Besonders Selbstständige trifft es hart

Corona-Krise trifft Münchens Handwerker besonders hart: „Wir brauchen Hilfe“

Selbstständigkeit heißt in Zeiten von Corona für viele auch, alleine gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu kämpfen. Münchner Handwerker und Selbstständige berichten.

  • Das Coronavirus* hat München fest im Griff.
  • Das Handwerk leidet unter der Ausgangsbeschränkung und dem Kontaktverbot.
  • Die Zahl der Selbstständigen wird um etwa 100.000 zurückgehen.

München - Wie geht es weiter mit meinem Betrieb? Diese Frage stellen sich derzeit viele Handwerker. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit befürchtet, dass die Zahl der Selbstständigen in diesem Jahr infolge der Corona-Krise um etwa 100.000 zurückgehen könnte. Überwiegend Solo-Selbstständige könnten ihre berufliche Existenz verlieren.

An Aufträgen hat Jannik Meier nicht gemangelt. Doch aufgrund der Ausgangssperre musste der Friseurmeister Mitte März zusperren. Diesen Monat könne er seine Mitarbeiter und die Miete noch zahlen, sagt er. Jetzt ist der Salon aber zu, der Umsatz gleich null. „Wenn die Ausgangssperre länger bleibt, sind wir auf staatliche Hilfe angewiesen.“ Meier hat bereits Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantragt. „Wir haben Rücklagen, für viele Friseurläden ist das aber schon jetzt existenzbedrohend“, sagt er. Er hofft nun auf Wirtschaftsminister Altmaiers Schutzschirm für Kleinbetriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern. Die Finanzspritze von 9000 Euro für drei Monate könnte viele Betriebe retten.

Coronavirus: Finanzielle Hilfe für Metzgermeister Andreas Gaßner

Finanzielle Hilfe könnte auch bald Metzgermeister Andreas Gaßner in Anspruch nehmen. „Wir können unsere Produkte nicht lagern, bis die Krise vorbei ist, die Wurst wird schlecht“, erklärtMetzger Andreas Gaßner. Seine Metzgerei in der Zenettistraße 11 beliefert zu 70 Prozent Gastro-Betriebe und Hotels. „Das fällt jetzt alles weg, ich bin über jeden Tag froh, an dem es weitergeht“, sagt der 52-Jährige. Ein weiteres Problem: Gaßners Metzgerei ist Teil einer Lieferkette. „Wenn die Gastronomen mich nicht zahlen können, dann bin ich auch schnell verschuldet“, erklärt er. Sein Aufruf : „Kaufen Sie lokal ein! Nicht nur Supermärkte, auch Metzger und Bäcker sind für Sie da!“

Dem kann Heinrich Traublinger nur zustimmen. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei und stellvertretende Obermeister der Bäckerinnung München hat mit Umsatzeinbußen zu kämpfen wie die Meisten seiner Zunft. Einerseits beliefern viele Bäckereien Schulen, Hotels oder Gastrobetriebe, von denen viele aktuell geschlossen sind. Andererseits setzen die Bäckereien nichts mehr in ihren Filialen in Baumärkten und Einkaufszentren um. „Der Staat darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen, wir brauchen Hilfe“, sagt Traublinger. In der Not sind nun seine Töchter kreativ geworden. „Die haben übers Wochenende einen Lieferservice auf die Beine gestellt“, schwärmt er. Frische Backwaren kann man ab sofort unter www.traublinger.de bestellen.

Am Viktualienmarkt hat es am Dienstag gebrannt. Ohnehin tut sich dort im Moment viel - nicht nur wegen Corona und der anstehenden Sanierung.

Coronavirus: Sanitärbetrieb gehen die Masken aus

Verhältnismäßig gut geht es Olaf Zimmermanns Unternehmen. SeinMeisterbetrieb für Heizung und Sanitär wird aber auch in Zukunft mit den Auswirkungen der Krise konfrontiert werden. „Uns gehen langsam die Masken und die Einmalhandschuhe aus. Wenn wir uns und die Kunden nicht schützen können, wird’s schwierig mit Hausbesuchen“, erklärt er. Ein weiteres Problem: Viele Bauvorhaben sind auf Gastarbeiter angewiesen. „Zu 60 bis 70 Prozent arbeiten wir auf Baustellen. Wenn da aber keiner mehr da ist, können wir nicht loslegen.“ Die Krise hat auch kuriose Seiten: „Aktuell haben wir viele Einsätze, weil die Leute kein Toilettenpapier mehr haben und Feuchttücher benutzen“, sagt Zimmermann. „Das verstopft die Rohre.“

Stéphanie Mercier

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Der Murnauer Mathe-Lehrer Sebastian Rapp kontert die Corona-Krise mit einer witzigen Idee: Er unterrichtet via Videoclip. Jeden widmet er einer anderen Sportart.

Österreich versucht die Corona-Krise in den Griff zu bekommen. Die Zahlen der Covid-19-Infizierten steigen. In Ischgl gibt es unterdessen einen schlimmen Verdacht.

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