Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Krise

München: Wirrwarr um den Bier-Rabatt - „Die Wirte sind dann die Bösen“

Ist die Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Krise eine Hilfe für die Gastronomen in München? Das Echo fällt gemischt aus.

  • In der Corona-Krise* soll nun die Mehrwertsteuer gesenkt werden.
  • Gastronomen in München hilft das dem Augenschein nach nur wenig.
  • Dazu kommt jetzt das Wirrwarr um die verminderten Steuersätze.

München -  Mehrwertsteuersenkung? Für Münchens Wirte ist das angesichts der hohen Zusatzkosten für die Hygiene-Maßnahmen* und der anhaltenden Zurückhaltung der Kundschaft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Ein Biergarten-Betreiber rechnete gegenüber der tz vor, dass er allein für den Check-in, also für die Datenaufnahme der Gäste im Rahmen der Corona-Maßnahmen, Zusatzausgaben in Höhe von rund 1000 Euro pro Tag habe, weil zwei Angestellte den ganzen Tag nur dafür abgestellt werden müssten. 

Corona-Krise in der Gastronomie München: Bier-Forderung wurde nicht erfüllt

Dazu kommt jetzt das Wirrwarr um die Mehrwertsteuer-Senkung*. Am Freitag stimmte der Bundesrat dafür, dass die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie ab Juli für ein Jahr von 19 auf 7 Prozent sinken soll. Die Forderung der Wirte, dass auch Bier und andere Getränke den verminderten Steuersatz bekommen sollen, wurde nicht erfüllt.

Da die Große Koalition ja Mittwoch nachts beschlossen hatte, die Mehrwertsteuer-Sätze für alle ab 1. Juli zu senken, ist der Bundesrats-Beschluss eigentlich schon wieder überholt. Geplant sind dann folgende Steuersätze: Vom 1. Juli bis 31. Dezember fallen auf Speisen 5 Prozent und auf Getränke 16 Prozent an. Von Januar bis Juni 2021 sind es dann für Speisen 7 und für Getränke wieder 19 Prozent!

Alexander Forst, Schoberwirt in der Ohlmüllerstraße: „Die Wirte sind dann die Bösen“

„Bei dem Durcheinander kennt sich keiner mehr aus. Die Leute meinen, jetzt müsste alles billiger werden – und wir Wirte sind dann die Bösen, wenn die Senkung nicht weitergereicht wird. Dabei bleibt der Mehrwertsteuersatz bei den Getränken ja erhöht!“

Thomas Roiderer vom Gasthof zum Wildpark in Straßlach: Besser als nichts

„Jede Form von Geld, die man behalten darf, hilft uns weiter– wenn in der jetzigen Situation auch ehrlich gesagt nicht sehr viel. Denn: Wenn wir uns den Riesen-Verlust anschauen, den wir in den vergangenen Wochen eingefahren haben, dann weiß ich nicht, ob sich die paar Prozente so sehr lohnen. Worauf ich wirklich hoffe, ist, dass bald wieder mehr Leute zu uns kommen. Im Moment überwiegt nämlich noch die Angst davor, rauszugehen. Da müssen dringend weitere Lockerungen her…“

Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel: Der Aufwand ist es wert

„Die Senkung der Mehrwert­steuer entlastet uns enorm! Andere Länder haben ja schon vor Jahren bewiesen, dass es funktioniert. Jetzt müssen die Kassensysteme umgerüstet werden. Ein Mehraufwand, klar! Aber den nehmen wir gern in Kauf. Der Tourismus ist eine echte Leitwirtschaft – und die sollte befeuert werden, mit allen Mitteln. Denn: Wenn niemand mehr zu uns kommt, zum Urlaub machen oder zum Essen, dann gibt es uns bald nicht mehr. Ich hoffe sehr, dass in naher Zukunft wieder Stammtische erlaubt sein werden, Hochzeitsfeiern und Kartler-Runden.“

München bekommt ein neues Pop-up-Autokino. Dort sollen trotz Corona auch Partys und Konzerte möglich sein. 

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Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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