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Liegt es an der Maskenpflicht? Apotheker beobachten Corona-Effekt: „Parallel zum Lockdown flacht Nachfrage ab“

Apotheker Sandmann hat 20 Prozent weniger Erkältungsmittel verkauft.
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Apotheker Sandmann hat 20 Prozent weniger Erkältungsmittel verkauft.

Dass die Corona-Maßnahmen wirken, zeigt sich bei der eingedämmten Ausbreitung von Erkältungen und Grippeviren. Apotheker bleiben auf ihren Medikamenten sitzen.

  • Maskenpflicht und Abstand halten helfen auch gegen die Grippe.
  • Es wurden wesentliche weniger Fälle der Influenza in München* gemeldet.
  • Auch die Krankheitsmeldungen nahmen stark ab.

München - Während die meisten nach einem Monat Lockdown ihren Stammtisch, den Sportverein oder Kulturveranstaltungen vermissen, gibt es eines, was wohl keinem abgeht: ein richtig hartnäckiger Katarrh. Und davon gibt es in diesem Winter tatsächlich deutlich weniger als noch im Vorjahr. Das merken vor allem die Apotheker, bei denen die Nachfrage nach Halsschmerztabletten und Hustensäften seit November kontinuierlich zurückgeht.

München: Corona-Maßnahmen führen zu einer Abnahme der Grippe-Infektionen

So etwa Peter Sandmann von der Nauplia-Apotheke in Harlaching: „Wir haben im November etwa 20 Prozent weniger Erkältungsmittel als im Vorjahr verkauft“, sagt er. Der Pharmazeut führt das auf Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht wegen dem Coronavirus* zurück. „Parallel zum Lockdown im November flacht die Nachfrage immer mehr ab.“ Für Sandmann heißt das: weiter abwarten, bis die Erkältungswelle kommt.

Apotheken tätigen ihre Bestellung für die Grippesaison schon im Frühsommer. Damals war noch nicht abzusehen, dass ein zweiter Lockdown kommen könnte. Nun werden wohl viele Apotheken zunächst einmal auf ihren Vorräten, die mehrere tausende Euro gekostet haben, sitzen bleiben. Für Sandmann ist das aber kein Grund zur Sorge: „Ich freue mich ja, wenn die Kunden gesund sind.“ Und abgerechnet werde bekanntlich erst zum Schluss: „Die Grippesaison geht noch bis März, spätestens wenn an Weihnachten wieder viele Leute zusammenkommen, wird auch die Zahl von Infektionen und Erkältungen wieder ansteigen.“

Sandmanns These, dass die Maskenpflicht für weniger Kranke gesorgt hat, unterstützen die offiziellen Grippe-Zahlen aus München. Seit dem ersten Oktober wurden in der Stadt gerade einmal sechs Influenzafälle gemeldet (Stand 1. Dezember). Im Vergleichszeitraum vom vergangenen Jahr waren es Angaben des Gesundheitsamts zufolge 95. Bayernweit lässt sich Ähnliches beobachten. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte gestern: „In den ersten sieben Wochen der Grippesaison bis Kalenderwoche 47 hat das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nur 25 Influenza-Infektionen registriert. Im selben Zeitraum im Vorjahr waren es 244.“

Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in München in unserem aktuellen News-Ticker.

Trotz Corona-Pandemie: Krankmeldungen nehmen stark ab

Und auch einen Rückgang der Krankmeldungen wegen Erkältungen gibt es, wie die AOK Bayern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt: „Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle in Bayern wegen Atemwegserkrankungen ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum (März bis Oktober 2019) um rund 14,8 Prozent zurück.”

Auch Peter Aurnhammer von der Apotheke Ismaning stellt fest, dass weniger Kunden mit laufender Nase und Halsschmerzen in seine Apotheke kommen - Corona*-Schutzmaßnahmen sei Dank. „Wir haben im November nur die Hälfte vom sonst üblichen Umsatz mit den Erkältungspräparaten gemacht“, schätzt er. Dafür sei der Absatz von immunstärkenden Präparaten gestiegen. Dass Aurnhammer auf Medikamenten sitzen bleiben könnte, sieht auch er gelassen: „Die meisten Mittel haben eine Haltbarkeit von drei bis vier Jahren.“ Und bis dahin werden die Leute wohl wieder zum Stammtisch oder zum Sportclub gehen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie sich dabei ab und an eine Erkältung einfangen. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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