Geteiltes Schicksal der Gastronomen

Jetzt bereits Millionenverlust: Münchner Promi-Wirt zeigt, wie hart ihn die Corona-Krise wirklich trifft

Ugo Crocamo vom Café „Tambosi“.
+
Ugo Crocamo vom Café „Tambosi“.

Für sie gibt es bislang keine Perspektive: Die Gastronomie bleibt in der Corona-Krise von ersten Lockerungen ausgeschlossen. Die Situation ist für Wirte mehr als schwierig.

  • Die Gastronomie bleibt in der Corona-Krise* von ersten Lockerungen ausgeschlossen.
  • Die Situation ist für Wirte Münchens mehr als schwierig.
  • Sie kämpfen teilweise schon ums nackte Überleben.

München - Für viele Bereiche der Gesellschaft – Geschäfte, Schulkinder oder Friseure – gibt es in der Corona-Krise inzwischen eine Perspektive: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat am Donnerstag bekannt gegeben, wann Lockerungen möglich sind. Davon komplett ausgenommen bleibt der Gastronomiebereich. „Restaurants, Bars und Diskotheken müssen geschlossen bleiben“, erklärte der Landeschef. Gleiches gilt für Cafés, Wirtschaften und Biergärten. Für wie lange, ist noch völlig unklar.

„Unsere Betriebe waren die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen“, verdeutlicht Angela Inselkammer das Problem. Die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes fordert ein Rettungspaket von der Politik mit zwei Maßnahmen: Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent und die Bildung eines Rettungsfonds für das Gastrogewerbe. Ohne die Hilfe befürchtet sie, dass vielen Betrieben die Luft ausgeht.

David Süß vom „Harry Klein“.

Gastronomie in München während Corona: Die Ausfälle sind enorm

Denn die Ausfälle sind enorm. Zum Beispiel imClub „Harry Klein“, den David Süß betreibt. An einem normalen Wochenende werden dort bis zu 30.000 Euro umgesetzt. In der Corona-Krise fällt das weg. „Wir haben 30 000 Euro Soforthilfe bekommen“, sagt Süß (54). Seine 13 festangestellten Mitarbeiter erhalten Kurzarbeitergeld. Doch allein die Miete verschlinge 14.000 Euro im Monat. Wenn er die nicht zahlt, kann ihm der Vermieter aktuell zwar nicht kündigen. „Aber den Schuldenberg müssen wir ja irgendwann wieder abtragen.“ Deshalb verkauft Süß auch keine Gutscheine: „Der Umsatz fehlt uns ja, wenn wir wieder öffnen.“

Pinpoll

Auf einen Lieferservice setzt die Bar „Call Soul“ in Schwabing. Und auf neue digitale Ideen. Die Bar ist für ihre eigene Manufaktur und die kreativen Cocktail-Eigenkreationen bekannt. Letztere können sich Fans der Bar bald selbst dank Online-Videos daheim mischen. „Wir nehmen die Krise als Herausforderung“, gibt sich Chef Adnan Alija optimistisch und kämpferisch. Für seine 15 Mitarbeiter hat auch er Kurzarbeit beantragt. Geld aus dem Rettungsfonds wurde schon überwiesen. „Was wir jetzt brauchen, ist eine Perspektive.“

Das sagt auch Stephan Alof, der die Eventlocation „Josef“ betreibt. Bis zum Frühherbst waren dort Veranstaltungen gebucht. „Sie sind alle abgesagt.“ Schon jetzt muss Alof irgendwie mit einem Ausfall von 120.000 Euro zurechtkommen.

Café „Tambosi“: 1,4 Millionen Euro Verlust seit Beginn der Ausgangsbeschränkung

Das gilt auch für Ugo Crocamo. Normalerweise gilt: Wenn die ersten Knospen im Hofgarten sprießen, ist eines auch da: der Geruch von frischem Kaffee, der von der Terrasse des„Tambosi“ bis in den Park zieht. Doch Crocamos Café ist bis auf Weiteres zugesperrt. 1,4 Millionen Euro Verlust habe er seit Anfang der Ausgangssperre zu verzeichnen, sagt der Italiener. „Da sind die Löhne, die höheren Kosten für den Betrieb im März und auch die Mieten“, zählt der Wirt auf, der neben dem „Tambosi“ auch „H’ugo’s Pizza-Bar-Lounge“ betreibt. „Wenigstens gesundheitlich geht es uns gut“, sagt er. Er will nun demnächst wenigstens Kaffee und Eis im Hofgarten verkaufen.

Auf die Kulanz der Stadt als Vermieter hofft Anton „Toni“ Winklhofer, der Wirt vom„Ratskeller“ und des Festzelts „Tradition“ auf der Wiesn. „Die Stadt hat schon angekündigt, dass sie sich über Mieterleichterungen berät. Das würde uns helfen“, sagt der 71-Jährige. Der Ratskeller hat 1.200 Plätze, die auf 3.000 Quadratmeter verteilt sind. „Auch wenn wir natürlich mehr Platz haben, um mit den Tischabständen zu jonglieren, werden wir wahrscheinlich eher später wieder aufmachen dürfen“, so der Wirt. „Wenn es aber noch länger so weitergeht, werden wir uns ohne Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau wohl kaum über Wasser halten können.“

Wirt des „Fraunhofer“: Habe nur die Hälfte der Soforthilfe bekommen

Schwer ist es in diesen Tagen auch für Beppi Bachmaier, Wiesnwirt und Chef des„Fraunhofer“. „Gerade ist ein Brief von der Steuer reingeflattert. Die wollen Steuervorauszahlungen“, sagt er. „Dabei tendiert unser Umsatz gerade gegen null.“ Einen Lieferservice konnte er zwar in der Corona-Krise realisieren. Weil es aber aktuell keinen Zeitplan gebe, hält er sich lieber zurück. „Es wird immer so getan, als würde es jetzt nur noch zwei Wochen dauern“, ärgert sich Bachmaier. Soforthilfe habe er auch beantragt – aber nur die Hälfte bekommen. „Dafür hätte ich mir eine Erklärung gewünscht.“ Er sorgt sich auch schon um die Zeit nach der Corona-Krise: „Bis das Geschäft wieder anläuft, wird es sicher eine Weile dauern.“

S. Heidrich, S. Mercier und N. Hoffmann

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. Erfahren Sie auf tz.de alles zum Coronavirus in München: Beispielsweise zum Bußgeldkatalog und zur Ausgangssperre.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Großeinsatz in München: Streit zwischen zwei Frauen eskaliert - Polizeipräsenz die ganze Nacht
Großeinsatz in München: Streit zwischen zwei Frauen eskaliert - Polizeipräsenz die ganze Nacht
Corona-Hotspot München: OB Reiter kündigt verschärfte Maßnahmen für bestimmte Gruppe an - Infektionen steigen weiter
Corona-Hotspot München: OB Reiter kündigt verschärfte Maßnahmen für bestimmte Gruppe an - Infektionen steigen weiter
Horror-Unfall in der Nacht: Münchner (25) von Audi erfasst - und dann von Linienbus überrollt
Horror-Unfall in der Nacht: Münchner (25) von Audi erfasst - und dann von Linienbus überrollt
Diese Entdeckung einer Münchnerin auf der Theresienwiese sagt nun wirklich ALLES: Die „Nicht-Wiesn“ in Bildern
Diese Entdeckung einer Münchnerin auf der Theresienwiese sagt nun wirklich ALLES: Die „Nicht-Wiesn“ in Bildern

Kommentare