allem für Geimpfte wie hier am Stammtisch.

Einkaufen in der Münchner Innenstadt

Shopping-Laune bei den Kunden und Aufatmen bei den Händlern der Münchner Innenstadt. „Wir freuen uns über die beiden besucherstärksten Tage des ganzen bisherigen Jahres“, berichtet Wolfgang Fischer von der Händlervereinigung City­Partner. „Es war eine große Freude, wieder viele Besucher bummeln zu sehen und nicht mehr nur auf fast leere Steinplattenflächen zu schauen.“ Viele Kunden hätten den Unternehmen bei Einführung der Testpflicht im Handel mitgeteilt, dass sie wieder kommen werden, wenn dieses Hindernis abgeschafft sei, sagt Fischer. „Und so kam es auch. Und auch das Bedürfnis, endlich wieder zwischendurch entspannt einen Kaffee, ein Bier oder einen Drink zu bestellen und etwas zu essen, war sogar noch größer als erwartet.“ Auch die Zahlen belegen das: Wurden am Freitag der Vorwoche in der Neuhauser Straße von 10 bis 20 Uhr insgesamt nur 14 905 ­Passanten gezählt, so waren dies an diesem Freitag bereits 47 335 Passanten, am Samstag sogar 53 880 Passanten.

…und so geht’s weiter, wenn die Zahlen sinken

Schaffen wir heute den Sprung unter die 50er-Marke? Aktuell (Stand: 16. Mai) lag die Sieben-Tage-Inzidenz für München laut Robert-Koch-Institut bei 53,5 – damit sind weitere Lockerungen in greifbarer Nähe. Zur Erinnerung: Am Sonntag vor einer Woche betrug der Wert 91,2… Sollte die Inzidenz fünf Tage in Folge unter 50 bleiben, könnten die Münchner nach einem weiteren Puffertag ohne Terminvereinbarung shoppen gehen sowie Freizeiteinrichtungen wie Museen oder den Tierpark besuchen. In den Grundschulen herrscht dann wieder (nach den Pfingstferien) voller Präsenzunterricht, falls genug Abstand im Klassenzimmer eingehalten werden kann. Und in den Kitas läuft wieder normaler Regelbetrieb ohne Einschränkungen.

Eine Frau beim Test: Ein Nachweis ist bei Inzidenz unter 50 oft unnötig.

Falls das Gesundheitsministerium dies genehmigt, könnte nach fünf Tagen unter 50 auch die Testpflicht bei der Außengastro, in Theatern, Oper oder Kinos entfallen. Draußen wäre kontaktfreier Sport in Gruppen bis zehn Personen erlaubt. Per Allgemeinverfügung kann sogar theoretisch Kontaktsport unter freiem Himmel ohne Test – und in Innenbereichen mit Test – zugelassen werden. N. Bautz, M. Rehle

Lediglich bei den Kontaktbeschränkungen brauchen die Münchner noch mehr Geduld: Hier greifen weitere Lockerungen (wie das Treffen dreier Haushalte) erst bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35. *tz.de und Merkur der sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © dpa

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