Überraschende Absage

So viele Impfdosen bekommt Bayern zum Auftakt - Klinik-Chef über Münchner Stotter-Start „schon sehr verwundert“

Notärztin Gonzalez-Marques erhält eine Corona-Impfung mit dem Präparat von Pfizer-Biontech im Brigham and Women‘s Hospital. Die rasante Entwicklung effektiver Impfstoffe gegen Covid-19 ist für die Macher des renommierten "Science"-Magazins der wichtigste Forschungsdurchbruch des Jahres.
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Impfen gegen Corona: Damit würden die bayerischen Unikliniken am liebsten so bald als möglich Beginnen - doch der geplante Start fällt ins Wasser. (Symbolbild)

Am kommenden Sonntag sollten in den Münchner Unikliniken die ersten Pflegekräfte und Ärzte gegen das Sars-CoV2-Virus geimpft werden. Doch jetzt haben die Landesbehörden den Impfstart überraschend abgesagt.

  • Am Sonntag (27. Dezember) sollten öffentlichkeitswirksam die ersten Ärzte und Pflegekräfte gegen Corona geimpft werden.
  • Doch die Landesbehörden haben den Start in Münchens* Unikliniken überraschend abgesagt. In der Ärzteschaft schlägt die Entscheidung hohe Wellen.
  • Am zweiten Feiertag soll die erste Biontech-Lieferung im Freistaat eintreffen.

Update 23. Dezember, 15.26 Uhr: Wegen des Stotter-Starts der Corona-Impfungen wird die Kritik am bayerischen Gesundheitsministerium immer lauter. Der Chef der München Klinik, Dr. Axel Fischer äußerte gegenüber unserer Redaktion Kritik an der Organisation des Impfstarts: „Ich bin schon sehr verwundert darüber, dass bereits am Sonntag in den beiden Münchner Unikliniken geimpft werden sollte, die München Klinik dagegen bis heute noch nicht einmal darüber informiert worden ist, wann wir überhaupt den Impfstoff bekommen - und das, obwohl wir der größte Notfallversorger der Stadt sind und bereits seit 28. Januar Covid-Patienten in München behandeln.“

Dr. med. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik.

Chef von München-Klinik über Impfstart: „Lichtblick im Corona-Winter“

Gleichzeitig betonte der Geschäftsführer der städtischen Krankenhäuser allerdings, dass der nahe Impfstart ein sehr positives Signal sei. Fischer zu Münchner Merkur und tz: „Trotz aller Schwierigkeiten müssen wir aber froh und dankbar sein, dass es mit dem Impfen bald los geht. Das ist ein Lichtblick im Corona-Winter, der uns leider noch einige dunkle Tage bescheren wird.“

Unterdessen bemängelte der Chef des Deutschen Herzzentrums München, Professor Dr. Rüdiger Lange, erneut das seiner Einschätzung nach zu geringe Tempo beim Impfen. „Unser wurde gesagt, dass wir voraussichtlich nicht vor Mitte Januar mit Impfstoff rechnen können. Das ist mit Blick auf die vielen Kollegen, die sich als Team rund um die Uhr um schwerkranke Patienten kümmern, absolut unbefriedigend“, sagte der Herzchirurg unserer Redaktion. Lange hatte wiederholt kritisiert, dass der Bund nicht schon vor einigen Wochen eine Notfallzulassung für den Biontech-Impfstoff erlassen hat.

Update 23. Dezember, 15.07 Uhr: Am zweiten Weihnachtstag sollen die Laster mit dem Biontech-Impfstoff in Bayern anrollen - zugeteilt vom Bund. Die Erstlieferung beläuft sich laut Bayerischem Gesundheitsministerium auf 9750 Dosen. Allerdings wird bereits für den 28. Dezember eine weitere, wesentlich größere Ladung erwartet.

Die Hälfte der Erstlieferung muss zurückgehalten werden, sodass zunächst nur 4875 Menschen geimpft werden können. Hintergrund: Die Impfung muss nach drei Wochen wiederholt werden, um den vollen Impfschutz zu gewährleisten. Um auf Nummer sicher zu gehen, wollen sich die Organisatoren nicht auf bereits zugesagte zusätzliche Impfdosen verlassen.

Update 23. Dezember, 13.48 Uhr: Der abgesagte Impfstart in den beiden Münchner Unikliniken schlägt in der Ärzteschaft und bei Pflegekräften hohen Wellen.

Der Chef des Uniklinikums rechts der Isar, Professor Dr. Markus Schwaiger, äußerte sich gegenüber unserer Redaktion enttäuscht über die Verzögerung: „Natürlich haben wir uns vorbereitet, um unser besonders gefährdetes Personal bereits am Sonntag impfen zu können. Besonders die Mitarbeitenden der Covid-Stationen und im Notfallzentrum sind einem hohen Risiko ausgesetzt und bedürfen eines besonderen Schutzes, damit sie die Krankenversorgung am Klinikum in diesen Krisenzeiten aufrechterhalten können. Wir sind enttäuscht, gehen aber davon aus, dass wir in wenigen Tagen den dringend erwarteten Impfstoff für unser ärztliches und pflegerisches Personal verfügbar haben.“ 

München: Corona-Impfungen abgesagt - Klinikchef spricht über „geringe Anzahl an Impfdosen“

Professor Dr. Karl-Walter Jauch, Chef des LMU-Klinikums, hofft darauf, dass ab Dienstag, 29. Dezember, die ersten Ärzte und Pflegekräfte geimpft werden können. Gegenüber unserer Redaktion erklärte er: „Die Staatsregierung bekommt in der ersten Lieferung am 26.12. leider nur eine sehr geringe Anzahl an Impfdosen, die ab 27.12.2020 für über 80-jährige Bewohner der Alten- und Pflegeheime reserviert sind. Die Bayerischen Uniklinika, die sich in der Organisation äußerst aktiv eingebracht haben und die Infrastruktur für die zentralen Impfstoffzentren aufbauten, hätten sich alle gewünscht, dass sie die Impfungen von Mitarbeitern der COVID-Intensivstationen und Notaufnahmen auch ab dem 27.12.2020 hätten beginnen können.

Wir sind schon enttäuscht, werden aber mit der Lieferung am 28.12.2020 voraussichtlich bedacht werden, um unseren Mitarbeitern mit direkter Gefährdung durch die COVID-Patientenversorgung Impfungen ab dem 29.12.2020 anbieten zu können. Wir halten dies nicht nur als persönlichen Schutz für vordringlich, sondern auch um die weitere Patientenversorgung nicht durch eventuelle Mitarbeiterinfektion zu gefährden“.

Zu wenig Corona-Impfstoff? Auftakt in München abgesagt - Ärzte kritisieren holprige Planung

Ursprungsmeldung:

München - „Wir haben heute aus dem Ministerium die Info erhalten, dass wir am Sonntag nicht impfen können“, bestätigte eine Sprecherin des Uniklinikums rechts der Isar gegenüber tz und Münchner Merkur. Über die Hintergründe gibt es noch keine offizielle Aussage. In Ärztekreisen kursiert das Gerücht, dass noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Unsere Redaktion hat das bayerische Gesundheitsministerium um eine Stellungnahme gebeten.

Auch im LMU-Klinikum mussten die bereits einbestellten Mitarbeiter wieder ausgeladen und mindestens auf Dienstag, 29. Dezember, vertröstet werden. In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, kritisieren Ärzte „eine etwas holprige Planung“. „Vollkommen unerwartet haben wir soeben durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erfahren, dass wir vorerst keine Impfdosen am Klinikum Großhadern zur Verfügung gestellt bekommen. Das kommt für uns umso überraschender, als wir bislang dazu gedrängt wurden, bereits am Sonntag, den 27.12.20 mit den Impfungen zu beginnen.“

Corona-Plan für Impfungen: Mitarbeiter von Covid-Stationen sollten zuerst drankommen

In den beiden Kliniken sollten zunächst Ärzte und Pflegekräfte gegen Corona* geimpft werden, die Covid-19-Patienten versorgen. Die Kliniken hatten für Sonntag die Medien bereits zu Ortstermin eingeladen.

Das kommt für uns umso überraschender, als wir bislang dazu gedrängt wurden, bereits am Sonntag, den 27.12.20 mit den Impfungen zu beginnen.

LMU-Schreiben zur Absage des Impfstarts

Seit Mittwoch (23. Dezember) gilt in Bayern eine neue Regel: Wer aus einem ausländischen Risikogebiet zurückkehrt, muss sich auf Corona testen lassen*. In einigen Städten geraten die Testzentren jetzt schon an ihre Grenzen.*tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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