Noch müssen viele Geduld haben

85-jährige Münchnerin hofft auf raschen Termin: „Warum ich diese Impfung brauche“

Die 85-jährige Johanna will unbedingt ihre Enkel wieder sehen.
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Die 85-jährige Johanna genießt jeden Tag mit ihren Enkelkindern.

Sie gehört zur Risikogruppe - aber einen Impftermin bekommt sie bisher trotzdem nicht. Die 85-Jährige Münchnerin Johanna erklärt, wieso sie den Impfstoff unbedingt braucht.

  • In der Landeshauptstadt München* bleibt die Corona-Lage weiterhin angespannt.
  • Der Impfstoff ist da - doch längst nicht alle, die ihn wollen, bekommen ihn.
  • So geht es auch der 85-jährigen Johanna. Sie erklärt, wieso sie den Impfstoff unbedingt braucht.

München - Nach dem holprigen Impfstart wachsen in der Bevölkerung Ernüchterung und Ungeduld. Es fehlt an Nachschub – und ein schnelles Ende des Engpasses ist nicht in Sicht. Dabei kann der kleine Pieks vor allem bei den Hochbetagten über Leben oder Tod entscheiden, über Geborgenheit oder Einsamkeit. Auch für Johanna (85) zählt jeder Tag.

Coronavirus München: Fast täglich sucht 85-Jährige im Internet einen Impftermin – bisher vergeblich

Lernen war immer ihr Leben. Schon früher als Lehrerin. Auch nach ihrer Pensionierung hat Johanna nie damit aufgehört. Sie fuchste sich ins Computerzeitalter hinein – und seit die 85-Jährige von einem unsichtbaren Schreckgespenst namens Corona* in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung festgehalten wird, lebt sie digitaler als jemals zuvor. Die Seniorin aus dem Landkreis München macht Online-Banking, bestellt bei Amazon, tippt WhatsApp-Nachrichten und googelt. „Alles schön und gut – aber eins können selbst Highspeed-Internet und Bildtelefonie nicht ersetzen: das Gefühl, wenn du die Menschen, die du liebst, in den Arm nimmst.“

Diese emotionale Nähe soll ihr der Impfstoff von Biontech*/Pfizer zurückgeben. Angst vor der Impfung hat sie nicht. „Warum auch?“, fragt die 85-Jährige und liefert die Antwort gleich hinterher: „Die Sorge, dass der Impfstoff das Erbmaterial des Menschen verändern und damit Krebs verursachen könnte, ist nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft unbegründet. Und selbst wenn nach vielen Jahren ungeahnt doch Langzeitfolgen auftreten sollten, würde ich diese wahrscheinlich sowieso nicht mehr erleben.“ Fast täglich sucht sie im Internet einen Impftermin – bisher vergeblich.

Coronavirus München: Ihre eigenen vier Wände verlässt Johanna kaum

Sie nimmt Corona sehr ernst – schon seit der ersten Welle im Frühjahr. Sie geht nur noch selten zum Einkaufen, trägt dabei immer eine FFP2-Schutzmaske. Essen bringt ihre Familie vorbei. Ihre eigenen vier Wände verlässt Johanna kaum. Die geplante größere Feier zu ihrem 85. Geburtstag im Sommer sagte sie ab, es gab nur einen kleinen Umtrunk mit der engeren Familie im heimischen Garten.

Auch ihr Sohn und die Schwiegertochter empfinden solche Familientreffen als heiklen Kompromiss – selbst wenn sie in kleinem Kreis und mit maximal möglichem Abstand stattfinden. „Die Kinder wollen nicht riskieren, dass sie mich anstecken“, weiß Johanna. „Zumal es ja absehbar ist, dass die Pandemie bald zu Ende gehen wird und wir uns endlich wieder unbeschwerter treffen können.“

„Wenn ich mich anstecke, werde das wahrscheinlich nicht überleben“

Die 85-Jährige macht sich nichts vor: „Wenn ich mich mit dem unsäglichen Virus anstecke, dann werde ich diese Infektion wahrscheinlich nicht überleben.“ Die Statistik befeuert ihre Sorge. Zwei von drei Corona-Opfern gehören der Generation 80 plus an, allein in Bayern starben bereits über 4000 Hochbetagte an der Erkrankung. „Ich möchte nicht, dass mein Leben einsam auf einer Intensivstation endet“, sagt Johanna bestimmt. Sich ihrem Schicksal ohne das schützende Serum zu ergeben, kommt für die 85-Jährige nicht infrage. „Zu sagen, ,gut, dann sterbe ich halt jetzt‘, wäre nicht mein Weg. Allein schon deshalb, weil jeder Tag mit meinen Enkeln ein Geschenk ist. Und ich wünsche mir noch viele solcher Tage.“ - Andreas Beez - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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