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Corona-Krise: „Überwältigende“ Solidarität in München - aber Helfer stehen vor unerwartetem Problem

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Von: Severin Heidrich

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Viele Münchner bieten Corona-Risikogruppen ihre Hilfe an – beim Einkaufen, beim Gassigehen. Doch bisher nehmen nur wenige diese Angebote in Anspruch.

München - Die Schwestern Jeanne, 18, und Justine Seibert, 20, stehen in einem Supermarkt im Univiertel vor dem Weinregal. „Der hier müsste passen“, sagt Justine und zieht einen korsischen Rotwein aus dem Regal. Jetzt noch geschwind ein Stück Käse, eine Zeitung, und schon haben die beiden den kleinen Einkauf für ihre Nachbarin zusammen. Nichts Lebensnotwendiges – umso besser also, wenn die ältere Dame dafür nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzt, finden Jeanne und Justine.

Wie viele andere haben die beiden Schwestern im Internet eine Anzeige aufgegeben: „Nur durch gegenseitige Unterstützung schützen wir Risikogruppen vor dieser Krankheit“, ist darin zu lesen. Und innerhalb von einer Woche haben die Seiberts reichlich zu tun: Für fünf Frauen gehen sie einkaufen, zwei- bis dreimal die Woche hüten sie für eine Nachbarin Kinder.

Coronavirus in München: Viele wollen helfen, bekommen aber keine Gelegenheit

Das klappt längst nicht bei allen. Sandra Werner, 28, hat ebenfalls schon vor einer Woche eine Anzeige geschaltet – beim selben Portal wie Jeanne und Justine. Doch bisher hat sich darauf noch niemand gemeldet. Auch bei den Münchner Freiwilligen“, einem Verein, der sich 2015 während der Flüchtlingskrise gegründet hat, hat sie sich in die Kartei eintragen lassen. Aber auch hier wartet die Beschwerdemanagerin noch darauf, dass sie mit der Hilfe loslegen kann.

„Wir haben aktuell 2793 Spontanhelfer“, sagt Petra Mühling, die den „Münchner Freiwilligen“ vorsitzt. „Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend.“ Doch auf diese enorme Zahl von Angeboten kämen bislang nur rund 100 Menschen, die sich helfen lassen wollen. Mühling glaubt, dass viele sich noch scheuen, Hilfe anzunehmen – auch weil sie nicht wissen, dass die Botengänge stets kostenlos sind. „Der Großteil der Seniorinnen und Senioren geht bis jetzt eher gelassen mit der Situation um“, sagt Andrea Frauscher, Sprecherin des Münchner Roten Kreuzes, das in München sieben Alten- und Servicezentren betreibt. Angst hätten die Senioren insbesondere davor, langfristig alleine zu sein.

Andreas Braunmiller, 45, haben die „Münchner Freiwilligen“ zwei Menschen vermittelt. Einem Mann hat er eben erst Milch vorbeigebracht. „Er isst für sein Leben gern Pudding“, sagt Braunmiller. Leider ist der Mann wegen einer Vorerkrankung nicht in der Lage, diese kleinen Einkäufe selbst zu erledigen.

Andreas Braunmiller will während der Corona-Krise helfen.
Andreas Braunmiller will während der Corona-Krise helfen. © Markus Götzfried

Coronavirus in München: Hilfsangebote für Risikogruppen

Wenn auch Sie zur Risikogruppe gehören, dann lassen Sie sich helfen! Der Verein „Münchner Freiwillige“ unterstützt bei der Suche nach Menschen, die für Sie einkaufen oder mit dem Hund Gassi gehen. Sie erreichen den Verein jeden Tag (auch am Wochenende) von 9 bis 16 Uhr unter Telefon 089/46132983. Auch die Alten- und Servicezentren sind für Sie telefonisch da.

Severin Heidrich

*merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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