Keine Impftermine bis Mitte Februar

Impf-Ärger! OB-Reiter enttäuscht über Entwicklung in München - „Wir liegen weit hinter den Erwartungen“

Ministerpräsident Markus Söder (l.) und OB Dieter Reiter im neuen Impfzentrum in der Messe München.
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Ministerpräsident Markus Söder (l.) und OB Dieter Reiter im Dezember neuen Impfzentrum in der Messe München. Seitdem ist dort nicht viel passiert.

Es sind viel zu wenige Impfdosen vorhanden, um die Millionenstadt München gegen Corona zu schützen. Das Impfzentrum in Riem verwaist zusehends.

  • Corona* hat die Stadt München weiter fest im Griff.
  • Die Impfungen haben begonnen - doch es sind viel zu wenige Impfdosen verfügbar.
  • Erst zehn Prozent der Priorisierungsgruppe 1 geimpft (siehe Update vom 28. Januar).

Update vom 28. Januar: Es war kurz vor Weihnachten, als das Impfzentrum in Riem medienwirksam mit großem Brimborium eröffnet wurde. Damals war von 90.000 Impfdosen die Rede, die München bis Ende Januar erhalten sollte. Nun sind es keine 25.000 in diesem Zeitraum. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warb schon an jenem 21. Dezember um Verständnis. Die Devise laute: „Geduld, Geduld, Geduld.“

Wie wahr. Für die Bürger wird das Warten auf Impftermine zu einem Geduldsspiel. Auch in München. OB Dieter Reiter (SPD) sagte diese Woche im Stadtrat: „Wir täten uns alle deutlich leichter, wenn wir genügend Impfstoff zur Verfügung hätten.“ Aber das dauert. 120.000 Personen umfasst in München die Gruppe der höchsten Priorität: Menschen in Alten- und Pflegeheimen, Kliniken sowie das Personal dieser Einrichtungen. Dazu kommen 87.000 Senioren, die zu Hause leben. Nur zehn Prozent der Priorisierungsgruppe 1 sind bisher geimpft. Wenn es in dem Tempo weitergeht, würde dieser Personenkreis erst im Oktober immunisiert sein. Und dann warten ja noch weitere 1,4 Millionen Münchner. Resümee von Feuerwehrchef Wolfgang Schäuble, der den städtischen Krisenstab leitet: „Wir liegen weit hinter den Erwartungen.“

Corona-Impfung: Wohl keine Impftermine bis Mitte Februar

Das aktuell gravierendste Ärgernis für die Stadt: Sie hat 87.000 Senioren über 80 bereits angeschrieben, kann aber noch keine Termine vereinbaren. Die Ratsuchenden – laut Gesundheitsreferat mittlerweile rund 2000 pro Tag – müssen am Impftelefon der Stadt vertröstet werden. Vor Mitte Februar werden wohl keine Termine für die stationäre Impfung in Riem vergeben werden können. Es könnte auch noch länger dauern. Derzeit starten von Riem aus nur die mobilen Impfteams und versorgen die Alten- und Pflegeheime. Rund 40 Prozent der bisherigen Impfdosen gingen an die Münchner Kliniken. Erklärtes Ziel ist auch, dass irgendwann die Hausarztpraxen mit dem Corona-Impfstoff ausgestattet werden. Doch wann das der Fall ist, vermag derzeit niemand zu sagen.

Die Unterteilung in Priorisierungsgruppen folgt dem Prinzip „die Schwächsten zuerst“. Der Gruppe 2 gehören in München 240.000 Personen an: Dies sind im Wesentlichen 70- bis 80-Jährige, Menschen mit Trisomie 21, Demenz, Transplantationspatienten und enge Kontaktpersonen von über 80-Jährigen oder Bewohnern von Alten- Pflegeheimen und Heimen für geistig Behinderte. Die Gruppe 3 (320.000 Personen) bilden 60- bis 70-Jährige, medizinisch vorbelastete Menschen, Polizei und Feuerwehr, Personal in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Einzelhandel.

Corona-Impfung: Schleppende Lieferung ärgert Münchner Stadtrat

(Erstmeldung) München - Der schleppende Fortgang der Impfstoff-Lieferungen sorgt im Münchner* Stadtrat für Unmut. Während der Vollversammlung am Mittwoch im Löwenbräukeller gab es parteiübergreifend einen einhelligen Tenor: „So kann es nicht weitergehen!“

Stand Mittwoch hat die Landeshauptstadt erst 24.445 Impfdosen erhalten – bei 1,56 Millionen Einwohnern. Allein um die 120.000 Personen der ersten Prioritätsgruppe zu immunisieren, sind 240.000 Dosen notwendig. Bekanntlich muss das Vakzin zweimal gespritzt werden.

Corona München. Aktuell werden 1000 Dosen pro Tag verimpft - von mobilen Teams in Altenheimen

Aktuell werden in München laut Feuerwehrchef Wolfgang Schäuble, der den städtischen Krisenstab leitet, 1000 Dosen pro Tag von mobilen Teams in Altenheimen verimpft und an Kliniken geliefert. Theoretisch wäre eine Tagesleistung von 10.000 möglich. Problem: Der Nachschub fehlt. Daher ist weiterhin unklar, wann das Impfzentrum in Riem den stationären Betrieb aufnehmen kann.

OB Dieter Reiter (SPD) ärgerte sich, dass die Stadt bereits alle Senioren über 80 Jahren angeschrieben habe, aber nach wie vor keine Termine vereinbart werden könnten. Auch die begrenzte Transportfähigkeit und die unterschiedliche Wirksamkeit der Impfstoffe könnten weitere Verzögerungen verursachen. Positiv entwickelt sich in München hingegen der Inzidenzwert. der am 20. Dezember bei 300 lag und nun – Stand Mittwoch – auf 70,1 gesunken ist. *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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