„Aufwand ist gigantisch“

Münchner Ärzte im Corona-Stress: Erste Praxis stoppt Impfungen - eine Gruppe muss sich weiter gedulden

In den Arztpraxen wird mittlerweile fleißig gegen Corona geimpft - zu fleißig? Mediziner berichten von Dauerstress. In München kapituliert die erste Praxis.

München - Die Nachfrage nach Corona*-Impfungen ist groß – erst recht, seitdem für vollständig Geimpfte die Beschränkungen gelockert werden. Viele Ärzte sind im Impf-Dauerstress. „Der organisatorische Aufwand ist gigantisch“, sagt Hausarzt Dr. Karlheinz Zeilberger. Mit Terminvereinbarungen, Aufklärungen und Dokumentationen liege der Zeitaufwand für eine einzige Impfung bei 40 bis 60 Minuten. Dafür bekommt er 20 Euro. „Materiell lohnt es sich nicht“, sagt er. „Aber wir machen es, weil wir helfen wollen…“ Auch kommende Woche bietet er wieder Erstimpfungen an, außerdem starten die Zweitimpfungen. „Astrazeneca gibt es inzwischen ausreichend“, sagt Zeilberger. „Einige über 60-Jährige möchten ihn nicht, aber er geht trotzdem gut weg.“ Kein einziger Termin sei geplatzt.

Corona-Impfungen in München: Astrazeneca ist da - Beschränkungen bei Biontech

Für Biontech-Impfungen dagegen gibt es noch Bestellbeschränkungen. „Wir haben die Zusage, dass wir auf jeden Fall den Impfstoff für die Zweitimpfungen bekommen“, sagt Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein. „Aber wie viele Dosen wir für Erstimpfungen haben, wird eine Überraschung.“ Eines stellt er klar: Ohne medizinische Indikation wird in seiner Praxis der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung bei dem Astrazeneca-Impfstoff nicht verkürzt – auch, wenn viele Patienten danach fragen. „Es entbehrt jeder medizinischen Grundlage“, ärgert er sich über die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Wirkung sei weitaus geringer – und logistisch sei es kaum zu stemmen.

München: Mindestens eine Praxis bietet keine Impfungen mehr an - Belastung ist zu groß

In manchen Praxen könnten in nächster Zeit weniger Erstimpfungen möglich sein. Und: Mindestens eine Münchner Praxis hat schon angekündigt, jetzt gar keine Erstimpfungen mehr anzubieten! Im Umland ist es ähnlich: „Alle wollen ihre zweite Impfung jetzt früher“, berichtet der Gilchinger Internist Dr. Markus von Rebay. Jeder sei an der Belastungsgrenze. Auch er kennt Kollegen, die das Impfen wegen hoher Arbeitsbelastung und geringen Verdiensts einstellen wollen. „Nach unseren Zahlen sind dies Einzelfälle“, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. „Die Anzahl der Praxen, die impfen, hat wöchentlich zugenommen.“ In Oberbayern machen 2.791 Praxen mit.

Impf-Fortschritt in München: Pensum in Impfzentrum soll erhöht werden

Die niedergelassenen Ärzte in München* haben bisher 150.297 Erst- und 6.205 Zweit­impfungen durchgeführt, insgesamt gab es in der Stadt bereits 632.758 Impfungen (Stand: 11. Mai 2021). Die Stadt geht davon aus, dass in nächster Zeit rund 6000 Impfungen täglich im Impfzentrum möglich sind. „Nach den derzeitigen Planungen ist das Verhältnis zwischen Erst- und Zweitimpfungen nahezu ausgeglichen“, sagt eine Sprecherin.

Noch gedulden müssen sich Lehrer an weiterführenden Schulen in der Prioritätsgruppe 3. Laut der Stadt ist eine bevorzugte Impfung nicht möglich, weil es dafür keinen zusätzlichen Impfstoff vom Freistaat gebe. (cla, kv, gma) *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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